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Überregional Rassismus – völlig Banane!
Sportbuzzer Fußball Überregional Rassismus – völlig Banane!
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16:39 29.04.2014
Mit diesem Foto fing es an: Fußball-Weltstar Neymar postete auf Instagram ein Foto, auf dem er und sein Sohn Bananen zu sehen sind. Quelle: Screenshot/Instagram.com
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Hannover

Die Bananen-Attacke auf Barcelonas Profi Dani Alves und dessen Reaktion darauf hat in den sozialen Netzwerken für viel Resonanz gesorgt. Der Verteidiger des spanischen Fußball-Meisters war am Sonntag im Spiel beim FC Villarreal (3:2) bei einem Eckball von der Tribüne aus mit einer Banane beworfen worden. Er unterbrach seinen Anlauf, hob die Frucht auf, schälte sie und konterte die rassistische Beleidigung mit einem Biss in die Banane, wie auf Videoaufnahmen zu sehen ist. "Ich nehme das als Witz. Man muss diese Zurückgebliebenen einfach auslachen", sagte der 30-jährige Nationalspieler nach dem Abpfiff.

Bei Twitter, Facebook und Instagram solidarisierten sich viele mit Alves unter dem Schlagwort #WeAreAllMonkeys.

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Sogar Brasiliens Staatspräsidentin Dilma Rousseff meldete sich zu Wort. Rousseff lobte auf Twitter die "kühne Reaktion" ihres Landsmannes und ließ wissen: "Brasilien tritt bei der WM für die Bekämpfung der Rassendiskriminierung ein." Auch der italienische Nationalcoach Cesare Prandelli und Italiens Premierminister Matteo Renzi zeigten sich solidarisch – indem sie gemeinsam eine Banane aßen. Die von Fotografen festgehaltene Geste entstand bei einem Treffen im Regierungssitz, an dem sich auch der Chef des italienischen Fußballverbands FIGC, Giancarlo Abete, und der Präsident von Italiens Olympischem Komitee (CONI), Giovanni Malagó, beteiligten. Auch Abete und Malagó verurteilten den Rassismus-Vorfall in Spanien.

Vor allem in Alves' Heimat wurden die sozialen Netzwerke von Solidaritätsbekundungen überflutet. Hunderte machten es Fußball-Weltstar Neymar nach und veröffentlichten Bananenbilder. Der Teamkollege und Landsmann von Alves, der in Villarreal wegen Verletzung nicht auf dem Platz stand, hatte als einer der ersten reagiert. Er postete auf Instagram ein Foto, auf dem er und sein Sohn jeweils mit einer echten und einer Plüschbanane zu sehen sind, sowie ein Video gegen Rassismus und den Aufruf: "Wir sind alle Affen, wir sind alle gleich. Nein zu Rassismus!"

Neben dem Brasilianer Roberto Carlos, der sich mit einer Banane ablichten ließ und das Foto bei Facebook hochlud, posteten der argentinische Stürmer Sergio Aguero von Manchester City und die brasilianische Starspielerin Marta ihre Solidaritätsbekundung bei Twitter.

Auch Leonardo Bittencourt, Profi von Hannover96, twitterte am Dienstag ein entsprechendes Bild.

In Liverpool bezogen die Spieler Philipe Coutinho und Luis Suarez mit einem Bild Stellung, das die BBC verbreitete.

Der ivorische Profi Boubacar Sanogo, der bei Energie Cottbus unter Vertrag steht, postete am Dienstag ein Bild bei Twitter, das ihn mit einer Banane zeigt.

Auch die Sky-Moderatoren Ursula Hoffmann und Noah Pudelko veröffentlichten bei Twitter einen Solidaritäts-Post an Alves

Der frühere englische Nationalspieler Gary Lineker lobte bei Twitter: "Total brillante Reaktion von Alves. Behandelt die rassistischen Trottel mit Verachtung." Ebenso erklärten sich der FC Barcelona und der spanische Fußball-Verband RFEF mit dem Sportler solidarisch. "Barcelona ist für Respekt und sagt Nein zum Rassismus", hieß es in einer Mitteilung auf der Clubhomepage. RFEF-Präsident Ángel María Villar erklärte: "Der spanische Fußball ist gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit." Dem Rassismus auf den Tribünen der Primera División begegnet Alves mit Gelassenheit, aber auch mit Resignation. "Ich spiele schon elf Jahre in Spanien, und es ist immer das Gleiche. Das werden wir auch nicht ändern. Am besten ignoriert man so etwas, dann können die ihr Ziel nicht erreichen", sagte er.

Mit zwei Flanken verursachte Alves am Sonntag zwei Eigentore des Gegners. Erst in den vergangenen Wochen waren in der Liga Spieler wie Paulao (Betis) oder Nyom (Granada) während Auswärtsbegegnungen ihrer Teams von gegnerischen Fans mit rassistischen Gesängen beleidigt worden.

frs/dpa/sid

Christian Purbs 28.04.2014
27.04.2014