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Überregional Darauf kommt es im Champions-League-Finale an
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18:16 06.06.2015
Euphorische Fußballfans warten am Brandenburger Tor auf die Übertragung des Champions-League-Finales. Quelle: dpa
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Berlin

Vor ihrem berühmten Vereinsmotto ließen Lionel Messi & Co. bestens gelaunt im Abschlusstraining den Ball kreisen. „Més que un Club“ ist in gelber Farbe auf blau-rot bereits vor dem Champions-League-Finale des FC Barcelona gegen Juventus Turin in der Ostkurve des Berliner Olympiastadions zu lesen - „mehr als ein Club“.

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Als Favorit auf den Triple-Sieg geht der spanische Meister und Pokalsieger in das Duell am Sonnabend (20.45 Uhr/ZDF und Sky). Doch die Katalanen mit Torwart Marc-André ter Stegen sind spätestens durch den Halbfinalerfolg von Juve gegen Real Madrid gewarnt. Die womöglich entscheidenden Faktoren des Königsklassen-Showdowns:

BALLBESITZ VS KONTER-DEFENSIVE: Anders als Bundestrainer Joachim Löw wollte Barça-Coach Luis Enrique kein „Duell der Systeme“ ausrufen. „Es wird ein Spiel auf sehr hohem Niveau, weil sie uns auch unter Druck setzen wollen und sehr gut im Angriff sein werden“, erklärte der frühere Offensivspieler. Schon gegen Real Madrid ließen sich die Turiner nicht nur hinten reindrängen und kamen auf jeweils knapp unter 50 Prozent Ballbesitz.

ERFAHRUNG VS JUGENDLICHE GELASSENHEIT: Dass bei Barcelona nicht nur Torwart-Qualitäten auf der Position des Schlussmanns gefragt sind, bewies ter Stegen bei der letzten Übungseinheit mit einem Drehschuss im Flankentraining. Auch Innenverteidiger Gerard Piqué hob die hohe fußballerische Qualität des früheren Gladbachers hervor. „Es gibt Feldspieler, die nicht so gute Pässe schlagen können wie er“, sagte Piqué, dem die Ruhe des 23-Jährigen gefällt: „Er spielt so, als ob nichts auf dem Spiel steht, es ist unglaublich.“ Auch der 14 Jahre ältere Juve-Keeper Gianluigi Buffon zeigt sich vom Kontrahenten angetan. „Er ist ein sehr verlässlicher Torwart.“

SÜDAMERIKA-GIPFEL: Alleine in den erwarteten Anfangsformationen finden sich zwei Südamerikaner bei Juve (Arturo Vidal/Chile; Carlos Tévez/Argentinien) und gleich fünf bei Barcelona (Dani Alves; Neymar/beide Brasilien; Javier Mascherano; Lionel Messi/beide Argentinien; Luis Suárez/Uruguay). Besonderer Fokus liegt dabei auf dem Traum-Angriffstrio der Katalanen. „Leo und Luis sind zwei herausragende Spieler“, schwärmte Neymar von seinen Nebenleuten und betonte die Bedeutung der Partie. „Ich glaube, das ist das wichtigste Spiel meines Lebens. Seit ich sechs, sieben Jahre alt bin, habe ich davon geträumt, so weit zu kommen.“

ABWEHRAUSFALL: Ein mit Spannung erwartetes Duell wird fehlen. Durch die Verletzung von Juve-Verteidiger Giorgio Chiellini kommt es nicht zum Aufeinandertreffen mit Suárez, der ihn bei der WM in Brasilien gebissen hatte. Mit Chiellini gewann Turin knapp drei Viertel seiner Pflichtspiele dieser Saison, ohne ihn nicht einmal die Hälfte. Man werde für den 30-Jährigen spielen, verkündete Defensivkollege Leonardo Bonucchi: „Wir werden versuchen, seinen Traum wahr werden zu lassen.“

Letzter großer Auftritt der Strategen Pirlo und Xavi

Über ein Jahrzehnt lang haben sie das Spiel in ihrem Heimatland geprägt. Xavi und Pirlo - zwei große Strategen, die wohl vor ihrem letzten großen Auftritt stehen. Xavi geht nach Katar. Pirlos Zukunft ist ebenfalls offen. Bei einem Sieg will er ins Ausland.

Ein großer Auftritt noch, ein letztes Mal im Rampenlicht. Das Champions-League-Finale zwischen dem FC Barcelona und Juventus Turin an diesem Samstag dürfte zugleich auch der Abschied der beiden Strategen Xavi und Andrea Pirlo werden. „Gegen Xavi habe ich oft gespielt, er ist ein großer Champion und ein großartiger Mensch. Er hat im EM-Finale gewonnen, ich hoffe, dass ich mich dieses Mal dafür revanchieren kann“, sagt Pirlo, der seine Zukunft bei Juventus bis zuletzt offen gelassen hat. Bei einem Triumph will er ins Ausland gehen, womöglich nach Katar.

Dort könnte er Xavi wiedertreffen, der nach 24 Jahren letztmals das Barcelona-Trikot überstreifen wird. „Es ist mein letztes Spiel für Barça und ich will es gewinnen. Es geht eine spektakuläre Karriere zu Ende und ich will diese Trophäe gewinnen“, sagt der langjährige Chef des Tiki-Taka-Fußballs.

Im Gegensatz zu Pirlo muss er aber wohl mit einem Platz auf der Bank vorliebnehmen. Der frühere Schalker Ivan Rakitic hatte ihn im Laufe der Saison aus der ersten Elf verdrängt. So war dem 35-Jährigen früh klar, dass es Zeit ist zu gehen. Für zwei Jahre unterschrieb er beim katarischen Verein Al Sadd. Mit mindestens 24 Titeln im Club und drei mit der Nationalelf nimmt der Mann aus dem Terrassa als erfolgreichster Fußballer Spaniens Abschied.

Er hatte über ein Jahrzehnt lang das Spiel bei Barça und in der Nationalmannschaft geprägt. Sein Name stand für das perfektionierte Kurzpassspiel, das seinen Verein an die Spitze Europas und „La Roja“ zum WM-Titel sowie zu zwei Europameisterschaften geführt hat. „La Computadora“ nannten sie Xavi wegen seiner genauen Pässe.

Sein Pendant bei den Italienern ist Pirlo. Metronom, Mozart, Architekt preisen sie ihn wahlweise in Italien wegen seiner feinen Technik und Schusstechnik. In Studien hatten sie versucht seine gefürchteten Freistöße zu verstehen - ohne Erfolg.

Seinen größten Erfolg feierte Pirlo 2006 mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft. Ausgerechnet in Berlin, wo sich am Samstag der Kreis schließen könnte. „Die Erinnerungen an die Nacht in Berlin sind unauslöschlich. Ich wünsche mir, die gleichen Emotionen am Samstag mit Juve noch einmal zu erleben“, sagt Pirlo. Der Mittelfeldstar war es auch, der beim 2:0 im Halbfinale gegen Deutschland den tödlichen Pass auf Fabio Grosso gespielt hat.

Zweimal gewann Pirlo mit dem AC Mailand die Champions League, bis er bei den Rossoneri ausgemustert wurde. Verärgert ging er zu Juventus, wo seine Karriere nochmal an Fahrt gewann. „Für mich ist es das vierte Champions-League-Finale, aber das zählt nicht. Es ist eine einzigartige und besondere Partie, immer anders. Wir alle wissen, was wir zu tun haben. Wir werden am Samstag bereit für die Partie sein, Barcelona ist Favorit, aber es kann alles passieren.“ Und dann heißt es Abschied nehmen. Wie für Xavi.

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