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Sportbuzzer Fußball Überregional FIFA sperrt Fuktionäre für WM-Abstimmung
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15:38 18.11.2010
Die FIFA sperrt zwei Exekutivmitglieder für die WM-Abstimmung.
Die FIFA sperrt zwei Exekutivmitglieder für die WM-Abstimmung. Quelle: dpa
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Mit überraschend milden Strafen für sechs Funktionäre hat der Fußball-Weltverband FIFA auf Korruptionsvorwürfe im Zusammenhang mit WM-Bewerbungen reagiert. Die Ethikkommission der FIFA suspendierte am Donnerstag in Zürich zwei Exekutivmitglieder, die damit am 2. Dezember bei der Vergabe der WM-Endrunden 2018 und 2022 nicht mitabstimmen dürfen. Amos Adamu aus Nigeria wurde für drei Jahre von allen Aktivitäten im Fußball ausgeschlossen, FIFA- Vizepräsident Reynald Temarii aus Tahiti für ein Jahr. Gegen WM- Bewerber wird es dagegen keine Sanktionen geben. Die gemeinsame Kandidatur von Spanien und Portugal und die Bewerbung Katars wurden von sämtlichen Manipulationsanschuldigungen freigesprochen.

Gesperrt wurden außerdem vier ehemalige FIFA-Exekutivmitglieder, die ebenfalls schon suspendiert waren. Die längste Sperre erhielt mit vier Jahren Ismael Bhamjee aus Botsuana, jeweils drei Jahre wurden auch Ahongalu Fusimalohi aus Tonga und Amadou Diakite aus Mali ausgeschlossen. Slim Aloulou aus Tunesien darf sich zwei Jahre lang nicht im Fußball betätigen. Auch dieses Quartett muss jeweils 10 000 Franken Strafe zahlen.

„Der Schaden für den Ruf der FIFA ist sehr groß“, erklärte Claudio Sulser, der Schweizer Chef des sechsköpfigen Ethikkommission, aber ein detaillierter Maßnahmenkatalog zu einem geänderten Wahlmodus oder strikteren Richtlinien für Spitzenfunktionäre wurden nicht präsentiert. Stattdessen bestätigte FIFA-Generalsekretär Jerome Valcke, beide WM-Turniere würden wie geplant am 2. Dezember vergeben. FIFA-Präsident Joseph Blatter will sich erst nach einer Sondersitzung der Exekutive an diesem Freitag in Zürich äußern.

Nur noch 22 statt wie bisher üblich alle 24 Mitglieder der FIFA- Exekutive werden sich jetzt am finalen Votum beteiligen. Adamu und Temarii waren bereits am 22. Oktober suspendiert worden. Adamu wurde zudem mit 10 000 Schweizer Franken (ca. 6500 Euro) bestraft, Temarii muss 5000 Franken zahlen. „Ich bin unschuldig in allen Anklagepunkten, die die Ethikkommission gegen mich vorgebracht hat, und ich lehne die getroffene Entscheidung völlig ab“, teilte der „zutiefst enttäuschte“ Adamu in einer Presseerklärung mit. Temariis Anwältin Geraldine Lesieur betonte, ihr Mandant habe gemischte Gefühle, denn das Wichtigste sei für ihn gewesen, von allen Korruptionsvorwürfen freigesprochen zu werden.

Nach Erhalt der schriftlichen Begründung haben die beiden zehn Tage Zeit, Einspruch zu erheben. Adamu soll dies bereits getan haben. Neben den zwei Berufungsinstanzen der FIFA könnten die Betroffenen auch den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) in Lausanne oder ordentliche Gerichte bemühen, sagte Sulser.

Das Urteil des Ethik-Gremiums bedeutet nicht das Karriere-Ende für die beiden hohen Fußballfunktionäre. Es sei kein lebenslanges Berufsverbot ausgesprochen worden, so Sulser, und die beiden könnten nach Ablauf der Suspendierung wieder ein Amt bekleiden. Das Duo soll nach britischen Medienberichten verdeckt recherchierenden Reportern signalisiert haben, seine Stimmen bei der WM-Vergabe zu verkaufen. Die beiden hätten die Artikel 3 und 14 des FIFA-Ethikcodes verletzt, so Sulser. Unter anderem hätten sie „Angebote nicht klar und deutlich abgewiesen“, sagte er.

Ohne Folgen blieben kolportierte Mauscheleien zwischen der gemeinsamen Kandidatur Spaniens und Portugals sowie den Bemühungen Katars, denen vorgeworfen wurde, Stimmabsprachen getroffen zu haben. Bewerber für 2018 sind England, Russland, Spanien/Portugal und Belgien/Niederlande. Für 2022 bewerben sich die USA, Katar, Südkorea, Japan und Australien. In vier Jahren ist Brasilien WM-Gastgeber.

Wiederholt kritisierte der Chef der Ethikkommission die Medien, vor allem die britische „Sunday Times“, die den Fall ins Rollen gebracht hatte. Er sprach von verfälschten Aussagen und montierten Bildern sowie von sensationslüsternem Verhalten. Auf die Frage, ob das Verhalten der Insel-Medien der britischen Bewerbung schaden könnte, sagte Sulser: „Das kann ich nicht sagen, ich hoffe nicht.“

dpa