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Überregional Die Angst reist mit zur Fußball-WM
Sportbuzzer Fußball Überregional Die Angst reist mit zur Fußball-WM
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07:59 11.01.2010
Sorge um die Sicherheit: Die Polizei begleitet in Angola das Team der Elfenbeinküste. Quelle: ap
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Calvin Jordan hatte es fast geahnt. Beim Blick auf das katastrophale Transportsystem in Angola beschlich den Mann, der für den WM-Gastgeber Südafrika gerade den Afrika-Cup beobachtet, ein ungutes Gefühl: „Ein chaotisches Turnier in Angola wird garantiert neue Zweifel an der Organisation unserer eigenen WM in Südafrika wecken“, meinte Jordan noch letzte Woche.

Mit dem Guerillaangriff auf den Bus des Nationalteams von Togo, bei dem drei Menschen starben, ist Angola noch vor dem ersten Anpfiff am Sonntag in ein noch viel größeres PR-Desaster geschlittert, als Jordan erahnen konnte. Togo zog seine Mannschaft zurück, und alle Welt fragt sich nun, ob nicht auch in Südafrika ein solcher Vorfall denkbar wäre. Die britische „Daily Mail“ wies darauf hin, dass es riskant gewesen sei, den Afrika-Cup in ein früheres Bürgerkriegsland zu vergeben, was in gewisser Weise auch für Südafrika gelte. Und Deutschlands Nationaltorwart Rene Adler, dessen Leverkusener Vereinskamerad Assimiou Touré in dem beschossenen Bus saß, schimpfte am Sonntag: „Das ist doch alles krank. Ich frage mich, wie die das mit der Sicherheit bei der WM handhaben wollen. Wir als Team werden sicherlich beschützt sein, aber was ist zum Beispiel mit den Familienangehörigen?“

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Wenn es nach den Organisatoren der WM am Kap geht, sind diese Sorgen völlig überzogen. WM-Boss Danny Jordan betont, dass der Anschlag in Angola keine Auswirkungen auf das Fußballfest im Juni habe, zumal beide Länder gar nicht vergleichbar seien. Vor allem wehrt er sich gegen die „Doppelmoral“ jener Kritiker, die gerne ganz Afrika in einen Topf werfen: „Niemand würde eine WM in Deutschland hinterfragen, weil im Kosovo ein Krieg tobt.“ FIFA-Präsident Joseph Blatter sprang den Afrikanern bei: „Ich habe nach wie vor vollstes Vertrauen in Afrika und bin sicher, dass der Kontinent in der Lage ist, eine Fußball-WM zu organisieren.“

Richtig ist, dass Südafrika, anders als Angola, nicht mit einer internen Widerstands- oder Sezessionsbewegung konfrontiert ist. Sicherheitsexperten wie Johan Burger vom Institute of Security Studies weisen darauf hin, dass es einen Unterschied zwischen Terroristen oder Guerillagruppen auf der einen Seite und der Kriminalität am Kap auf der anderen Seite gebe. Südafrika weist zwar eine der weltweit höchsten Verbrechensraten auf, aber der weit überwiegende Teil der Morde beschränkt sich auf die Wohngebiete der Armen. Ein Tourist, der zwischen Stadion, Hotel und Strand pendelt, muss kaum damit rechnen, Opfer von Gewalt zu werden.

Für Südafrika könnte sich das Attentat in Cabinda sogar als Weckruf zur rechten Zeit erweisen. Es dürfte den sorglosen WM-Gastgeber daran erinnern, wie schnell ein Turnier ruiniert sein kann.

von Wolfgang Drechsler