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Überregional Braunschweig träumt vom Aufstieg in die 2. Liga
Sportbuzzer Fußball Überregional Braunschweig träumt vom Aufstieg in die 2. Liga
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22:24 15.04.2010
Von Christian Purbs
Braunschweiger Träume: Die Eintracht-Fans wollen den Aufstieg und das Derby gegen 96. Quelle: Hübner
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Drei Wochen haben gereicht. Genauer gesagt: drei englische Wochen und fünf Siege. In und um Braunschweig hat sich ein kompletter Stimmungswandel vollzogen, alles schaut dort wieder auf die Fußballer des BTSV Eintracht. Eintracht ist das beherrschende Thema, ein Stadionbesuch nahezu Pflicht. Die Liebe der so leidensfähigen und so oft enttäuschten Fans ist neu entfacht. Ihre Eintracht hat endlich wieder eine Perspektive. Der Aufstieg in die 2. Liga ist möglich, und was noch wichtiger ist: Er ist machbar. „Wir sind nicht mehr nur im Dunstkreis“, sagt Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht, „wir sind mittendrin.“

Am Mittwochabend sahen 15 500 Fans den 3:1-Sieg in einem mäßigen Drittligaspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden und feierten hinterher, als sei der Klub nach 1967 zum zweiten Mal deutscher Meister geworden. „So tickt Braunschweig“, sagt Eintracht-Manager Marc Arnold, „das ist doch wunderschön.“

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Vergessen sind die zurückliegenden Monate. Anders als sonst, als der BTSV stets Zuschauerkrösus der 3. Liga war – auch im gefühlten 25. Jahr der Drittklassigkeit – trat in Braunschweig eine Art Ermüdung ein. Es kamen zwar noch immer fast sensationelle 12 000 Fans im Schnitt ins Eintrachtstadion, aber es schien nicht voranzugehen. Es fehlte irgendwie die Perspektive. Die ungeliebten Nachbarn VfL Wolfsburg und besonders Hannover 96 unerreichbar in der Bundesliga, die Eintracht weiter nur Mittelmaß zwei Klassen tiefer – auf Dauer lässt das auch den treuesten Fan verzweifeln.

Dann kamen diese fünf Siege – und ganz Braunschweig träumt wieder. Von besseren Zeiten. Und die eingefleischten Fans von dem einzigen Derby, das es für sie in gibt: das gegen die „Roten“. Ihren Auftrag an die Mannschaft zeigten die den Spielern der Blau-Gelben beim Wehen-Spiel Schwarz auf Weiß: „Kämpft für das Derby“ war auf einem riesigen Transparent zu lesen, das vor der Südtribüne aufgehängt war. Dass 96 noch Chancen auf den Klassenerhalt hat, dass Eintracht fünf schwere Spiele vor der Brust hat – geschenkt. Man wird ja mal träumen dürfen.

Findet auch Trainer Lieberknecht. „Die Fans dürfen euphorisch sein“, sagt der 36-Jährige, „ich freue mich für die Leute in Braunschweig. Wir wissen die Situation aber realistisch und richtig einzuschätzen.“ Lieberknecht, der unscheinbar wirkt und deshalb häufig unterschätzt wird, steht mit für den Umschwung in Braunschweig. Er ist nicht der Kumpeltyp, als der er oft hingestellt wird. Der Pfälzer, der kurz vor Ostern seinen Fußballlehrerschein bestanden hat, geht unaufgeregt und konsequent seinen Weg. Das tut auch das Präsidium mit dem Wirtschaftswissenschaftler und ehemaligen TUI-Vorstand Sebastian Ebel an der Spitze. Vorbei scheinen die Zeiten des Harakiri-Wirtschaftens an der Hamburger Straße. Es wird vorausschauend und seriös gearbeitet. Die Nordkurve des Stadions wird ausgebaut, bietet künftig 3500 Sitz- und 700 Stehplätze. Pläne für einen kompletten Stadionausbau gibt es auch, sie sind derzeit aber nicht realisierbar.

„Die Strukturen sind bei uns sehr gut ausgebildet“, sagt Manager Arnold. Darum würde ihn ein Aufstieg vor nicht allzu große Probleme stellen. „Wenn man das organisatorische Umfeld bei uns sieht, Geschäftstelle, Service, Merchandising oder Zuschauerandrang – da sind wird doch aufgestellt wie ein Zweitligist“, sagt Arnold weiter. Das höhere TV-Geld, 3,5 Millionen Euro in der 2. statt 800 000 in der 3. Liga, könnte im Falle eines Aufstiegs daher in die Mannschaft investiert werden. „Natürlich müssen wir die sportliche Qualität weiter verbessern“, sagt der Manager, „aber es wird bei uns auch dann weiterhin sinnvoll und vernünftig gearbeitet.“

Das Fundament ist da, der Wille auch. Jetzt fehlen nur noch die nötigen Punkte für den Braunschweiger Zweitliga-Traum. Der vom wahren Derby sollte jedoch vorerst unerfüllt bleiben ...