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Überregional Diego stellt Trainer bloß: McClaren vor dem Aus
Sportbuzzer Fußball Überregional Diego stellt Trainer bloß: McClaren vor dem Aus
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11:33 06.02.2011
Der Wolfsburger Diego (r.) diskutiert neben dem Hannoveraner Steven Cherundolo.
Der Wolfsburger Diego (r.) diskutiert neben dem Hannoveraner Steven Cherundolo. Quelle: dpa
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Der Trainer tobte, schimpfte und schlug mit der Hand wütend gegen das Plexiglas der Auswechselbank. Diegos Eigensinn trieb Steve McClaren fast zum Wahnsinn. Die Meuterei stellte den Coach des VfL Wolfsburg bloß. Denn der Brasilianer schob den als Elfmeter-Schützen bestimmten Patrick Helmes einfach beiseite und schoss den Elfmeter in der 80. Minute selber - an die Latte. Der einstige Liebling der Fußballfans vergab damit nicht nur den möglichen Ausgleich beim 0:1 (0:1) im Niedersachsen-Derby der Bundesliga bei Hannover 96. Er entlarvte mit seinem Egoismus auch die Verhältnisse beim VfL.

Was hat McClaren noch zu sagen? Wer hört noch auf ihn? Diego jedenfalls nicht. „Es war klar, Patrick Helmes war als Schütze vorgesehen“, erklärte McClaren später und kritisierte seinen Starspieler. „Es ist absolut inakzeptabel, dass sich Diego über meine Entscheidung hinweggesetzt hat. Ich bin sehr wütend.“ Bezeichnend ist, dass es nicht der erste Streit dieser Art war. Im Dezember hatte der inzwischen verkaufte Edin Dzeko mit Diego eine ähnliche Diskussion, ehe der Bosnier den Elfmeter gegen Werder Bremen verschoss.

McClaren steht vor dem Aus. Es ist fraglich, ob der erste englische Trainer in der Bundesliga-Geschichte in Wolfsburg überhaupt noch einmal eine Chance bekommt. Er müsse nachdenken, sagte Manager Dieter Hoeneß. „Eiertanz“, nannte er die Szene vor dem verschossenen Strafstoß. Man könne es auch „Kindergarten“ nennen, fügte er hinzu.

Ob es nun eine Trainerdiskussion gebe? „Das lasse ich jetzt mal so stehen“, sagte Hoeneß und verweigerte dem Coach kurz nach Spielschluss die Rückendeckung. „Natürlich werden wir uns Gedanken über die Situation machen. Wieso verlieren wir so ein Spiel, das wir nicht verlieren dürfen? Davon gab es diese Saison schon zu viele.“ Nur noch einen Zähler ist der mit Millionen-Einkäufen umgebaute Meister von 2009 von einem Relegationsplatz entfernt.

„Ich werde mich nicht zu Taktik und Aufstellung äußern, das ist Sache des Trainers“, sagte Hoeneß. Und tat dann genau das Gegenteil. „Wir sind durchschlagskräftiger, wenn wir mit zwei Spitzen spielen“, kommentierte der Sportdirektor. McClaren aber hatte Grafite als einzigen Stürmer im 4-2-3-1-System nominiert und den neu verpflichteten Helmes erst später als zweite Spitze gebracht.

„Der Trainer hat mir gesagt, dass ich schießen soll. Das habe ich Diego gesagt“, berichtete der verwunderte Helmes über die Schlüsselszene. Doch Diego interessierte das nicht. „Ich habe Verantwortung übernommen“, lautete seine eigentümliche Sicht der Dinge: „Ich habe keine andere Möglichkeit gesehen. Ich habe in jedem Club in dem ich gespielt habe, die Elfmeter geschossen.“

Während der VfL auch nach sechs Winter-Einkäufen im Abstiegskampf bleibt, streben die auf dem Transfermarkt enthaltsamen Hannoveraner als Vierter Richtung Europa. Pointe des Tages war neben dem Kampf um den Elfmeter, dass ausgerechnet Sergio Pinto den Siegtreffer erzielte. Während der Woche hatte der 96-Mittelfeldspieler über den VfL gelästert und die Stadt Wolfsburg als „nicht wirklich wunderschön“ bezeichnet. Pinto hatte zudem gesagt: „Wir sind eine Mannschaft, das ist der Unterschied zu denen.“ Und genau das wurde beim Derby-Sieg deutlich.

dpa

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