Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Überregional Jenseits von Österreich
Sportbuzzer Fußball Überregional Jenseits von Österreich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:54 23.01.2014
„Wir müssen vor die Tür, nach Amerika und Asien“: Nach Ansicht von Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge sollten alle Bundesligisten verstärkt Trainingslager und Showspiele auf andern Kontinenten absolvieren. Die Münchener waren in dieser Winterpause in Doha zu bewundern. Quelle: dpa
Anzeige
Nürnberg

Erst kürzlich erhielt Karl-Heinz Rummenigge das Angebot, sich die Freundschaft von drei Millionen Indern zu kaufen. Man könne, raunte dem Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern München ein Mitarbeiter aus der Abteilung Neue Medien zu, für gar nicht viel Geld über eine Agentur dafür sorgen, dass sich drei Millionen Inder auf der Facebook-Seite des FC Bayern mit einem Klick als Freund des deutschen Fußballmeisters erklärten. Und schon stünde der FC Bayern wieder ein wenig größer da in der globalen Welt, ein wenig interessanter für Werbekunden und Fernsehsender.

Er habe angeordnet, die falschen Freunde aus Indien nicht zu kaufen, erzählte Rummenigge auf einer Podiumsdiskussion in Nürnberg. Nicht alles, was als letzter Schrei gilt, müsse die Bundesliga mitmachen auf der Suche nach dem Wachstum.

Anzeige

„Global Player Bundesliga“ hieß das Thema der Diskussion, die das Sportmagazin „kicker“ und die Akademie für Fußball-Kultur veranstalteten. Seit 2006 meldet die Bundesliga jedes Jahr wieder einen neuen Umsatzrekord, nächste Woche wird die jüngste Jahresbilanz verkündet und die derzeitige Bestmarke von zwei Milliarden Euro Umsatz wohl erneut übertroffen. Mehr Geld generiert nur die englische Premier League. Doch in Nürnberg hielt sich die Podiumsrunde nicht mit Eigenlob auf. Rummenigge breitete seine Vision von einer Liga aus, die wirklich global agiere. Die anderen Podiumsgäste, der ehemalige Bundesligatrainer Hans Meyer und der Wirtschaftswissenschaftler Bernd Frick, gerieten neben Rummenigge zur Staffage.

„Wir brauchen eine neue Kultur in der Bundesliga: Wir müssen vor die Tür, nach Amerika und Asien“, sagte Rummenigge, das Hemd zerknittert am Ende eines Tages voller Medientermine. Er würde noch oft „wir“ sagen und nur die anderen Bundesligisten meinen. „Wir müssen unseren Fußball weltweit vor Ort verkaufen. Aber so weit sind wir geistig noch nicht.“ Alle Bundesligisten sollten wie die Bayern verstärkt Showspiele und Trainingslager auf anderen Kontinenten absolvieren und mehrsprachige klubeigene Medienkanäle aufbauen. Die Aufforderung wirkte erst einmal deplatziert in einem Moment, in dem just ein Drittel der Bundesligisten ihr Wintertrainingslager explizit in Arabien, Südafrika oder Ostasien bestritt. Das sei auch ein guter Anfang, aber nicht genug, sagte Rummenigge, der darauf drängte, „wir sollten den Bundesligastart einen Monat nach hinten schieben, auf Ende August, damit mehr Zeit für Sommertouren auf andere Kontinente bleibt“. Denn im Sommer sei „Borussia Dortmund noch nie über Österreich hinausgekommen“.

Etwas mehr als 70 Millionen Euro nimmt die Bundesliga derzeit durch den Verkauf der Fernsehrechte ins Ausland ein. Es erscheint der einzige Markt, auf dem noch ein massives Wachstum möglich ist. „Die Engländer, meine Damen und Herren“, verkündete Rummenigge, „generieren allein mit den Auslandsrechten mehrere Hundert Millionen Euro!“ Weshalb er befand, „die Engländer werden wir finanziell nicht einholen, da können wir strampeln, wie wir wollen“. Die Premier League begann vor 20 Jahren aggressiv, sich als die Liga der ganzen Welt zu vermarkten, schon damals durchreisten ihre Spitzenteams Asien und die USA, und Manchester United produzierte zum Beispiel Fanmagazine auf Thailändisch. Wer Märkte als Erster besetzt, ist nur noch schwer zu verdrängen. Die Bundesliga nahm das Ausland als Markt bis vor neun Jahren nicht ernst. „Wir müssen Gas geben“, sagte Rummenigge. „Dann werden wir die Auslandsrechte zumindest auf 200 Millionen Euro steigern.“

Außer ihm meldete sich Wirtschaftsforscher Frick auch gleich mit der Idee, mal den Bundesligaschlager Bayern gegen Dortmund in Seattle auszutragen. Was Rummenigge mit dem Argument zurückwies, die Bundesliga brauche eine „Kulturveränderung, keinen Kulturschock“. Aktionismus bringe wenig, sagte er und erinnerte neben drei Millionen Indern auch an einen Chinesen. Vor gut zehn Jahren habe Bayern-Präsident Uli Hoeneß die gesamte Scouting-Abteilung für vier Wochen nach China gejagt, um einen chinesischen Fußballer für Bayern zu finden. Denn dann würden doch Millionen Chinesen zu Bayern-Fans, glaubte Hoeneß. Bloß, schloss Rummenigge, die Scouts fanden keinen einzigen Chinesen, der gut genug für den FC Bayern war.

Von Ronald Reng

Heiko Rehberg 25.01.2014
21.01.2014
24.01.2014