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Überregional Bayern München sagt Wiesn-Besuch ab
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17:25 04.10.2010
In schlechter Verfassung: Den Besuch des Oktoberfests mussten die Spieler von Bayern München absagen. Quelle: dpa
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Keine Maß, keine Lederhosen, keine selige Bierzeltstimmung - die Lust auf das Oktoberfest war allen Beteiligten gründlich vergangen. Nach dem historischen Saisonfehlstart sagte der FC Bayern München den traditionellen Besuch des Wiesn-Kehraus kurzerhand ab. Bilder von feiernden Profis, die sich trotz Krisenstimmung zuprosten, wollte die Vereinsführung unter allen Umständen vermeiden. Stattdessen verkündete Uli Hoeneß das Ende der Schonzeit: „Einigen ist nach der guten Vorsaison die Höhenluft nicht bekommen. Wir müssen jetzt den Mantel der Nächstenliebe wegnehmen. Sonst gibt es ein böses Erwachen.“

Der Ärger über den Sturz auf Rang 12 stand dem Vereinspräsidenten ins Gesicht geschrieben. Noch während die Profis gleich reihenweise nach Ausreden für das bittere 0:2 (0:0) bei Borussia Dortmund suchten, redete Hoeneß Tacheles. „Jetzt ist die Zeit gekommen, dass wir uns nicht mehr in die Tasche lügen“, polterte er. Der gewaltige Abstand auf den Tabellenführer nach nur sieben Spieltagen trieb ihm die Zornesröte ins Gesicht: „Mainz hat nun 13 Punkte Vorsprung. Das ist der Super-Gau.“

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Es scheint, als könnte der deutsche Rekordmeister bereits im Oktober Abschied von der Idee einer erfolgreichen Titelverteidigung nehmen. Zwar verweigerte Franz Beckenbauer eine frühe Kapitulationserklärung, ließ aber wenig Hoffnung auf eine Trendwende erkennen. „Der Rückstand ist schon Wahnsinn. Normalerweise ist das kaum aufzuholen. Eine Serie von zehn Siegen ist der Mannschaft in dieser Besetzung ja nicht zuzutrauen.“

Um gegenseitige Schuldzuweisungen abzuwenden, rief Sportdirektor Christian Nerlinger alle Beteiligten zur Wahrung des Vereinsfriedens auf: „Wir werden geschlossen durch diese Situation gehen.“ Doch die Gefahr ist groß, dass sich diese Aufforderung als Wunschdenken erweist. Schließlich war die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit selten größer. „Krise ist immer ein hartes Wort. Aber wir sind es beim FC Bayern alle nicht gewohnt, dass man so einen großen Rückstand hat“, antwortete Nationalspieler Philipp Lahm auf nahe liegende Fragen, ob angesichts der Talfahrt nicht neue Saisonziele ausgegeben werden müssten.

Alle Hoffnungen auf ein ähnliches Happy End wie in der vorigen Saison, als der FC Bayern nach einem Holperstart noch den Titel gewann, sind auf ein Minimum gesunken. Vor allem die Abschlussschwäche gibt zu denken: Obwohl die Münchner mit dem ehemaligen WM-Torschützenkönig Miroslav Klose sowie den Stars Ivica Olic und Mario Gomez über den vermeintlich besten Angriff der Liga verfügen, traf im bisherigen Saisonverlauf kein Team seltener ins Tor. Ratlos kommentierte Trainer Louis van Gaal diese nicht für möglich gehaltene Entwicklung: „Aus zwei Metern konnten wir kein Tor schießen. Da kann man als Trainer nicht viel sagen.“

Was der niederländische Fußball-Lehrer auch unternimmt, bleibt ohne Wirkung. In Dortmund versuchte er sein Glück erstmals mit Gomez in der Anfangsformation - vergeblich. Gleich vier gute Chancen ließ der Unglücksrabe noch vor der Pause ungenutzt und brachte sein Team damit um den Lohn einer starken ersten Halbzeit. „Man kann uns jetzt wieder an die Wand schreiben. Dabei haben die Dortmunder zu Beginn nicht gewusst, wo links und rechts ist“, klagte Gomez.

Doch zum wiederholten Mal schlugen die Münchner aus ihrem Plus beim Ballbesitz (62 Prozent) kein Kapital. Zum Verdruss von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge: „In solch einer Situation gibt es nur eines. Da musst du fighten, beißen, kratzen. Wenn es mit Schönspielen nicht geht, muss du die Brechstange rausholen.“ Diese Tugenden sollen dem Team gegen Hannover zurück in die Erfolgsspur verhelfen. „Das nächste Heimspiel nach der Länderspielpause kann nur unter dem Tenor laufen: Für Siege gibt es keinen Ersatz. Es kann nicht sein, dass der FC Bayern 13 Punkte hinter der Tabellenführung hängt“, sagte Rummenigge.

dpa

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