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Überregional Deutschland „müllert“ sich ins Achtelfinale
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20:31 26.06.2014
Traf zum 1:0 - Thomas Müller.
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Recife

Jürgen Klinsmann schritt nach dem Schlusspfiff zu Joachim Löw. Ein kurzes Abklatschen, eine Umarmung, Schulterklopfen - beide Trainer freuten sich nach dem spannenden 1:0 (0:0) zwischen Deutschland und der USA am Donnerstag über den Einzug in das Achtelfinale. Endlich hatte die selbst auferlegte Kontaktsperre zwischen den beiden Männern mit der "gegenseitigen Bewunderung" (Klinsmann) ein Ende.

Die Bilder zum letzten WM-Vorrundenspiel USA gegen Deutschland.

Die zwei Macher des Sommermärchens 2006 bleiben nach dem finalen WM-Gruppenduell, das laut Löw "beide gerne vermieden hätten", weiter mittendrin im Fußball-Spektakel in Brasilien. Für Löw ist es zudem der 50. Pflichtspielsieg als Bundestrainer.

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Was vor zehn Jahren am Comer See zwischen dem damals frisch ernannten DFB-Bundestrainer Klinsmann und seinem auserwählten Assistenten begann und sich zu einer Freundschaft entwickelte, gipfelte am Donnerstag im Gruppenfinale bei der Weltmeisterschaft.

"Wir können uns beide völlig freimachen von diesen Dingen", versprach der aktuelle Coach der deutschen Mannschaft vor dem "Showdown". Mit gebührendem Abstand hinter ihren Mannschaften zeigten sich die beiden Kontrahenten des Tages in die Arena Pernambuco, marschierten schnurstracks zu ihren Trainerbänken. Dort machte der voller Vorfreude strahlende Klinsmann seine Ankündigung wahr, als er beide Nationalhymnen mitsang.

Als "wunderbaren Moment" sah der Weltmeister von 1990 das Duell gegen die ehemalige Auswahl an. Er genoss es - bis zum Rückstand. Lange hielt es die beiden Protagonisten im Regen von Recife erwartungsgemäß nicht im schützenden Bank-Bereich. Als Erster stand Löw nach wenigen Minütchen dirigierend in seiner Coachingzone, lobte oder tadelte - und war dabei pitschepatschenass. Klinsmann zog es nur wenig später auch raus in den Regen.

Der 49-Jährige lebte das Spiel mit wie in besten DFB-Zeiten, explodierte bei einer Schiedsrichter-Entscheidung nach der Pause förmlich. Zum Schutz vor den Wassermassen hatte sich der frühere Bayern-Coach in der ersten Hälfte ein blaues USA-Käppi aufgesetzt, trug eine Team-Sportjacke.

Löw entledigte sich beim Gruppenfinale im Nordosten Brasiliens sehr rasch seines Regenschutzes, coachte von da an bis zum Pausenpfiff im schwarzen Hemd und grauer Hose an der Seitenlinie. Das Hemd klebte schon nach wenigen Minuten am Oberkörper des 54-Jährigen. Da half ihm auch nicht das schwarz-rot-goldene Handtuch, mit dem er wiederholt versuchte, sich etwas zu trocknen. Der US-Coach machte sich zur Halbzeit als Erster auf in die Kabine, Löw kam als Erster wieder raus.

Das klatschnasse Hemd blieb drinnen, im Polo-Shirt kehrte er an den Rasenrand zurück. Klinsmann zog in 20 Metern Entfernung die zu warme Jacke aus - und durfte seinen fünften Sommermärchen-Nationalspieler auf dem Rasen sehen. Nach Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger, Per Mertesacker und Podolski kam nach dem Seitenwechsel Miroslav Klose für Podolski in die Partie.

Und auch mit dem Torschützen verbindet Klinsmann eine gemeinsame Zeit. Unter dem 108-maligen Nationalspieler als Bayern-Coach debütierte Thomas Müller im August 2008 in der Bundesliga. So glücklich beide Trainer über den Einzug in das Achtelfinale waren, so froh dürften beide auch nach der WM sein.

"Jogi macht seine Aufgabe, ich mache meine. Jetzt gibt es keine SMS, keine Handygespräche. In drei Wochen können wir dann wieder telefonieren", kündigte Klinsmann bereits vor dem Anpfiff an - und dann wollen beide auf eine erfolgreiche WM in Brasilien zurückblicken.

Die Spieler in der Einzelkritik:

Neuer: Vor allem als mitspielender Keeper gefragt. Immer aufmerksam, auch als Libero (64.). Bemühte sich um eine schnelle Spieleröffnung.

Boateng: Starkes Spiel des Münchners, vor allem mit Offensivaktionen auffällig. Einige seiner Flanken verteidigten die US-Boys gut.

Mertesacker: Der Abwehrchef behielt die Übersicht. In den Zweikämpfen resolut. Machte die Räume zu. Mit seinem Kopfball am 1:0 beteiligt.

Hummels: Konzentrierte sich auf seine Defensivaufgabe. Ein, zweimal ein Zögern, ansonsten hatte er die US-Angreifer klar im Griff.

Höwedes: Schnell mit Gelb belastet musste der Schalke in schwierige Zweikämpfe. Dass er kein verkappter Linksaußen ist, war vorher klar.

Schweinsteiger: Ein imponierendes Comeback. Übernahm das Kommando, steckte in den direkten Duellen nicht zurück. So drin in der WM-Elf.

Lahm: Präsenter als gegen Ghana, viel am Ball. Aber seiner Rolle im Mittelfeld fehlt der klare Zuschnitt. Torgefahr brachte er nicht. Verhinderte in der Nachspielzeit den Ausgleich.

Kroos: Mit seinen spielverlagernden Pässen wieder exzellent. Leistete ein großes Arbeitspensum. Der letzte Kick fehlte mitunter.

Özil: Forderte den Ball, schleppte ihn oft. Wirkte jedoch noch zu verspielt. Konnte sich gegen die robusten Gegner selten behaupten.

Müller: Einfach unglaublich. 9. Tor im 9. WM-Spiel, 4. Treffer in Brasilien. Immer in der gefährlichen Zone. Sein Siegtor mit Auge!

Podolski: Seine erste Startelf-Chance nach einem Jahr nutzte er nicht. Zu wenig nach hinten, zu ungenau nach vorn. Zur Pause raus.

Klose: Kam zur Pause, gleich mit erster Kopfball-Chance (52.). Die Fitness ist zurück. Ein Joker mit dieser Erfahrung ist Gold wert.

Götze: In der Schlussviertelstunde für den entkräfteten Schweinsteiger drin. In der Zentrale war seine Ballsicherheit gefragt.

Schürrle: Die "Spezialkraft" vom FC Chelsea durfte die letzten 90 Sekunden und die Nachspielzeit mitmachen - und sicherte mit den Sieg.

sid

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