Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Überregional Bitte nicht noch einmal!
Sportbuzzer Fußball Überregional Bitte nicht noch einmal!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:13 15.10.2013
Von Stefan Knopf
Ungläubiger Miroslav Klose: Innerhalb einer halben Stunde hat die deutsche Mannschaft eine 4:0-Führung verspielt. Quelle: dpa (Archiv)
Anzeige
Hannover

Dass der Bundestrainer an diesem Oktoberabend in Berlin einen Wollmantel trägt, ist sicher nur Zufall. Vier Tage zuvor hat die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihr WM-Qualifikationsspiel in Irland mit 6:1 gewonnen, jetzt heißt der Gegner Schweden. 72.369 Zuschauer im Olympiastadion erwarten das nächste Fußballfest, und die Mannschaft von Joachim Löw tut den Fans vom Anpfiff an den Gefallen: Sie spielt Fußball in einer Perfektion, dass sich Löw zwischenzeitlich fragen dürfte, wie er darauf kommen konnte: dass man sich ausgerechnet gegen diese Schweden warm anziehen müsse. Eine Stunde geht das so, dann setzt sich dieses Spiel über alle bekannten Gesetze des Fußballs hinweg. Eine halbe Stunde benötigt die deutsche Auswahl, um einen 4:0-Vorsprung zu verspielen; am Ende steht ein 4:4, das die Mannschaft so sehr erschüttert, dass die Schockwellen bis heute spürbar sind.

Monatelang beherrschten die Defensivprobleme alle Diskussionen über die Nationalelf. Der 16. Oktober 2012 und das Spiel gegen Schweden schaffen es umgehend in die „Klassiker“-Rubrik des Deutschen Fußball-Bundes. Auch vor dem bedeutungslos gewordenenen heutigen Rückspiel in Stockholm (20.45 Uhr, live im ZDF) ist dieses 4:4 allgegenwärtig. Ein Rückblick auf einen grotesken Abend.

  • 8. Minute. Marco Reus legt den Ball auf Miroslav Klose zurück, der zum 1:0 trifft. Joachim Löw ist zum ersten Mal an der Seitenlinie zu sehen. Noch ahnt er nicht, warum er hier an diesem Abend noch sehr oft stehen wird. Er jubelt.
  • 15. Minute. Wieder taucht Löw an der Seitenlinie auf. Reus spielt Doppelpass mit Toni Kroos und mit Thomas Müller und legt noch einmal zurück auf Klose. 2:0. Löw klatscht sich mit seinen Assistenten ab. Er ahnt noch immer nichts.
  • 39. Minute. Per Mertesacker trifft aus fünf Metern mit einem Direktschuss nach einer Kopfballvorlage von Müller zum 3:0. Wenn schon Mertesacker Tore schießt, was soll da noch schief gehen? Löw ballt am Spielfeldrand lachend die Fäuste.
  • 56. Minute. Wieder Müller mit einer Vorlage; diesmal findet er Mesut Özil, der zum 4:0 trifft. Auf der Tribüne fragen sich die Fans: Wann hat die deutsche Mannschaft eigentlich zuletzt zweistellig gewonnen? Löw, beseelt vom Spielrausch seiner Elf, taucht wieder an der Seitenlinie auf. Er jubelt nicht. Er lässt sich gratulieren. Und er ahnt weiterhin nichts.
  • 62. Minute. Der Ball liegt zum fünften Mal an diesem Abend im Tor. Im falschen. Zlatan Ibrahimovic erzielt das 4:1, Löw kennt das: Ein Gegentor gehört zu einem Spiel der deutschen Nationalmannschaft wie Anpfiff und Abpfiff. Noch immer ahnt der Bundestrainer nichts.
  • 64. Minute. Noch ein Gegentor. Mikael Lustig profitiert von einem Stellungsfehler Badstubers und einem Patzer von Torwart Manuel Neuer. Löw steht an der Seitenlinie, die Lippen aufeinandergepresst. Ihn beschleicht ein ungutes Gefühl.
  • 67. Minute. Die deutsche Defensive ist komplett von der Rolle. Irgendwer müsste Spiel und Mannschaft beruhigen und für mehr Stabilität sorgen, aber wer? Löw hat eine Idee. Er wechselt. Müller muss gehen, dafür kommt Mario Götze.
  • 76. Minute. Johan Elmander gelingt der Anschlusstreffer. Löw tauscht seinen Stammplatz auf der Bank gegen einen Stehplatz an der Seitenlinie. Es wird eine lange Viertelstunde bis zum Abpfiff. Löw bekommt allmählich eine Ahnung.
  • 87. Minute. Die deutsche Elf taumelt weiter über den Berliner Rasen, andere Trainer kämen jetzt auf den Gedanken, Mittelfeld und Abwehr zu stärken. Löw bringt Lukas Podolski für Reus.
  • 90. Minute. Die Nachspielzeit läuft bereits, als Rasmus Elm zum 4:4 trifft. Jetzt hat Löw Gewissheit. Er sagt: „Es soll uns eine Lehre für alle Zeiten sein.“ Angeblich soll Löw heute Abend in Stockholm wieder eine warme Jacke tragen.
Mehr zum Thema
Überregional Deutsche Nationalmannschaft - Das System Löw bleibt

Zwei weitere Jahre soll das System Löw den deutschen Fußball mitbestimmen. Es gibt gute Gründe dafür. In fast 100 Länderspielen unter ihm ist das DFB-Team wieder eine feste Größe in der Weltspitze geworden. Löw hat Tendenzen geprägt. Doch es gab auch Fehler.

15.10.2013

Das 4:4 nach 4:0 im Hinspiel tut noch immer weh. Bundestrainer Löw kommt die Konstellation entgegen: Er fordert von seinem Personal einen Lerneffekt in Schweden. Denn die Defizite müssen bis zur WM weg. Schließlich will Löw seinen neuen Vertrag bis 2016 erfüllen.

14.10.2013
Überregional Ein Blick auf die WM-Elf 2014 - Löws WM-Puzzle

Ein Blick voraus auf den Sommer 2014: Wo es im deutschen Team noch hakt und welche Spieler sich auf die Weltmeisterschaft in Brasilien voraussichtlich freuen dürfen.

16.10.2013
Überregional Deutsche Nationalmannschaft - Das System Löw bleibt
15.10.2013
14.10.2013