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Überregional Bremen friert Spielergehälter nach schlechtem Saisonstart ein
Sportbuzzer Fußball Überregional Bremen friert Spielergehälter nach schlechtem Saisonstart ein
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15:35 14.10.2010
Bremer Spieler wie Torsten Frings (l) und Claudio Pizarro wollten sich bislang nicht äußern.
Bremer Spieler wie Torsten Frings (l) und Claudio Pizarro wollten sich bislang nicht äußern. Quelle: dpa
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Risse in der heilen Werder-Welt: Wegen der teilweise eingefrorenen September-Gehälter drohen den Bremern weitreichende Konsequenzen und ein erheblicher Imageschaden. „Es ist rechtlich nicht zulässig, das Gehalt einzubehalten. Die Spieler könnten klagen oder von ihrem Rückbehaltungsrecht der Arbeit Gebrauch machen“, sagte der Geschäftsführer der Spielergewerkschaft VdV, Ulf Baranowsky am Donnerstag.

Demnach sei ein Boykott von Trainingseinheiten oder sogar von Spielen denkbar. „Platt gesagt könnten die Spieler hingehen und erklären: Wir haben kein Geld bekommen, also treten wir auch nicht zum Spiel an“, sagte Baranowsky. Entscheidend sei hierbei die Verhältnismäßigkeit. Ob die Spieler nun rechtliche Schritte einleiten, ist noch unklar. Auch Baranowsky wollte sich trotz „engen Kontakts“ zu den Profis nicht äußern: „Wir haben uns geeinigt, zu dem konkreten Fall keine Stellung zu beziehen, obwohl wir im Bilde sind.“

Werder-Clubchef Klaus Allofs scheint sich seiner Sache dagegen sehr sicher zu sein. „Für alle, die sich Sorgen um Werder machen, die kann ich beruhigen. Werder verhält sich korrekt und es wird auch keine Probleme geben“, versicherte Allofs am Donnerstag. Zumindest ein Spieler-Boykott erscheint unwahrscheinlich. Auch am Donnerstag bereiteten sich die Profis, die am Mittwoch einen um 50 Prozent reduzierten Gehaltseingang im September bestätigt hatten, wie gewohnt auf die Partie am Samstag gegen den SC Freiburg vor. Möglich erscheint eine Übereinkunft Allofs mit den Spielern, die das Geld im Oktober wohl nachgezahlt bekommen sollen.

Ausgangspunkt war offenbar eine sehr emotionale Ansprache von Allofs nach dem blamablen 1:4 bei Hannover 96 am 5. Spieltag. Allofs soll gedroht haben, die Hälfte des Gehalts einzufrieren und dies dann auch noch vor dem 3:2 im Nordderby gegen den Hamburger SV umgesetzt haben. Großartigen Protest der Spieler, die sich offiziell bislang nicht äußern wollen, gab es dem Vernehmen nach nicht.

Dennoch droht dem Bundesliga-13, der nach sieben Spieltagen nur drei Punkte vor den Abstiegsrängen rangiert und auch in der Champions League nach dem peinlichen 0:4 bei Inter Mailand stark unter Druck steht, durch die ungewöhnlichen Maßnahme ein Imageschaden. „So etwas kommt in der 1. und 2. Bundesliga eigentlich nicht vor“, sagte VdV-Geschäftsführer Baranowsky. Da sich bei Werder partout niemand offiziell äußern will, sah sich Allofs gar genötigt, wirtschaftliche Probleme auszuschließen. „Da muss sich keiner Sorgen machen“, sagte Allofs der „Kreiszeitung Syke“ (Donnerstag).

Offiziell hält der Werder-Chef aber an der Taktik des Schweigens fest. „Es gibt einen Bereich bei uns, der nicht öffentlich ist. Daran halten wir uns“, sagte Allofs, der allerdings wegen der Negativ- Schlagzeilen verstimmt scheint. „Ich könnte etwas dazu sagen, möchte es aber nicht. Ich halte es so, dass derartige Themen zwischen Spielern und Arbeitgebern geklärt und nicht öffentlich erläutert und diskutiert werden“, sagte Allofs.

dpa