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Überregional Aus für Wolfsburg und Köln - Duisburg und Cottbus im Viertelfinale
Sportbuzzer Fußball Überregional Aus für Wolfsburg und Köln - Duisburg und Cottbus im Viertelfinale
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21:50 22.12.2010
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Der VfL Wolfsburg hat sich nach einer katastrophalen Hinrunde in der Fußball-Bundesliga auch im DFB-Pokal blamiert und den Druck auf Trainer Steve McClaren stark erhöht. Der englische Coach des Meisters von 2009 dürfte nach der deutlichen 1:3 (0:3)-Niederlage am Mittwoch im Achtelfinale gegen den Zweitligisten Energie Cottbus kaum noch zu halten sein. Das vom Mutterkonzern VW vorgegebene Saisonziel Europapokal ist nach dem überraschenden Aus für den Tabellen-13. so gut wie unerreichbar geworden. Durch die Tore von Nils Petersen (2. Minute/43.) und Jiayi Shao (40.) stehen die Lausitzer zum zweiten Mal im Viertelfinale, vor 10.801 Zuschauern sorgte VfL-Topstürmer Edin Dzeko (56.) nur für den Ehrentreffer.

Trotz der starken Leistung seines Teams überwog bei Energie- Trainer Claus-Dieter Wollitz wegen Ausschreitungen der eigenen Fans „Frust“. Der 45-Jährige drohte sogar mit seinem Abschied. „Irgendwann muss man sagen, dann ist es vorbei“, sagte er dem TV-Sender Sky. In der Halbzeit hatte er versucht, die Gästezuschauer, die Rauchbomben zündeten, zu beruhigen. „Das ist jetzt emotional gesagt, ich würde das nicht zu hoch hängen“, sagte Energie-Präsident Ulrich Lepsch.

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Wolfsburgs Nationalverteidiger Marcel Schäfer sprach nach der Pleite von einer „Riesen-Enttäuschung“: „Unsere Situation ist sehr, sehr schwierig. Wir haben keine Konstanz in unserem Spiel.“

Der Nebel der Rauchbomben aus dem Energie-Fanblock hatte sich nach dem Anpfiff noch nicht verzogen, da schockte Petersen das Heimteam bereits nach 61 Sekunden. Unbedrängt ließ der 22-Jährige Wolfsburgs Torwart Diego Benaglio mit einem Kopfball aus sechs Metern keine Chance. McClaren stürmte zum sofortigen Videostudium in die Kabine und notierte nach seiner Rückkehr auf die Bank die Mängel seiner unaufmerksamen Defensive. Anders als noch nach dem 0:2-Rückstand gegen 1899 Hoffenheim (2:2) am Wochenende feuerten die VfL-Fans ihr Team jedoch weiter an.

Von der offensiven Ausrichtung mit den drei Stürmern Dzeko, Mario Mandzukic und Grafite war bei den verunsicherten Niedersachsen zunächst wenig zu sehen. Zwar verpasste Mandzukic (6./29.) zweimal den Ausgleich nur knapp, doch auch die Gäste blieben gefährlich. Der Finalist von 1997 hatte Pech, dass Schiedsrichter Peter Gagelmann nach dem Stoß von Sascha Riether gegen Petersen (9.) nicht auf Elfmeter entschied.

Ein „big game“ hatte McClaren angekündigt, groß waren jedoch nur die Probleme der „Wölfe“-Defensive. Erstmals in dieser Saison bildeten Simon Kjaer und der für Andrea Barzagli nominierte Alexander Madlung die Innenverteidigung - das Experiment misslang gründlich. Kurz vor der Pause schien das Spiel bereits gelaufen: Die Kombination über Emil Jula und Petersen nutzte Shao zum 2:0. Drei Minuten später vernaschte der 21-jährige Jules Reimerink Zwölf-Millionen-Mann Kjaer, Petersen brauchte nur einzuschieben. Vor dem Seitenwechsel hallten die ersten „Wir haben die Schnauze voll“-Rufe durch die Arena.

Wolfsburg startete schwungvoller in die zweite Halbzeit und drängte die Lausitzer weit zurück. Nach einem Diego-Freistoß spitzelte Dzeko eine Kopfball-Vorlage von Madlung an Cottbus- Schlussmann Thorsten Kirschbaum vorbei. Auch Nationalverteidiger Arne Friedrich konnte bei seinem Comeback nach viermonatiger Verletzungspause das bittere Aus jedoch nicht verhindern.

Pokal-Aus für Köln: MSV Duisburg gewinnt 2:1

Der Außenseiter MSV Duisburg hat dem Fußball- Bundesligisten 1. FC Köln die Weihnachtsstimmung gewaltig verdorben. Die „Zebras“ setzten sich am Mittwochabend verdient mit 2:1 (1:0) im Achtelfinale des DFB-Pokals durch und verhinderten als Gäste in Müngersdorf die vierte Viertelfinal-Teilnahme der Rheinländer in diesem Jahrzehnt. Stefan Maierhofer (3. Minute) und Julian Koch (76.) bescherten dem Tabellenfünften der zweiten Liga und Pokalfinalisten von 1998 mit ihren Toren vor 44.500 Zuschauern den Einzug in die Runde der letzten Acht. Für Köln konnte Simon Terrode in der 84. Minute nur noch verkürzen.

„Nach dieser Niederlage gibt es nichts zu feiern. In der ersten Pokalfight nicht angenommen“, sagte Kölns Martin Lanig. Die Duisburger präsentierten sich stolz und selbstbewusst. „Wir hätten schon in der ersten Hälfte zwei oder drei Tore schießen müssen“, sagte Filip Trojan.

Das sechste Cup-Duell der alten West-Rivalen seit 1970 begann wegen des großen Zuschauerandrangs mit zehn Minuten Verspätung und entwickelte sich zu einem packenden, aber spielerisch schwachen Fight. Der viermalige DFB-Pokalsieger Köln musste schon nach drei Minuten den Schock des 0:1 hinnehmen, als der 2,02 Meter große Maierhofer nach einer Ecke von Ivica Grlic aus kurzer Distanz per Kopf sein drittes Tor im laufenden Wettbewerb erzielte.

Der Erstliga-16. aus Köln, bei dem Nationalstürmer Lukas Podolski nach seinem Außenbandriss wieder in der Startelf stand, war mächtig angestachelt. Allein Lanig hatte in den ersten 45 Minuten dreimal (5./11./44.) die Chance zum Ausgleich. Schmerzlich vermisst wurde der verletzte Angreifer Milivoje Novakovic, den der ehemalige Duisburger Terodde im Angriffszentrum trotz Torerfolgs nur unzureichend ersetzen konnte.

Auf Kölner Seite musste der in die USA wechselnde Keeper Faryd Mondragon bei seinem 115. und letzten Einsatz für die Geißbock-Elf kaum einmal eingreifen. Bei einem Tempogegenstoß von Trojan klärte Kölns Kapitän Youssef Mohamad in letzter Sekunde, einen Maierhofer- Schuss entschärfte Mondragon sicher (35.). Gästeschlussmann Yelldell musste bei einem Podolski-Freistoß (37.) beide Fäuste einsetzen, um das 1:1 zu verhindern.

Kölns Trainer Frank Schaefer musste nach der Halbzeit die verletzten Verteidiger Mohamad und Fabrice Ehret durch Kevin McKenna und Stephan Salger ersetzen. Grlic (53.) hätte die wackelige FC- Defensive beinahe überlistet, doch Mondragon lenkte seinen Flachschuss mit dem Fuß noch zur Ecke ab. Maierhofer hatte drei Minuten danach das 2:0 des Zweitliga-Tabellenfünften auf dem Fuß. Olcay Sahan traf in der 63. Minute noch den Pfosten.

Bei Köln vermisste man das Aufbäumen. Koch bestrafte dies mit dem entscheidenden Tor. Podolski (79.) knallte noch einen indirekten Freistoß im MSV-Strafraum über das Tor und vergab noch zwei weitere Chancen. Teroddes Tor kurz darauf nutzte Köln nichts mehr.

dpa