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Überregional Fußballfans und Funktionäre sprechen über Einsatz von Pyrotechnik
Sportbuzzer Fußball Überregional Fußballfans und Funktionäre sprechen über Einsatz von Pyrotechnik
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16:33 14.01.2012
Von Patrick Hoffmann
„Ich habe meine Zweifel, ob das zur Fankultur gehört“: Fans zünden bengalische Feuer. Quelle: dpa
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Hannover

Das Kosmos an der Karl-Marx-Allee in Berlin war einmal das größte Lichtspielhaus der DDR. Jahrzehntelang waren hier die großen Filmpremieren gezeigt worden, darunter die Vorstellung „Abschied“, die Walter Ulbricht 1968 erbost verlassen haben soll. Nach der Wende wurde das Kosmos aufwendig renoviert und in ein modernes Multiplexkino verwandelt. 2005 war dann Schluss mit dem Kinobetrieb, seitdem wird der Kulturbau als Veranstaltungszentrum genutzt, in dem sich an diesem Wochenende Fußballfans aus ganz Deutschland zum Kongress treffen.

Der Ort ist also ganz gut gewählt. Denn was sich momentan zwischen Fangruppen und Fußballfunktionären abspielt, ist wirklich großes Kino. Es geht um das Abbrennen von Pyrotechnik im Fanblock. Für die Ultras gehören bengalische Feuer zum Fußball wie Popcorn zu einem guten Kinofilm. Die Klubs sehen es anders. „Wir sind ohne Wenn und Aber dagegen“, sagt zum Beispiel Martin Kind, Klubchef von Erstligist Hannover 96. „Das Ganze ist in der Tat gefährlich, und ich habe meine Zweifel, ob das wirklich zur Fankultur gehört.“

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Mit solchen Aussagen hat sich Kind schon früher wenig Freunde im Fanlager gemacht, aber immerhin haben die Ultras an diesem Wochenende die Gelegenheit, dieses Thema persönlich mit dem hannoverschen Unternehmer auszudiskutieren. Kind ist beim Kongress zu Gast, und er betont, gerne als Redner in zwei der diversen Arbeitsgruppen zugesagt zu haben. „Kritisieren allein reicht nicht, man muss auch Flagge zeigen“, sagt Kind, „ich hoffe, dass die Fanvertreter erkennen, dass wir immer gesprächsbereit sind und auch seriös zuhören.“

Genau dieses Gefühl, beklagen die Fans, hätten sie zuletzt aber eben nicht gehabt. Im Gegenteil. Sie fühlen sich von den Vereinen und dem Verband hintergangen. Im Januar 2011 hatten sich Vertreter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der Deutschen Fußball-Liga (DFL) und der Fanklubs schon einmal getroffen, und damals hatte der DFB offenbar allzu große Hoffnungen auf eine Legalisierung von bengalischem Feuer im Stadion geweckt. DFB und DFL haben dieses angebliche Versprechen öffentlich stets bestritten, woraus die Ultras wiederum abgeleitet haben, in dieser Saison so extrem wie nie zuvor zündeln zu müssen.

In dieser Woche haben DFB und DFL  immerhin Fehler in der Kommunikation eingeräumt. Das war ein erster Schritt,  viel mehr Annäherungsversuche sollten die Fans beim Kongress jedoch nicht erwarten. „Höchster Sicherheitsanspruch und der Einsatz von Pyrotechnik im Stadion sind nicht vereinbar, da gibt es keinen Spielraum“, sagt der DFB-Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Lefert. Und der Geschäftsführer der DFL, Holger Hieronymus, betont: „Wir sprechen weiter mit den Fangruppen, aber nicht über Pyrotechnik.“

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