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Überregional Wird Wolfsburg die neue Fußball-Großmacht?
Sportbuzzer Fußball Überregional Wird Wolfsburg die neue Fußball-Großmacht?
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07:37 24.01.2014
Von Heiko Rehberg
Ein Fall für zwei: Dieter Hecking (l.) und Klaus Allofs haben mit dem VfL Wolfsburg Erfolg. Quelle: dpa
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Wolfsburg

Jahrelang haben sie sich beim VfL Wolfsburg genau das gewünscht: dass alle in der Fußball-Bundesliga über sie reden. Doch trotz des sensationellen Meistertitels 2009 wurde Wolfsburg von Fans und Medien weitgehend ignoriert. Spiele mit Beteiligung des VfL sind bei den Kunden des Bezahlfernsehsenders „Sky“ fast immer die unbeliebtesten. Und das soll der Verein sein, der dem FC Bayern München in Zukunft auch mal die Schale wegschnappen kann? Genau das glaubt kein Geringerer als der „Kaiser“: „Langfristig – also in den nächsten zehn Jahren – kann ich mir vorstellen, dass die Wolfsburger nicht nur Dortmund überholen, sondern auch den Bayern mal den Meistertitel wegschnappen“, hat Franz Beckenbauer vor dem Rückrundenstart gesagt.

Plötzlich ist Wolfsburg ein großes Thema in der Bundesliga, aber Beckenbauer hat den VfL, morgen Gastgeber für Hannover 96, damit in ein Licht gerückt, das den Verantwortlichen aus nachvollziehbaren Gründen dann auch wieder nicht gefallen kann. Als Bayern-Jäger erreicht man eine verdammt hohe Fallhöhe ...

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Klaus Allofs, VfL-Geschäftsführer Sport, geht das erwartungsgemäß alles „zu schnell“. Sein Klub startet als Tabellenfünfter in den zweiten Teil der Saison, an deren Ende ein Europa-League-Platz wahrscheinlich ist, die Champions-League-Qualifikation durchaus möglich. Aber Bayerns größter Konkurrent? Allofs verweist gerne darauf, dass Wolfsburg vor einem Jahr noch gegen den Abstieg gespielt hat. „Jetzt sollen wir Bayern und Dortmund angreifen – genau diese Sprünge zwischen den Extremen wollen wir nicht“, sagt Allofs.

Sieht man vom eher zufälligen Meisterjahr ab, beginnt Wolfsburg gerade erst, mit Sinn und Verstand etwas aus seinen erstklassigen wirtschaftlichen Möglichkeiten zu machen. Und auch wenn Allofs und Trainer Dieter Hecking diesen Satz so nie unterschreiben würden, darf man die Verpflichtung von Kevin de Bruyne durchaus als Wolfsburger Muskelspiel bewerten, das die Konkurrenz beeindrucken soll. Transfers in der 20-Millionen-Euro-Dimension waren in der Bundesliga bislang dem FC Bayern vorbehalten.

Angekommen ist die Botschaft. „Dass Wolfsburg eine richtige Macht werden kann, ist allen klar“, sagt Dortmunds Trainer Jürgen Klopp: „Wenn VW richtig die Dose öffnet, wird es für alle anderen ungemütlich.“ In der Vergangenheit konnten die anderen Vereine relativ sicher sein, dass der VfL entweder auf Trainerideen wie Pierre Littbarski, Klaus Augenthaler, Steve McClaren oder Holger Fach kam, die von vornherein zum Scheitern verurteilt waren. Oder dass das viele Geld von Felix Magath in unzählige Transfers gesteckt wurde, hinter denen kein wirkliches Konzept stand.

Noch im Dezember 2012 schien der VfL wieder in eine Sackgasse zu steuern. Als Trainer lief alles auf Bernd Schuster hinaus. „Herr Allofs, überlegen Sie sich das noch mal!“, titelte damals die „Wolfsburger Allgemeine Zeitung“ und traf damit den Nerv vieler Leser und Fans, sodass Schuster am Ende nicht durchsetzbar war und Hecking das Rennen machte. Ein Glücksfall für den Verein.

Hecking ist vom Typ dem langjährigen Bremer Trainer Thomas Schaaf sehr ähnlich: ruhig, etwas knorrig, gelassen. Mit Hecking kann Allofs arbeiten wie mit Schaaf in besten Bremer Zeiten, sie passen gut zueinander, was bei Trainer und Manager keine Selbstverständlichkeit ist.

Hecking ist keiner, der nach einem Satz wie dem von Beckenbauer große Töne spuckt. „Man sieht, dass Wolfsburg auf einem guten Weg ist“, sagt er. Seine Wünsche für das neue Jahr? Hecking möchte, dass „die erfolgreiche Zusammenarbeit, wie sie sich jetzt darstellt, bemerkt wird“. Und er persönlich möchte abnehmen, „ein, zwei Kilo wären wie immer gut“. Sagt Hecking, Trainer eines Klubs, den die Konkurrenz als künftiges Schwergewicht ansieht.

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