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Überregional Brasilianer Ronaldo beendet einzigartige Fußballkarriere
Sportbuzzer Fußball Überregional Brasilianer Ronaldo beendet einzigartige Fußballkarriere
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01:16 15.02.2011
2010 hatte Ronaldo klar gemacht, dass er eines Tages nach einem Spiel sagen würde: „Basta, das war’s."
2010 hatte Ronaldo klar gemacht, dass er eines Tages nach einem Spiel sagen würde: „Basta, das war’s." Quelle: dpa
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Zum Schluss flossen viele Tränen. Sichtbar schwer fiel Ronaldo sein letzter großer Auftritt. Mit stockender Stimme verkündete der dreimalige Weltfußballer gestern seinen Abschied. „Ich beende meine internationale Fußballkarriere“, sagte der 34-Jährige und verwies dabei auf seine vielen Verletzungen und erstmals auf eine Schilddrüsenkrankheit, die schon vor vier Jahren diagnostiziert worden sei. Diese Hypothyreose könne auch für sein immer wieder kritisiertes Übergewicht verantwortlich sein. Er müsse Hormone nehmen, die aber im Fußball als Doping angesehen würden, sagte Ronaldo.

„Ich möchte weiter machen, aber ich kann nicht mehr. Es wird Zeit“, hatte die „Nummer 9“ bereits am Sonntag wissen lassen. Eigentlich war die Zeit, um Abschied zu nehmen ideal. Der Stürmer hatte alle Einzel- und Mannschaftstitel gewonnen, von denen ein Fußballer träumt, allen voran die WM-Titel mit der Auswahl seines Heimatlandes bei den Titelkämpfen 1994 in den USA sowie 2002 in Japan und Südkorea. Zum letzten Tag seiner Karriere kam er mit Corinthians-Präsident Andres Sanches und in Begleitung seiner Söhne Alex und Ronald zur Pressekonferenz. Auch Sanches konnte die Tränen nicht zurückhalten.

Das Aus hatte sich bereits im vergangenen Jahr angedeutet. „Ich kämpfe gegen die Waage und die Schmerzen“, sagte der immer wieder von Verletzungen geplagte Ronaldo damals. Doch eigentlich wollte er seinen bis Ende 2011 laufenden Vertrag bei Corinthians São Paulo erfüllen. Deshalb kam das vorzeitige Aus selbst für Trainer Tite überraschend. „Ich würde ihm sagen: ,Bleib, arbeite und hilf uns‘“, sagte Tite noch am Sonntag, als er von dem bevorstehenden Rückzug erfuhr.

Doch Ronaldo hatte seine Entscheidung längst getroffen. 2010 hatte er klar gemacht, dass er eines Tages nach einem Spiel sagen würde: „Basta, das war’s. Ich werde nur einmal reden, weil ich so am wenigsten leiden werde.“ Daran hat er sich gehalten. Vom ersten Gerücht bis zum Vollzug vergingen keine 24 Stunden. Fernsehkommentatoren sprachen von einem „historischen Tag für Brasiliens Fußball“.

Zu den Corinthians, seiner letzten Karrierestation, war Ronaldo im Dezember 2008 gewechselt. Ein Dreivierteljahr zuvor hatte der AC Mailand den Vertrag mit Ronaldo nicht verlängert, nachdem sich der Brasilianer die Patellasehne im linken Knie gerissen hatte. In São Paulo gelang „Il Fenomeno“ 2009 noch einmal ein Comeback. „Ich habe noch nie eine solch warmherzige Fangemeinschaft gesehen“, sagte Ronaldo. „Es gab viele Niederlagen und unzählige Siege. Ich habe viele Freunde gewonnen, und ich erinnere mich nicht daran, mir einen Feind gemacht zu haben.“

Den letzten Anstoß zum Aufhören mag für Ronaldo der Wechsel des Teamkollegen und Freundes Roberto Carlos zum russischen Klub Anschi Machatschkala gegeben haben. Der Stürmer will sich nun Zeit für seine vier Kinder nehmen – so freuten sich auf dem Podium wenigstens die Söhne Alex und Ronald.

dpa