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Überregional "Wir erwarten keine Fan-Gesänge und La-Ola"
Sportbuzzer Fußball Überregional "Wir erwarten keine Fan-Gesänge und La-Ola"
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15:07 16.11.2015
Bundestrainer Joachim Löw bei der Pressekonferenz.
Bundestrainer Joachim Löw bei der Pressekonferenz in Barsinghausen. Quelle: Peter Steffen
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Barsinghausen

Jogi Löw bekannte zu Beginn der Pressekonferenz, dass es ihm nach der "entsetzlichen, schockierenden, fürchterlichen Nacht" wieder ganz gut gehe. Er habe sich da schon gefragt, ob es nichts Wichtigeres gebe als Fußball. Nach der Landung in Frankfurt habe er das Gefühl gehabt, dass das Länderspiel gegen die Niederlande nicht stattfinden sollte. Man habe sich aber entschieden, erst einmal eine Nacht darüber zu schlafen. Und dann entschieden zu spielen: Von der Partie solle eine "klare Botschaft für Freiheit und Demokratie" ausgehen. Löw wirkte bei der Pressekonferenz sehr ernst. 

Am Dienstag spielt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gegen die Niederlande in Hannover. In Barsinghausen haben sie im "Sporthotel Fuchsbachtal" ihr Quartier - unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen.

Teammanager Oliver Bierhoff bekannte, dass es am Tag nach dem Frankreich-Spiel bald schlimmer gewesen sei als am Abend selbst. Schon in der Kabine und am Tag danach sei den Spielern anzusehen gewesen, dass sie nach den Geschehnissen nicht an Fußball dachten. 

Löw sagte, dass die Spieler für die Werte der Demokratie antreten würden. Dass einige Spieler nun nicht mehr bei dem Spiel gegen die Niederlande dabei seien, hätte aber nichts mit den Ereignissen zu tun. Das sei bereits vorher abgesprochen gewesen. Jerome Boateng und Jonas Hector seien zudem angeschlagen und würden deshalb nicht spielen.

Es wird eine symbolische Aktion geben

Oliver Bierhoff bestätigte, dass die Sicherheitsvorkehrungen erhöht worden seien, die bereits am Morgen mit Spürhunden durch das Hotel Fuchsbachtal gegangen seien. Auch für das Spiel am Dienstag werde es erhöhte Sicherheitsvorkehrungen geben, sodass die Partie für alle Zuschauer sicher werde. Details zum Konzept der Polizei wollte er nicht nennen. Löw ergänzte, dass er keine Fan-Gesänge, La-Ola-Wellen und keine Party erwarte.

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Bierhoff kündigte an, dass es vor dem Abpfiff eine symbolische Aktion geben werde, mit der die Mannschaft ihre Verbundenheit mit Frankreich ausdrücken wolle. Was genau, könne er noch nicht sagen. SPD-Chef Sigmar Gabriel hatte vorgeschlagen, wenn vor dem Spiel als Zeichen der Verbundenheit mit Frankreich und Paris die Marseillaise gespielt wird.

Löw bekannte, dass es schwierig sein werde, den Spagat zwischen den Terroranschlägen und Spiel gegen die Niederlande zu schaffen. Die Bewertung des Spiels trete aber in den Hintergrund. Es werde "kein Test mehr Richtung EM" sein. Er werde auch weiter mit dem Spielern über das Erlebte sprechen. "Trotzdem muss man den Blick nach vorne richten." Er werde am Nachmittag mit dem Team-Psychologen sprechen und überlegen, was noch nötig sei.

Lob für die französische Mannschaft

Er lobte nochmals das Verhalten der französischen Nationalmannschaft vom Freitagabend: Das Team habe zugesagt, so lange im Stadion zu bleiben wie die deutsche Nationalmannschaft auch im Stadion sei. Ihnen seien sogar Zimmer im Hotel der Equipe Tricolore in Clairefontaine angeboten worden. Das zeige das besondere Verhältnis der beiden Nationen zueinander. 

Bierhoff sagte, dass nun das Thema Flüchtlinge wieder aufkommen werde. Dabei sei das Thema Integration gerade im Sport wichtig, in der Mannschaft werde das gelebt, man müsse da nur an Spieler wie Sami Khedira und Mesut Özil denken.

Über Fußball und die sportlichen Belange zur Partie wurde bei der Pressekonferenz allerdings nicht geredet. Niemand stellte die Frage, ob Ron-Robert Zieler von Hannover 96 vor heimischem Publikum zu einem Einsatz kommt. Außer den beiden Spielerausfällen thematisierte Löw die Aufstellung für die Partie gegen die Niederlande gar nicht.

Keine Straßensperren am Dienstag

Bei der Pressekonferenz von Innenminister Boris Pistorius und Polizeipräsident Volker Kluwe wurde bekannt, dass für das Länderspiel bisher 31.000 Eintrittskarten verkauft worden sind. Die Einlasskontrollen für das Spiel werden wie immer vom Stadionbetreiber organisiert, allerdings wird es dafür Verstärkung geben. Straßensperrungen in Hannover sind zum Spiel nicht zu erwarten. Weitere Veranstaltungen in Hannover sind nicht in das Sicherheitskonzept einbezogen, sagte Kluwe.

Sicherheitsvorkehrungen leicht verstärkt

Vor dem Teamquartier der deutschen Fußball-Nationalmannschaft in Barsinghausen herrschen am Montag leicht verstärkte Sicherheitsvorkehrungen. Die Zufahrt zur Sportschule ist rund 150 Meter vor dem Gebäude mit rot-weißen Plastikbarrieren abgesperrt. Polizisten kontrollieren Autofahrer, die auf den Parkplatz fahren wollten. Der schwarze Mannschaftsbus mit der Weltmeister-Aufschrift parkt vor dem Quartier.

Teammanager Oliver Bierhoff ist bereits am Morgen eingetroffen. Ein älterer Anwohner, der schon viele Nationalteams hier gesehen hat, sagt: "Das habe ich noch nicht erlebt. Schlimm!"

sbü/ez/dpa

19.11.2015
16.11.2015