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Überregional „Anna“ und das Sonntagskribbeln
Sportbuzzer Fußball Überregional „Anna“ und das Sonntagskribbeln
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20:13 18.08.2013
„Das sieht ja aus wie bei einer Beerdigung, Köpfe hoch“, Trainer Behrends. Quelle: von Ditfurth
Hannover

Rainer Behrends hat schon so einiges erlebt. Als Jugendlicher hat er mit Uli Hoeneß in der Nationalmannschaft gespielt, später war er dann etwa beim VfL Wolfsburg aktiv. Lange war er Trainer bei Arminia Hannover und bei den Sportfreunden aus Ricklingen. Jetzt, im Sommer, ist er, mittlerweile 61 Jahre alt, mit dem HSC Hannover in die Landesliga aufgestiegen. „Ich bin schon zehnmal aufgestiegen“, sagt er. Und doch ist er nervös, in der Kabine, auf dem Weg zum Platz und auch auf seiner Trainerbank beim Spiel gegen die Spvgg. Bad Pyrmont.

Vor dem Spiel

Tische aus Buchenfurnier bilden ein U im Besprechungsraum. Die junge Mannschaft, Durschschnittsalter 23 Jahre, hat drumherum auf den dunklen Stühlen mit Stoffbezug Platz genommen. Auf den Tischen blaue Thermoskannen mit Kaffee, daneben Teller mit Waffeln, Keksen und eine Schale mit Bananenstücken. Zunächst Formalien. Fußballobmann Volker Neubacher verliest ein Dutzend Spielernamen, von denen noch ein Passbild fehlt. Reichen sie es nicht bis zum nächsten Sonntag nach, kostet es fünf Euro Strafe.

Rainer Behrends sitzt auf einer Tischkante, hinter ihm eine graue Magnettafel. Behrends, kurzes, graues Haar, trägt schwarze Sportschuhe, dazu eine schwarze Trainingshose und ein weißes Polo-Hemd mit dem Emblem des HSC. Sein Spitzname ist „Anna“, die blau umrandete Brille hat er bis auf die Nasenspitze rutschen lassen. „Der Torwart ist ein bisschen lutschig“, sagt Behrends. Im Sturm hätte der Gegner zwei überragende Leute. „Und der Zehner ist ein richtig geiler Boker“, sagt Behrends.

Er richtet den Blick auf die Magnettafel. Elf graue Magneten sollen seine Elf darstellen. Behrends verschiebt die Magneten. „Wir müssen breiter stehen“, sagt er. Sonst mache man es dem Gegner zu einfach. Und kurze Pässe. „Zack, zack, zack.“ Dabei klopft Behrends kräftig gegen die Wand.

Ein Spiel dauert 90 Minuten. Doch die Wahrheit liegt nicht nur auf dem Platz. Ein Kabinenbesuch beim HSC Hannover in der Landesliga.

Dann kommt er zu seinem wichtigsten Thema des Tages: Körpersprache. „Wir müssen uns doch nicht verstecken. Wir haben doch alle schon mal Landesliga gespielt.“ Dann gibt es ein paar Rückblicke auf Szenen der vergangenen Spiele. Behrends spricht die Spieler direkt, aber fair an. Es gehe ihm nur um die Fehler. Niemand solle sauer sein. Wenn, dann auf den Trainer. „Und jetzt geht raus und gewinnt.“

Als er seine Spieler zum Umziehen geschickt hat, hat Behrends ein wenig Zeit zum Erzählen. „Ich habe schweißnasse Hände“, sagt er 50 Minuten vor dem Anpfiff. Sein Sonntagsritual ist die TV-Sendung „Doppelpass“, bei dem jeden Sonntag von 11 Uhr an Experten über den Fußball diskutieren. Das schaut er, und dann geht es los zum Spiel. Das Kribbeln, das fange aber schon am Sonnabend an. „Wenn ich das nicht mehr habe, dann höre ich auf“, sagt Behrends. Sein System sei in etwa das der Bayern. Den neuen Bayern-Trainer Pep Guardiola findet er schon gut, sagt er, aber das Gebahren an der Linie, das sei schon ziemlich viel Theater. Ihm gehe es um Fußball. Und da ärgert es ihn, wenn er sich um Passbilder kümmern muss.

Kurz vor Spielbeginn

Die Spieler vom HSC haben sich warmgemacht, sitzen nun in der Kabine. Statt der roten T-Shirts tragen sie grüne Trikots, dazu weiße Hosen und rote Stutzen. Behrends kommt in den engen Raum, in dem die Spieler gerade so Platz auf den Holzbänken finden. Ein paar letzte Anweisungen. „Schulle“ soll die Mauer bei Freistößen organisieren. Die Spieler sollen frech sein, lächeln, wenn sie eigentlich nicht mehr können und zeigen: „Hier gewinnt heute nur einer.“ Behrends ist bei seinem Vortrag ständig in Bewegung, als würden seine Beine hinter einer Tischtennisplatte stehen. Dann geht es los. „So, Männer, viel Glück, haut rein.“

In der Halbzeitpause

Langsam trotten die Spieler in die Kabine. Sie führen mit 2:1, aber nach einer dominanten ersten halben Stunde ist der Gegner aus Bad Pyrmont besser geworden und hat den Anschlusstreffer erzielt. „Leute, trinkt erst mal was“, sagt Behrends. Manche greifen zur Wasserflasche, einer nippt am Energydrink. Ein Betreuer reicht Bananenstücke und kleine Quadrate aus Traubenzucker. Die Köpfe der meisten Spieler sind gesenkt. „Das sieht ja aus wie bei einer Beerdigung, Köpfe hoch“, sagt Behrends. Der Trainer ist nicht unzufrieden. Nur mit dem Passspiel ist er nicht einverstanden. Einfache Bälle sollen sie spielen, ein bisschen mehr Fußball.

Irgendjemand angeschlagen? Nein? „Außer einem Beinbruch würde heute eh nichts zählen“, sagt Behrends. Ein Scherz, er lacht, und will die Spieler aufmuntern. Ein Betreuer lässt eine rot-weiße Plastikbox rumgehen. Ein Spieler greift nach einem Eiswürfel, kühlt sein Knie. Ein anderer wischt sich damit durchs Gesicht. Trainer Behrends geht als erster wieder aus der Kabine. Er lässt seine Jungs kurz allein, gibt ihnen Platz. „Los Leute“, ruft einer. Dann klatschen alle in die Hände. Es geht weiter.

Nach dem Spiel

Mit dem Regen kam die Niederlage. Der HSC hat die Partie noch mit 2:3 verloren. Behrends erlebte die Schlussviertelstunde ruhig, auf der Trainerbank sitzend, mit verschränkten Armen. Als die Schiedsrichterin die Begegnung abpfeift, streift Behrends seine rote Regenjacke über. Er trottet über den Platz, mit den Armen auf dem Rücken gekreuzt. Er klopft einem seiner Spieler auf den Rücken, verabschiedet einen Gegenspieler.

Als Behrends in der Kabine im HSC-Klubhaus ankommt, ist es still. Eine Minute, zwei Minuten, drei Minuten. Die Spieler blicken ins Leere. Einige ziehen die Schienbeinschoner aus ihren Stutzen, werfen sie in ihre Taschen. Es riecht nach Schweiß und alten Socken. Und nach Niederlage. Dann setzt Behrends an. „Diese Woche ist Training am Dienstag, Mittwoch und Freitag. Um 18.30 Uhr.“ Normalität. Und dann wieder Aufmunterung. „Kopf hoch. Wir haben jetzt genug weggeschenkt, nächste Woche geht es weiter.“ Dann geht er raus. Aber nach dieser zweiten Niederlage im zweiten Spiel zeigt auch der Kopf des Trainers eher nach unten.

von Gerd Schild

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