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Überregional Der vielseitige Christoph Daum
Sportbuzzer Fußball Überregional Der vielseitige Christoph Daum
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11:22 16.02.2012
Von Volker Wiedersheim
Kameras an! Christoph Daum (Mitte) betritt die Bühne im Presseraum. Quelle: Petrow
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Hannover

Der Titel könnte heißen: Je mehr ich rede, desto besser für mein Team. „Der Druck, der auf meiner Mannschaft lastet, ist schon enorm. Wenn vor dem Spiel alles auf meine Person fixiert ist, dann nimmt das etwas von dem Druck“, sagt er. Er nimmt viel Druck, redet seine Spieler fast in die Schwerelosigkeit.

Daum, der Vielseitige. Er erzählt von seiner Mannschaft im Umbruch und den Spielern, die ihm fehlen. Unter anderem von Niki Zimling, dem Mittelfeldspieler. Der war morgens mit dem Team am Flughafen, erhielt dann aber einen Anruf und erfuhr von Problemen seiner Frau, die im Krankenhaus ist, weil eine Frühgeburt droht. „Ich bin kein Gynäkologe“, erklärt Daum, „aber wir haben ihn ins Krankenhaus geschickt. Eine Geburt ist ja für Väter oft schlimmer als für die Mütter.“ Inzwischen sei Zimlings Schwiegermutter da, der Spieler komme so schnell wie möglich nach.

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Daum kann auch Reiseführer. Gefragt, ob Belgien in seinem Fußballherzen bereits einen festen Platz habe, erzählt er, dass Belgien für ihn nicht neue Heimat, sondern eigentlich „immer schon mein Vorgarten war“. Schon als Student war er oft da. Er preist die „märchenhafte“ Stadt Brügge, deren Klub er nun trainiert, er schwärmt von der „größten Dichte von Zwei- und Drei-Sterne-Restaurants überhaupt“. Amüsant bis putzig, aber definitiv auch charmant nimmt er die Frage, ob man sich ihn in der Fahrradstadt Brügge auch mal im Sattel vorstellen könne, zur Vorlage. „Seien Sie kindlich, lassen Sie Ihrer Vorstellungskraft freien Lauf“, bescheidet er der Fragestellerin. „Ich empfehle allen das Radfahren. Ist ’ne tolle Sache. In der Realität aber …“

Auch über Hannover kann er parlieren. Zum Alt-96er Hans Siemensmeyer pflege er freundschaftlichen Kontakt. Mit „Stumpenfredo“ Henze, einst Präsident der „Roten“, habe er immer mal Kontakt gehabt. Und zu Mirko Slomka, der mehrfach betonte, wie sehr er sich aufs Treffen mit Daum freue? „Ja, Slomka hat nicht nur einen Fußball auf dem Kopf“, führt Daum in zuweilen eigenwilliger Bildsprache aus, „der Slomka denkt darüber hinaus. So bin ich auch, wir hätten sicher viel auszutauschen und zu bereden.“

Stundenlang, so scheint es, könnte das so weitergehen. Aber am Donnerstag ist ja das Spiel, über das Daum eingangs gesagt hatte: „Ich habe hier persönlich mehr zu verlieren als zu gewinnen.“ Und schon muss er zum Training. Er lässt die Presse und bereits angereiste Edelfans aus Brügge nicht nur die geplante Viertel- sondern eine ganze Stunde zuschauen. Und sie sehen auf dem Platz einen ganz anderen Daum. Der steht da auf dem Platz, guckt zu und – schweigt.

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