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Überregional Frostiger Empfang für DFB-Elf in Kiew
Sportbuzzer Fußball Überregional Frostiger Empfang für DFB-Elf in Kiew
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18:07 10.11.2011
Ron-Robert Zieler beim Training vor dem Abflug nach Kiew. Quelle: dpa
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Hannover/Kiew

Im Endspielstadion von Kiew kann Titeljäger Joachim Löw bei der sehnsüchtig erwarteten Özil-Götze-Premiere schon mal das Siegen für die Europameisterschaft üben. Eine echte Generalprobe für das Turnierfinale am 1. Juli 2012 ist der Test gegen EM-Gastgeber Ukraine aber nur bedingt: Der Gegner um Anatoli Timoschtschuk vom FC Bayern gehört trotz des Heimvorteils im nächsten Jahr nicht zu den Titelfavoriten - und der Bundestrainer wird bei bei seiner streng gehüteten Aufstellungs-Lotterie am Freitag (20.45 Uhr/ARD) eine Elf auf den Rasen schicken, die keine EM-Perspektive besitzt.

«Ich bin immer für Überraschungen gut», meinte Löw am Donnerstag auf dem Flug nach Kiew, wo dem DFB-Tross schon bei der Ankunft bei Temperaturen um den Gefrierpunkt ein eisiger Wind ins Gesicht blies. Gleich nach der Landung konnten Lukas Podolski & Co. schon mal einen Blick auf ihre Gegner werfen, deren Bilder überlebensgroß den Bus zierten, mit dem das DFB-Team am Flugzeug abgeholt wurde.

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In Abwesenheit von Fixgrößen wie Lahm, Neuer, Schweinsteiger und Klose dürfen sich Kandidaten aus der zweiten und dritten Reihe empfehlen, angefangen mit Ron-Robert Zieler. Der 22-Jährige von Hannover 96 soll sich im Tor beweisen, als 50. Debütant in der Ära Löw.

Der Bundestrainer geht personell und taktisch ganz bewusst ins Risiko: «Die Mannschaft ist eingespielt, die Philosophie sitzt, sie ist gefestigt. Wir müssen Experimente machen, und wir können sie uns auch leisten», betonte der Chefcoach. «Bei allem Ehrgeiz für gute Ergebnisse», haben für ihn nach dem Siegeszug in der Qualifikation nun «gute Erkenntnisse» in den Tests in der Ukraine und am kommenden Dienstag in Hamburg gegen den WM-Zweiten Niederlande Priorität.

Ein großes Geheimnis machte der 51-Jährige auch aus der Frage nach dem Aushilfskapitän. Er wolle darüber erst mit den Spielern sprechen, übermittelte Löw. Heißeste Anwärter sind Lukas Podolski und Per Mertesacker - abhängig davon, wer in Kiew spielen wird. Mertesacker ist offenbar nur gegen die Niederlande als Abwehrchef vorgesehen.

Alle 21 mitgereisten Akteure meldeten sich fit. Auch der im Training geschonte Torjäger Mario Gomez könnte sein 50. Länderspiel bestreiten. «Sein Einsatz ist nicht gefährdet», teilte Löw mit.

Die Blicke werden sich ohnehin auf das Mittelfeld konzentrieren, in dem Mesut Özil und Mario Götze Seite an Seite mit dem Ball zaubern dürfen. Platzhirsch Özil, der den offensiveren Part ausüben soll, ist vom Gelingen überzeugt: «Auf jeden Fall, das sieht man auch im Training. Wenn ich mit Mario zusammenspiele, macht das sehr viel Spaß, weil er auch technisch begabt ist», sagte der Real-Star beim verbalen Doppelpass mit dem Dortmunder Ausnahmetalent Götze im Internet-TV des DFB. «Mesut und ich verstehen uns auf dem Platz», konterte der 19-jährige Götze: «Wenn man technisch begabt ist, weiß man die Laufwege, dann fällt es einem umso einfacher.»

Wer im zentralen Mittelfeldtrio für den verletzten Bastian Schweinsteiger den defensiven Abschirmdienst verrichten soll, verriet der Bundestrainer nicht. Er deutete es aber an: «Jetzt muss Sami vielleicht eine etwas defensivere Aufgabe übernehmen, wenn Özil und Götze spielen. Er ist in der Lage, auch organisatorisch diese Aufgabe zu übernehmen. Er ist ein Spieler, der Führungsqualitäten hat.» Khedira selbst rechnet mit einem arbeitsintensiven Abend: «Im Vorbeigehen werden wir dort sicher nicht erfolgreich sein.»

Der Dortmunder Mats Hummels erwartet ein «ähnliches Spiel wie in Polen». Beim EM-Co-Gastgeber der Ukraine kam die DFB-Elf nicht über ein 2:2 hinaus. «Wenn Deutschland kommt, werden die Leute in der Ukraine alles mobilisieren», meinte Löw vor der Länderspiel-Premiere in der umgebauten, 70 000 Zuschauer fassenden Arena.

Im Dunkeln tappt der Bundestrainer bei der Einschätzung des Gegners. Sein Trainerkollege Oleg Blochin experimentierte zuletzt mit immer neuen Formationen. «Ich kann nicht erahnen, mit welcher Mannschaft er antritt», meinte Löw, der den inzwischen 35 Jahre alten Angreifer Andrej Schewtschenko immer noch als «wichtigsten Spieler» beim EM-Gastgeber einordnet. Allerdings muss der Torjäger von Dynamo Kiew, der seine besten Jahre beim AC Mailand erlebte, verletzt aussetzen.

Mit «Begeisterung, Ordnung, Laufstärke und der richtigen Aggressivität» wolle man Paroli bieten, kündigte Deutschland-Kenner Timoschtschuk im «kicker»-Interview an: «Wir werden das Spiel nicht verloren geben, nur weil jetzt Deutschland kommt.»

dpa

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