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Überregional Dynamo Dresden steigt in die zweite Liga auf
Sportbuzzer Fußball Überregional Dynamo Dresden steigt in die zweite Liga auf
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13:28 25.05.2011
Die Spieler von Dynamo Dresden haben allen Grund zum Feiern: Mit einem Sieg im zweiten Relegationsspiel über VFL Osnabrück haben sie den Aufstieg in die zweite Bundesliga geschafft. Quelle: dpa
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Dynamo setzte sich nach dem 1:1 im Hinspiel mit 3:1 (1:1, 0:1) n.V. in Osnabrück durch, kehrt damit nach fünf Jahren in die Zweitklassigkeit zurück und stürzte den VfL nach nur einem Jahr zurück in die 3. Liga.

Für die niedersächsische Fahrstuhlmannschaft ist es schon der vierte Abstieg seit 2001. Für die Sachsen hatte vor 16 600 Zuschauern in der ausverkauften Osnatel-Arena Christian Fiel (61.) das Hinspielergebnis egalisiert. Jan Mauersberger hatte den VfL kurz vor der Pause in Führung gebracht.

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Als Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer die hektische Partie rund 15 Sekunden zu früh abpfiff, ging es im Stadion plötzlich hektisch zu: Polizisten prügelten sich mit Dynamo-Fans, Kinhöfer flüchtete in die Kabine. Doch die Spieler aus Dresden hatten sich den Sieg verdient. „Ich freue mich unheimlich für die Mannschaft und die ganze Region“, jubelte Dynamo-Trainer Ralf Loose. „Knipser“ Schahin war überglücklich: „Ich kann es gar nicht realisieren. Jetzt steht ’ne Feier an. Schöne Grüße nach Hause!“

Die Osnabrücker wählten die mutige Variante - doch dies wurde nicht belohnt, weil die Platzherren zum Schluss stark abbauten und sich Dynamo deutlich steigerte. Osnabrück spielte trotz des 1:1 im Rücken nicht auf Sicherheit, sondern stürmte von Beginn an. Mit dem starken Sebastian Tyrala als Antreiber setzten sie Dynamo unter Druck. In der hektischen halben Stunde nach dem Ausgleich gelang den Osnabrückern allerdings nicht mehr viel.

Im Blickpunkt stand lange Dynamo-Torhüter Benjamin Kirsten, der in Osnabrück einen unruhigen Abend hatte. Der Sohn des ehemaligen Nationalstürmers Ulf Kirsten hatte mehrfach die Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Bei den Chancen des agilen Alexander Schnetzler durch einen Flugkopfball (28.) und einen Freistoß (26.) parierte er ebenso glänzend wie bei Tyralas Schuss aus kurzer Distanz (43.). Chancenlos war er aber beim Kopfballtor des aufgerückten Innenverteidigers Mauersberger nach einer Ecke.

Dynamos Defensive mit dem zuletzt gesperrten Sebastian Schuppan für Dennis Bührer als Linksverteidiger wirkte nicht immer sattelfest. Vor allem das defensive Mittelfeld hatte Probleme, dem Druck der Gastgeber standzuhalten.

Gute Chancen besaßen die lange geschockt wirkenden Gäste kaum - dafür aber hochkarätige. VfL-Torhüter Tino Berbig bekam zunächst bei einer Chance von Schahin (21.) Hilfe von Tobias Nickenig, der knapp vor der Linie rettete. Danach zeigte Berbig selber seine Klasse, als er dem einschussbereiten Timo Röttger (33.) den Ball wegschnappte. Nicht gut sah Berbig indes beim Ausgleich aus: Der Freistoß von Fiel war durchaus haltbar.

Die VfL-Defensive wirkte nicht immer sicher bei den schnellen Gegenangriffen der Dresdener, denen im Spielaufbau lange Zeit wenig einfiel. Mit viel Einsatz und dem umsichtigen Innenverteidiger Tobias Nickenig verhinderte sie aber Schlimmeres.

Die Dynamo-Fans waren schon in der 2. Halbzeit unangenehm aufgefallen:Auch wenn die Mehrheit der Dynamo-Fans friedlich feierte: Die Gewaltbereitschaft der Minderheit erschreckte. Sie offenbarte die hässliche Seite des Fußballs und zeigte wieder einmal das ganz spezielle Fan-Problem der Dresdner. „Ich kann nur versprechen, dass der Verein daran arbeiten wird“, sagte der Trainer.

„Ich kann nicht viel dazu sagen“, kommentierte Loose, „ich konzentriere mich auf den Sport.“ Bereits nach einer Stunde hatte der Referee die Partie für anderthalb Minuten unterbrochen, weil Dynamo-Anhänger auf der Tribüne Feuerwerk abbrannten und Fahnen anzündeten. Dresdner Spieler mussten die Randalierer unter den Fans einige Male beruhigen.

Der Schiedsrichter hätte die Partie kurz vor Ablauf der 120 Minuten auch abbrechen können, weil Fans den Platz stürmten und die Polizei auf dem Rasen aufmarschierte. Kinhöfer tat es nicht. Er entschied sich angesichts des eindeutigen Spielstandes für die sichere Variante - und brachte sich selber nach seinem vorzeitigen Abpfiff mit einem Spurt in Sicherheit.

„Das ist eine Tatsachenentscheidung. Nur die Uhr des Schiedsrichters ist maßgeblich“, sagte Herbert Fandel, der Vorsitzende der DFB-Schiedsrichter-Kommission. Ein vorzeitiger Abpfiff aus Sicherheitsgründen ist eigentlich nicht vorgesehen, war aber angesichts des Spielstandes eine vernünftige Lösung. Ein „skandalöses Ende“, kommentierte die „Neue Osnabrücker Zeitung“.

14 Festnahmen und 16 Strafanzeigen meldete die Polizei, die nach eigenen Angaben „größere Ausschreitungen verhinderte“. Polizisten, Ordner und Fotografen waren attackiert worden. Dass Sitzschalen herausgerissen wurden, gehörte zu den kleineren Randerscheinungen.

„Das mit den Dresdner Zuschauern ist zu viel, da muss etwas passieren“, sagte Osnabrücks Spielmacher Sebastian Tyrala: „Mir tut es leid für die Dresdner Mannschaft.“ Tatsächlich lieferten die Dynamo-Profis einen beeindruckenden Endspurt, holten auch im Rückspiel ein 0:1 auf und bewiesen anschließend, dass mit einem Teil der Fans auch friedlich zu feiern ist.

Rund 2000 Dresdner sangen und tanzten noch nach Mitternacht im Osnabrücker Stadion. In Sachsens Hauptstadt hatten rund 10 000 Fans beim Public Viewing gejubelt. Viele fuhren anschließend zum Flughafen, wo das Team gegen 2.45 Uhr landete. Die große Aufstiegsparty stand am Mittwochnachmittag auf dem Altmarkt an.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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