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Überregional Barcelona verdrischt Manchester United im Champions-League-Finale
Sportbuzzer Fußball Überregional Barcelona verdrischt Manchester United im Champions-League-Finale
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20:12 29.05.2011
Ein Trainer lernt das Fliegen: Spieler und Betreuer des FC Barcelona lassen Josep Guardiola, den Baumeister einer außergewöhnlichen Mannschaft, hochleben. Quelle: dpa
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Für einen Moment war der Europapokal auch nichts anderes als eine Rolle Tapeverband oder ein Koffer mit Ersatztrikots. Die Fußballer des FC Barcelona ließen ihn in der Umkleidekabine stehen, und ihr Betreuer Carlos Nadal trug den Pokal wie einen beliebigen Gebrauchsgegenstand aus dem Stadion, einhändig, die andere Hand benötigte er für irgendwelche Mappen. Der Jubel war verstummt, nachts um halb eins, in einem Betongang des Wembleystadions, doch es war in jenem, dem alltäglichsten Augenblick, als die ganze Größe dieser Mannschaft deutlich wurde.

Barcas“ Torwart Victor Valdes sah dem Europacup mit einem Lächeln hinterher und erzählte plötzlich von seinem grünen Torwarttrikot. Wie sehr er davon geträumt hatte, in Wembley, im Champions-League-Finale grün zu tragen. Es war seine Hommage an Andoni Zubizarreta, den Torwart in Grün, als „Barca“ vor 19 Jahren in London zum ersten Mal den Europacup gewann. Große Mannschaften zeigen sich in kleinen Gesten wie dieser. Valdes ist längst erfolgreicher, als es Zubizarreta je war, aber Bescheidenheit und Demut vor der Geschichte verbieten es ihm, sich auf einer Ebene mit dem Vorbild zu sehen.

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Der Fußball hat viele großartige Sieger hervorgebracht und einige ganz wenige Mannschaften, die für mehr als für ihre Siege stehen. Der FC Barcelona dieser Jahre gelangte beim 3:1-Sieg im Endspiel über Manchester United mit seinem dritten Champions-League-Sieg in sechs Jahren endgültig in jene, die höchste Kategorie der Fußballgeschichte. Denn während von vielen anderen Finals nur der trockene Fakt überdauert, wer gewann, so wird dieses Endspiel für den Fußball in Erinnerung bleiben, den „Barca“ spielte. Aus ihrem Passspiel sprachen Phantasie, Lebenslust und der Wille, die eigene Person hinten anzustellen. Und dann kam Lionel Messi an den Ball. Das Gefühl, etwas zu sehen, von dem sich bis zum Ende des Lebens erzählen lässt, ergriff das Publikum bei seinen Dribblings. „In meiner Zeit als Trainer habe ich keine bessere Elf gesehen“, sagte Uniteds Alex Ferguson, der seit 1974 an der Seitenlinie steht. „So wie heute ist mein Team noch von keiner Elf verdroschen worden. Barcelona hypnotisierte uns mit seinen Pässen.“

Das Spiel des FC Barcelona ist die Hochzeit von Strategie und Instinkt. Sie wechseln ständig die Positionen bei „Barca“, halten aber trotzdem immer alle besetzt. Messi ist ein Mittelstürmer, der mehr im Mittelfeld wohnt, um dann schlagartig hervorzustechen. Und auf der defensiven Mittelfeldposition, wo bei anderen die Spielzerstörer leben, agiert bei ihnen Sergio Busquets als menschliche Drehscheibe. Bei ihm kommt der Ball aus allen Richtungen an, und er leitet ihn sofort um, weiter, er ist drei Spieler in einem, Hilfsverteidiger, Wellenbrecher, Richtungsgeber. An Abenden wie diesem, wenn Messi und Busquets die Besten sind, werden Klasseteams wie United hilflos. Versperrte der englische Meister den Spaniern an einer Stelle den Spielraum, tat er sich anderswo schon auf. So kam „Barca“ zu Toren durch Pedro, Messi und David Villa. Uniteds 1:1 durch Wayne Rooney blieb eine Fata Morgana.

Alex Ferguson, der Meister des langfristigen Erfolgs, ließ seine Gedankenströme nach dem Abpfiff fließen. „Irgendwann werden sie das Team erneuern müssen“, sagte er, und das war nicht böse gemeint. Vorsichtige Hinweis auf seine Vergänglichkeit hat Barcelona schon erhalten, Xavi Hernandez, ihr Passmeister, wurde diese Saison in fast der Hälfte der Partien wegen seiner Achillessehnenbeschwerden ausgewechselt. Vielleicht schon bald werden wieder andere Vereine siegen. Aber dieses „Barca“ wird dann noch immer da sein – als Maßstab, wie gut die neuen Sieger wirklich sind.

Sie nahmen Aufstellung zur Siegerehrung. Der Kapitän bekommt traditionell den Pokal überreicht, doch Barcelonas Mannschaftsführer Carles Puyol streifte seine Kapitänsbinde plötzlich ab. Er zog sie Eric Abidal an. Dem Verteidiger war vor zwei Monaten ein Tumor aus der Leber entfernt worden. Er sollte diesen Pokal empfangen, hatte die Elf entschieden. Abidal nahm den Europapokal, und Victor Valdes, der Torwart im grünen Trikot, rief ihm ins Ohr: „Halte ihn so hoch du kannst, ,Abi‘, halte ihn ganz hoch!“

FC Barcelona: ValdesDani Alves (88. Puyol), Mascherano, Pique, AbidalBusquets, Xavi, Iniesta – Villa (86. Keita), Messi, Pedro (90. Afellay).

Manchester United: van der Sar – Fabio (69. Nani), Ferdinand, Vidic, Evra – Valencia, Carrick (77. Scholes), Giggs, Park – RooneyHernandez.

Ronald Reng

29.05.2011
29.05.2011