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Überregional Deutschland spielt gegen die Elfenbeinküste 2:2
Sportbuzzer Fußball Überregional Deutschland spielt gegen die Elfenbeinküste 2:2
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22:58 18.11.2009
Von Christian Purbs
Bundestrainer Joachim Löw (links) und Co-Trainer Hansi Flick vor dem Anpfiff. Quelle: ddp
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Das Dach war zu. Vielleicht wäre es besser gewesen, wenn sie es trotz Regen und Windböen geöffnet hätten, einfach nur, um ein bisschen von der Stille abziehen zu lassen, die die Schalker Arena am Mittwochabend bis kurz vor dem Anpfiff beherrschte und normalerweise gar nicht zu einem Heimspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft passt. Aber die Begegnung gegen die Elfenbeinküste war kein normales Länderspiel mit Partystimmung schon zwei Stunden vor Beginn. Es war das erste Länderspiel nach dem Tod von Robert Enke.

Es war der Ivorer Sekou Cisse, der für die deutsche Nationalelf und viele Fußballfans den ersten Kontakt zur Normalität herstellte. Mit seinem Anstoß kehrte gestern Abend, acht Tage nach der Selbsttötung des National- und 96-Torwarts, wieder ein Stück Alltag im deutschen Fußball ein. Der Ball rollte wieder, die Fans in der Schalker Arena und zu Hause vor den Fernsehgeräten drückten dem DFB-Team die Daumen, freuten sich mit der Mannschaft über schöne Kombinationen ein munteres Spiel und die beiden Tore von Lukas Podolski.

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Da waren sie wieder, die Anfeuerungsrufe und Sprechchöre, die „Ahs“ und „Ohs“ nach spannenden Torraumszenen. Sie waren nur ein bisschen leiser als sonst. Nach den Tagen mit so viel Trauer im Kopf tut Ablenkung gut, helfen Zweikämpfe und Doppelpässe beim Verdrängen der Tragödie. 90 Minuten sind nicht viel, aber ein Anfang.

Einen Anfang machen, auch wenn es schwerfällt – darum ging es im Test- und Trauerspiel gegen die Elfenbeinküste. „Für alle war positiv, dass wir so viel Zeit hatten zu trauern, um dann wieder einen Anfang zu finden. Es muss wieder losgehen“, hatte Philipp Lahm vor dem Spiel gesagt. Mit einem offenen Brief hatten sich die Nationalspieler gestern Nachmittag von ihrem verstorbenen Torwart verabschiedet, ihre Fassungslosigkeit, Trauer und Hilflosigkeit in Worten niedergeschrieben. Ein paar Stunden später waren es die Gesten im Stadion, die bewegten. Auf dem Videowürfel in der Arena lief zehn Minuten vor dem Anpfiff ein Film über das Leben von Robert Enke, den die Spieler unten auf dem Rasen mit umeinander gelegten Armen verfolgten. Bilder vom Torhüter Robert Enke, der mit seinen Paraden im Trikot von Hannover 96 und der Nationalmannschaft begeisterte. Bilder vom Menschen Robert Enke bei Besuchen im Zoo Hannover, mit seinen Hunden zu Hause in Empede und mit seiner verstorbenen Tochter Lara auf dem Arm in der
AWD-Arena. Und Bilder von der Trauer um Robert Enke.

Kurz zuvor hatte sein Freund Michael Ballack ein rotes Enke-Trikot der Nationalelf auf die deutsche Auswechselbank zwischen den Hoffenheimer Andreas Beck und den Berliner Arne Friedrich gelegt, um zu zeigen, dass der Torwart immer ein Teil der Mannschaft bleiben wird. Als Schiedsrichter Björn Kuipers aus den Niederlanden die Begegnung um 22.40 Uhr abpfiff, hatten die deutschen Nationalspieler ihr bislang schwierigstes Länderspiel hinter sich gebracht. Die Mannschaft von Hannover 96 hingegen hat es noch vor sich. In zwei Tagen haben die „Roten“ ihr erstes Spiel nach Enkes Tod ebenfalls „auf Schalke“, muss die Mannschaft von Trainer Andreas Bergmann in der Arena um Bundesligapunkte spielen.

„Auch wenn ich Schalke-Fan bin, der Tod von Robert Enke hat mich bedrückt“, sagt Peter Wessels. Dass am Sonnabend die Stimmung so gedämpft wie beim Länderspiel sein wird, glaubt der 52-Jährige aus Gelsenkirchen-Buer allerdings nicht. „Das kann sich die Mannschaft gar nicht leisten, wir Fans sind der zwölfte Mann. Ich bin mir sicher, dass hier die Post abgehen wird.“

So war das Spiel:

Es ging gut los für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft: 11. Minute, Elfmeter, Tor Lukas Podolski, der gewohnt sicher verwandelte. Guy Demel hatte Stürmer Stefan Kießling im Zweikampf zu ungestüm zu Fall gebracht. Zwei Minuten später hatten die Deutschen Glück. Philipp Lahm geriet eine Kopfballrückgabe zu kurz, beim Lupfer von Emmanuel Eboue landete der Ball jedoch nur auf der Latte.

Abgesehen von einer kurzen Drangperiode der Elfenbeinküste, die ohne ihren verletzten Superstar Didier Drogba
(FC Chelsea) auskommen musste, hatten die Gastgeber das Spiel im Griff. Der Ivorer Arthur Boka musste nach einem Kopfball von Heiko Westermann für seinen geschlagenen Torwart auf der Linie klären (25. Minute), kurz vor der Pause traf Piotr Trochowski den Pfosten.

Nach einem Fehler von Torwart Manuel Neuer – er schoss Emmanuel Eboue (1:1; 57.) an – und einem Weitschusstor von Seydou Doumbia (85.) sah es nach einer Niederlage aus, die Lukas Podolski in der Nachspielzeit mit seinem Tor zum 2:2 abwendete.

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