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Überregional Ante S. steht erneut wegen Wettmanipulationen im Blickpunkt
Sportbuzzer Fußball Überregional Ante S. steht erneut wegen Wettmanipulationen im Blickpunkt
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21:14 05.01.2011
Von Patrick Hoffmann
Ante S. steigt nach dem Schuldspruch 2005 vor dem Berliner Landgericht in sein Auto. Der Kroate gestand am Mittwoch als Zeuge vor dem Bochumer Landgericht weitere Manipulationen. Quelle: dpa
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Ante S. ist ein Spieler. Alles oder nichts, das ist seine Devise, wobei Ante S. den Ausgang dieser Frage selten dem Zufall überlassen hat. Er hat Schiedsrichter und Spieler bestochen oder gleich mit ihnen gemeinsame Sache gemacht, dafür ist er bereits 2005 wegen Wettbetrugs verurteilt worden. Nun sitzt Ante S. wieder im Gerichtssaal, dieses Mal als Kronzeuge bei den Ermittlungen im aktuellen Wett- und Manipulationsskandal, der als der größte der europäischen Fußballgeschichte gilt. Und Ante S. ist sehr gesprächsbereit, er prahlt geradezu mit Namen von Komplizen und manipulationsbereiten Fußballspielern. Am Mittwoch belastete er den ehemaligen Profi des Zweitligisten VfL Osnabrück, Thomas Cichon, schwer. Warum aber hängen Staatsanwaltschaft und Medien ausgerechnet Ante S., dem überführten Betrüger, dermaßen an den Lippen und zweifeln kaum an seinen Aussagen?

Will dort jemand reinen Tisch machen? Oder nutzt Ante S. die öffentliche Bühne für einen weiteren großen Bluff, mit dem er ein paar unliebsame Weggefährten mit in den Strudel zieht? Die Beweislast gegen Ante S. muss jedenfalls erdrückend sein, anders ist kaum zu erklären, dass der Sohn kroatischer Eltern am Mittwoch vor dem Landgericht Bochum – wohlgemerkt als Zeuge – die Manipulation von zahlreichen Fußballspielen in Deutschland und Europa gestanden hat, obwohl noch keine Anklage gegen ihn erhoben worden ist. Und doch hat es einen bitteren Beigeschmack, dass er in den jüngsten Polizeiverhören auch den Schiedsrichter Felix Zwayer, der heute in der 2. Bundesliga pfeift, belastet hat. Zwayer, bis 2005 Assistent des später wegen Manipulation verurteilten Schiedsrichters Robert Hoyzer, soll demnach ebenfalls Geld von Ante S. erhalten haben. Zwayer bestreitet das bis heute, das Verfahren gegen ihn wurde längst eingestellt. Bitter ist die Geschichte deshalb, weil Zwayer damals zu den Schiedsrichtern gehörte, die das Duo Ante S./Hoyzer beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) auffliegen ließen.

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Ante S. wurde damals zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und elf Monaten verurteilt, die er jedoch weitgehend als Freigänger verbüßte. Noch vor der Urteilsverkündung gelobte er damals, seine Spielsucht zu bekämpfen, außerdem werde er versuchen, „nie wieder in eine solche Situation zu kommen“.

Der Ausgang ist bekannt, Ante S. beteiligte sich selbst als Freigänger an Manipulationen, und das ist rückblickend kaum überraschend. Schon 2005 attestierten ihm Psychologen eine Spielsucht, die fast manisches Ausmaß hatte. Wenn eine Wette trotz Manipulation misslang, sei er „sehr frustriert“ gewesen, gestand er vor fünf Jahren. „In solchen Fällen, wenn es besonders wehtat, habe ich den Wettschein aufgehoben.“ In einer kleinen Box im Bettkasten. „Ich bin eben ein Zocker.“ Vor allem aber ist er ein Spieler, der das Bestechen, Bedrohen und Manipulieren so gut beherrscht wie kaum ein anderer. Das hat ihn zwischenzeitlich zum Millionär gemacht.

Doch abgesehen von seiner Liebe für teure Sportwagen und seinem Geburtsjahr 1976 ist kaum etwas über ihn bekannt. Einzig seine Zeugenaussagen vor Gericht geben einen kleinen Einblick: Mit 19 Jahren habe er zum ersten Mal gewettet, 2000 machte der Amateurfußballer des Berliner Klubs CD Croatia mit dem richtigen Meisterschaftstipp (Bayern München) zum ersten Mal das große Geld. Bayer Leverkusen verspielte damals in einem denkwürdigen Saisonfinale die schon sicher geglaubte Meisterschaft in Unterhaching, Michael Ballack erzielte dabei ein Eigentor. Nach aktuellem Stand war das wirklich alles Zufall, den Zocker Ante S. dürfte es aber endgültig auf den Geschmack gebracht haben.