Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Überregional Bayern München setzt im Finale auf die Sympathie-Welle
Sportbuzzer Fußball Überregional Bayern München setzt im Finale auf die Sympathie-Welle
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:04 20.05.2010
Er gilt als die zentrale Figur der erfolgreichen Saison: Bayern-Star Arjen Robben. Quelle: dpa
Anzeige

Auf zum Kampf ums historische Triple! Mit zwei Titeln in der Tasche, einer bis in die Haarspitzen motivierten Mannschaft und der Hoffnung auf Daumendrücker in ganz Deutschland blickt Fußball-Rekordmeister Bayern München dem großen Finale in der Champions League voller Vorfreude entgegen.

Das Team um Madrid-Rückkehrer Arjen Robben will am Samstag im Bernabéu-Stadion nicht nur in die Fußstapfen der großen Bayern-Sieger wie Franz Beckenbauer, Gerd Müller, Oliver Kahn oder Stefan Effenberg treten, sondern kann beim Endspiel gegen Inter Mailand sogar Einmaliges erreichen. „Das Triple gab es auch bei Bayern München noch nicht und der Verein ist doch sehr erfolgreich gewesen in den letzten Jahrzehnten“, sagte Karl-Heinz Rummenigge beim Abflug der Reise- Delegation des FC Bayern in der ersten von insgesamt neun gecharterten Maschinen des Clubs.

Anzeige

Raus aus dem trist-trüben München, ab ins sonnig warme Madrid. Vor einem Geheimtraining am Abend bezogen die Bayern am Donnerstagnachmittag erst einmal ihre Zimmer im Team-Quartier. „Die Stimmung in der Mannschaft ist sehr gut und wir sind alle sehr froh, hier zu sein“, sagte Robben im Teamhotel.

Neun Jahre nach dem Triumph von Mailand soll die begehrteste Club- Trophäe der Welt wieder nach München zurück. Und nach Siegen in Meisterschaft und DFB-Pokal wären die Münchner erst der fünfte Verein, der den Titel-Dreier mit einem Erfolg im Landesmeister-Cup krönt. „Selbst die große Mannschaft in den 1970er Jahren hat es trotz drei Siegen im Europapokal nie geschafft, dieses Triple zu gewinnen“, erinnerte Rummenigge, dessen Club in diesem Jahr mehr als 60 Millionen Euro verdient hat. Und dabei Sympathien gewonnen wie vielleicht noch nie. Auch dank Trainer Louis van Gaal, der in der spanischen Hauptstadt auf seinen einstigen Lehrling José Mourinho als Inter-Coach trifft.

Als die Bayern-Mannschaft gerade den Flieger mit der Nummer LH 5018 in den Süden bestieg, veröffentlichte der Club einen offenen Brief des Teams um Mark van Bommel. Unterschrieben von der gesamten Mannschaft appellierten die Bayern-Profis an „Fußball-Fans in ganz Deutschland“: „Wir haben einen Traum, träumt ihn mit uns!“ Rummenigge ist “überzeugt, dass die ganze Republik Bayern München am Samstag die Daumen drückt“. Wohl auch deshalb, damit Deutschland dank der Bayern - wenn diese mindestens das Elfmeterschießen erreichen - in der UEFA-Fünfjahreswertung auf Rang drei abschließt. Das würde von der Saison 2011/12 an vier Champions-League-Starter bedeuten.

Der Beliebtheitsgrad des polarisierenden Clubs ist in den vergangenen Wochen in die Höhe geschnellt. Die Mannschaft spielt unter Erfolgstrainer Louis van Gaal nicht nur erfolgreich, sondern zum Teil auch überaus schön. “Überall bekommt man Glückwünsche auf dem Weg“, berichtete Nationaltorwart Jörg Butt auf dem Weg zum erhofften bayerischen Pfingstmärchen.

Selbst DFB-Boss Theo Zwanziger erfreut sich am Durchmarsch der Bayern ins Finale. „Ich bin stolz auf die Bayern. Besonders auch auf den Trainer. Louis van Gaal hat sich nicht nur an großen Namen und den Transfersummen orientiert, sondern hat auch den Mut gehabt, jungen Spielern - auch deutschen - eine Chance zu geben“, betonte der Präsident.

Nur noch einen Schritt müssen die Münchner bis zum Eintrag in den Fußball-Geschichtsbücher gehen. Aber auch Inter Mailand kann als Double-Gewinner in Italien mit dem Ex-Münchner Lucio in der Verteidigung den historischen Erfolg landen. „Wir sind bereit und hochmotiviert für ein großartiges Finale“, kündigte Inter-Kapitän Javier Zanetti in Madrid an. Ausgerechnet der „Inter-Opa“ (Bild) soll die Kreise von Turbo-Mann Robben einengen. Im Halbfinale stoppte das Inter-Bollwerk keinen Geringeren als den Weltbesten Lionel Messi.

Feiern wollen die Bayern so oder so mit ihren Fans - am Sonntag nach der Rückkehr auf dem Marienplatz. Und selbst eine Niederlage, „würde aber auch überhaupt nichts von dieser Saison wegnehmen. Was wir erreicht haben an Freude, Leidenschaft und Spaß bei den Zuschauern, aber auch bei den Umsätzen im Fanartikelbereich, neuen Sponsoren und neuen Rekordumsätzen, ist unfassbar“, betonte Präsident Uli Hoeneß, der das Team zuletzt zeitweise “über den Platz schweben“ sah. Und auch Amtsvorgänger Franz Beckenbauer sieht beste Chancen, „denn die Bayern sind sagenhaft gut drauf“.

Gut in Form zeigte sich auch Mourinho. Vor dem Anpfiff stellte er sich - zumindest im Gastgeberland - in den Vordergrund. Während sich Spaniens Medien noch kaum für das Endspiel in Madrid und den deutschen Rekordmeister interessieren, beherrscht der als neuer Trainer von Real Madrid gehandelte Portugiese die Schlagzeilen.

Der exzentrische Coach kann ebenso wie van Gaal Geschichte schreiben. Als dritter Trainer nach Ernst Happel und Ottmar Hitzfeld könnten einer der beiden den „Pott“ mit zwei verschiedenen Clubs gewinnen. Als 14. Spieler würde Kapitän Mark van Bommel dieses Kunststück glücken.

Und Ivica Olic braucht nur noch einen Treffer, um als erster Profi aus Deutschland seit dem früheren Bremer Wynton Rufer 1994 wieder die Torjägerkrone zu holen. Noch führt hier Messi (FC Barcelona) mit acht Treffern. „Wenn ich gut und konzentriert spiele, kann ich vielleicht ein Tor machen“, sagte der Kroate, „aber wichtiger ist, dass wir gewinnen.“

dpa

Mehr zum Thema

Zwei Tage vor dem Finale in der Champions League hat Louis van Gaal ein überschwängliches Fazit seiner ersten Saison beim FC Bayern München gezogen.

20.05.2010

Bayern München muss im Champions-League-Finale gegen Inter Mailand am Sonnabend definitiv auf Franck Ribéry verzichten. Der Internationale Sportgerichtshof CAS wies am Montag den Einspruch gegen die Sperre von drei Europacup-Spielen für den Bayern-Star ab.

17.05.2010

Fast schon liebevoll hielt Jörg Butt den DFB-Pokal in den Armen. Es war spät geworden in den Katakomben des Berliner Olympiastadions, und der Torwart des FC Bayern München hatte sich die gerade gewonnene Trophäe zum Kuscheln unter den Nagel gerissen. Mit 4:0 hatten die Bayern im Finale zuvor den SV Werder Bremen förmlich demontiert.

Uwe Kranz 16.05.2010