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Überregional Babak Rafati gibt DFB Mitschuld an Suizid-Versuch
Sportbuzzer Fußball Überregional Babak Rafati gibt DFB Mitschuld an Suizid-Versuch
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16:29 19.03.2013
Foto: Babak Rafati greift jetzt den DFB an. Er habe nur "Kälte" und "Unerbittlichkeit" erfahren.
Babak Rafati greift jetzt den DFB an. Er habe nur "Kälte" und "Unerbittlichkeit" erfahren. Quelle: dpa
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"Als Herbert Fandel mein neuer Chef wurde, habe ich absolut keine Rückendeckung mehr bekommen", sagte Rafati in einem Interview mit dem "Stern". "Ich war es gewohnt, sachliche Kritik zu erfahren, aber keine aus meiner Sicht persönlichen Verletzungen." Er habe nicht einmal Zuspruch erfahren, dafür nur "Kälte" und "Unerbittlichkeit" durch Fandel erlebt.

Von Rafati erscheint nächste Woche im Kösel-Verlag ein Buch mit dem Titel: "Ich pfeife auf den Tod! Wie mich der Fußball fast das Leben gekostet hat." Vor dem Bundesliga-Spiel 1. FC Köln - FSV Mainz 05 am 19. November 2011 hatte der Unparteiische in einem Kölner Hotel versucht, sich das Leben zu nehmen. Als Auslöser gab er später Depressionen an.

Schiedsrichter-Chef Heribert Fandel hat sich gegen Babak Rafatis Vorwürfe gewehrt und jegliche Mitschuld am Suizidversuch des ehemaligen Bundesliga-Referees von sich gewiesen. "Die Sichtweise und die Vorwürfe von Babak Rafati kann ich in keinster Weise nachvollziehen und sie schockieren mich. Zu keinem Zeitpunkt hatte ich Kenntnis über sein seelisches Krankheitsbild", sagte der Vorsitzende der Schiedsrichter-Kommission im Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Er habe Rafati wie jeden anderen Unparteiischen behandelt - nach dem Leistungsprinzip. "Seine Leistungen erfüllten über einen langen Zeitraum nicht die Anforderungen. Aus diesem Grund war er heftiger öffentlicher Kritik ausgesetzt", erklärte Fandel. In der Tat war Rafati damals bei Spielern und Fans stark umstritten. Fandel weiter: "Wir in der Schiedsrichter-Führung haben sehr häufig über Babak Rafatis Leistungen gesprochen, und ich persönlich habe mich sehr um ihn bemüht. Mit keinem anderen Schiedsrichter habe ich so oft gesprochen."

Rafatis Suizidversuch hatte für viel Aufsehen im Profifußball gesorgt und nach der tödlichen Tragödie von Nationaltorwart Robert Enke zuvor eine erneute Debatte über den Leistungsdruck ausgelöst. Das Bundesliga-Spiel in Köln war damals abgesagt worden, der damalige DFB-Präsident Theo Zwanziger war in Rafatis Hotel geeilt, um sich sachkundig zu machen und eine Pressekonferenz abzuhalten.

Niemand aus der Führungsriege des DFB habe versucht, persönlich mit ihm Kontakt aufzunehmen, auch Zwanziger nicht, bemängelte Rafati jetzt. "Das hat mich im Nachhinein extrem aufgewühlt. Das hat mir gezeigt: es hat sich eben doch nichts bewegt." Der Bankkaufmann hatte im Mai 2012 seine Schiedsrichter-Karriere für beendet erklärt.

dpa

Der Artikel wurde aktualisiert.

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