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Überregional Keinen Meter Raum für Ronaldo
Sportbuzzer Fußball Überregional Keinen Meter Raum für Ronaldo
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00:21 13.06.2014
Felix Magath sieht die deutsche Elf vor dem Auftritt am Montag im engsten Kreis der Titelfavoriten. Quelle: dpa
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Hannover

Sie befinden sich im Griechenland-Urlaub. Müssen Sie auch mit der Fähre zum Hotel?

Nein, aber Sie spielen auf das DFB-Quartier an. Das Abenteuer gehört doch dazu und, schließlich haben die Jungs doch alle Seepferdchen. Und wenn die Mannschaft überraschend doch einmal zu spät ins Stadion kommt, dann wird halt später angefangen. Da macht die FIFA sicher eine Ausnahme.

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Wie beurteilen Sie die Vorbereitungsphase der Nationalmannschaft?

Ich würde diese Phase nicht so ernst nehmen und uns nicht von Meldungen nervös machen lassen. Wichtiger ist: Die Qualifikation war überragend und die deutsche Mannschaft ist in allen Bereichen mit Topleuten besetzt. Denken sie allein an das Champions-League-Finale 2013 mit Dortmund und Bayern. Da hat die halbe Nationalelf gespielt.

Gegen Polen hat Löw eher die dritte als die zweite Wahl auf den Platz geschickt. War das eher ungeschickt?

Das liegt bei den Verantwortlichen und was die wollen. Viele Stammspieler waren ja auch verletzt.

War die Entscheidung richtig, Angreifer Reus mit Abwehrspieler Mustafi zu ersetzen?

Solche Entscheidungen werden immer heiß diskutiert, aber die Vorstellungen von Löw sind hier entscheidend. Von mir gibt es dafür keine Kritik.

Es ist auffällig, dass viele Stars verletzt sind. Was sind die Ursachen?

Meiner Meinung nach sind die Spiele nicht härter geworden. Und speziell in Deutschland darf keiner die Gegenspieler berühren, da ist ja im NBA-Basketball mehr Kontakt erlaubt. Deutschland hat ohnehin die beste Ausgangsposition, ich denke an die Winterpause und in England und Spanien gibt es auch mehr Spiele als in der Bundesliga.

Und dennoch gibt es viele Verletzte.

Da muss man sich Gedanken machen.

Wie bewerten Sie die Bundesliga im internationalen Bereich?

Die Bundesliga ist gemeinsam mit der Premier League Spitze. Denken Sie allein an das Champions-League-Finale 2013. Auch die deutsche Elf gehört zu den Besten. Mit großem Willen ist alles drin.

Welche Stärken und Schwächen gibt es?

Schwächen? Wir sind auf allen Positionen mit international erfahrenen Spielern besetzt.

Wäre es ein zu hohes Risiko, mit allen angeschlagenen Stars wie Neuer, Lahm, Schweinsteiger, Khedira und auch Klose in die WM zu starten?

Ich sehe allein Khedira als Härtefall an, weil seine schwere Verletzung zum unglücklichsten Moment kam. Eigentlich kann er noch nicht bei 100 Prozent sein.

Ist Löw glaubwürdig, wenn er im Winter ankündigt, nur 100 Prozent fitte Spieler mitzunehmen, und dann diese fünf doch nominiert?

Nein, man muss ja immer Kompromisse machen und die Theorie lässt sich nicht immer in die Praxis umsetzen. Aber die Aussage war schon unglücklich.

Ist der Ausfall von Reus ein Problem?

Nein, denn auf diesen offensiven Positionen haben wir mit Özil, Poldi, Schürrle, Götze und auch Müller etliche Möglichkeiten.

Was sagen Sie zu Götze?

Sein Wechsel nach München hat im Moment noch keine Weiterentwicklung gebracht.

Ein besonderer Fall ist auch Podolski, oder?

Ich habe den Poldi ja auch gehabt. Leider hat er weder im Verein, noch in der Nationalmannschaft sein sensationelles Potenzial ausgeschöpft und wichtige Spiele entschieden.

Ist Klose nicht mit 36 über seinem Zenit?

Klose war immer sehr professionell, insofern bin ich überzeugt, dass er auch jetzt in einem guten Zustand ist. Wenn er seine Stärke – das Kopfballspiel, unterstützt durch gute Flanken – einbringen kann, ist er sehr wertvoll für diese Mannschaft.

Nur ausfallen darf er nicht?

Passiert es doch, wird die Mannschaft ihr Offensivspiel ändern müssen.

Welche taktische Ausrichtung würden Sie gegen Portugal wählen?

Die Taktik ist ja nur ein Punkt, der häufig diskutiert wird. Es wird ein Maß aus allem gefragt sein. Dazu gehören Technik, Laufbereitschaft, Durchsetzungsvermögen und eine Siegermentalität. Jeder muss für den anderen da sein.

Und am Ende entscheidet was?

Das ist Millimetersache.

Wie schätzen Sie die deutschen Gruppengegner ein? Fangen wir mit Portugal an.

Sie sind technisch gut und haben mit Ronaldo ihren Superstar, der ein Spiel allein entscheiden kann. Ihre Spielauffassung ist nicht so diszipliniert, da tun sich Lücken auf. Haben wir erst Ronaldo im Griff, kann uns Portugal schwer schlagen. Ihm dürfen wir keinen Meter Raum lassen.

Ghana?

Hat technisch gute Spieler, ist unberechenbar. Gegen diesen Gegner sollte man nicht in Rückstand geraten. Aber natürlich bewegen sie sich nicht auf taktisch höchstem Level. Erzielen wir ein Tor, ist es fast geschafft.

USA?

Klinsmann hat da sehr gute Arbeit geleistet. Aber sie haben nicht das Niveau von uns oder von Portugal.

Welche sind die Geheimfavoriten?

Es werden immer Belgien, unser möglicher Achtelfinalgegner, und auch Portugal genannt. Ich sehe da noch Uruguay und Chile, die arbeiten können. Wir alle kennen ja Vidal, die haben eine gute Mentalität.

Die Niederlande nicht?

Doch, die habe ich nur vergessen. Bei ihnen macht der ausgezeichnete Trainer viel aus.

Welche ist die stärkste Mannschaft?

Ich sehe da mehrere. Brasilien natürlich. Die Schiedsrichter sind ja auch nur Menschen und werden sicher nicht gegen den Gastgeber pfeifen. Spanien. Italien kann auch Turniere spielen, die treten defensiv auf, können Tore verhindern. Und natürlich Deutschland.

Interview: Uwe Dulias und Peter Mantik

Zur Person

Wolfgang Felix Magath (60): Spielerstationen: 1974 1. FC Saarbrücken (76 Zweitligaspiele/29 Tore), 1976 bis 1986 Hamburger SV (306 Bundesligaspiele/46 Tore); Nationalmannschaft 43 Spiele (3 Tore); Europameister 1980, zweimal Vize-Weltmeister (1982/1986); HSV: 1977 Europapokal des Pokalsieger. Beim 2:0 über Anderlecht erzielt Magath das 2:0; 1983 Europapokal der Landesmeister. Den 1:0-Siegtreffer (8.) gegen Juventus Turin erzielt ebenfalls Magath.

Trainerstationen, u.a.: 1995 bis 1997 HSV, 1997 bis 1998 1. FC Nürnberg, 1998 bis 1999 SV Werder Bremen, 1999 bis 2001 Eintracht Frankfurt, 2001 bis 2004 VfB Stuttgart, 2004 bis 2007 FC Bayern München, 2007 bis 2009 VfL Wolfsburg, 2009 bis 2011 FC Schalke 04, 2011 bis 2012 VfL Wolfsburg, seit 2014 FC Fulham. Magath ist der einzige Coach, dem es zweimal in Folge gelang, das Double aus Meisterschaft und Pokal zu gewinnen (FC Bayern). Im Februar 2014 übernahm er den Tabelllenletzten der englischen Premier League, konnte den Abstieg aber nicht verhindern.

Privates: Er lebt in zweiter Ehe, hat sechs Kinder; Vater Felix stammt aus Puerto Rico; Magath ist Hobby-Schachspieler.

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