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Überregional „Das wird Nagelkauen vom Feinsten“
Sportbuzzer Fußball Überregional „Das wird Nagelkauen vom Feinsten“
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00:21 17.05.2014
Von Patrick Hoffmann
Lotto King Karl, als Gerrit Heesemann in Hamburg geboren, ist ein Musiker sowie TV- und Radiomoderator. Seit 2005 ist der 47-Jährige Stadionsprecher beim HSV.
Lotto King Karl, als Gerrit Heesemann in Hamburg geboren, ist ein Musiker sowie TV- und Radiomoderator. Seit 2005 ist der 47-Jährige Stadionsprecher beim HSV. Quelle: imago
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Hamburg

Lotto King Karl, wie ist die Stimmung in Hamburg vor den beiden Relegations­spielen gegen Fürth?

Die Stadt steht hundertprozentig hinter dem Verein.

Die ganze Stadt?

Na ja, es gibt da noch diesen anderen Verein in Hamburg, und da verfolgt der eine oder andere die Geschehnisse beim HSV sicher mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Aber selbst die kommen mittlerweile zu mir und sagen, dass sie dem HSV die Daumen drücken. Keiner will, dass die Stadt Hamburg nicht mehr in der Bundesliga vertreten ist. Nicht mal die, die sich nur gelegentlich mit Fußball beschäftigen.

Und mit welchem Gefühl gehen Sie in die Relegationsspiele?

Das wird wieder Nagelkauen vom Feinsten. Ich bin total angespannt und habe auch ein bisschen Angst. Ich kann kaum schlafen. Die Abstiegssorgen belasten mich physisch und psychisch. So geht’s wahrscheinlich allen Fans vom HSV. Aber man muss ja auch mal das Gute an der Sache sehen: Wenigstens haben wir noch die Chance, uns zu retten.

Immerhin.

Die Saison wird dadurch nicht besser, das ist doch klar. Aber wir haben jetzt noch diese Chance, und das gegen einen Gegner, der theoretisch fünf Tabellenplätze hinter uns steht. Natürlich gibt es viele, die sagen: Der HSV ist ja nur in der Relegation, weil die anderen auch verloren haben …

Stimmt ja auch.

Schon. Aber Fakt ist doch: Die 34 Spieltage sind rum, und am Ende waren tatsächlich zwei Mannschaften noch erfolgloser als wir. Wir haben die Relegation erreicht, obwohl wir die letzten fünf Spiele verloren haben. Wir haben uns diese Chance also in den Spielen zuvor erarbeitet, auch wenn mir dieser Satz schwer über die Lippen geht. Denn man hatte nicht immer den Eindruck, dass hier viel gearbeitet wurde.

Genau das muss Sie als Fan doch wahnsinnig gemacht haben?

Ja, diese Saison war fürchterlich. Sie ist es immer noch. Und das ist auch für mich als Stadionsprecher schlimm. Ich sage doch lieber HSV-Tore an, statt Niederlagen abzumoderieren. Aber jetzt fangen wir gegen Fürth halt alle noch einmal bei null an. Jetzt zählt nur das Heimspiel, und da muss ein Orkan von den Rängen kommen. Die Leute müssen sich die Kehle aus dem Hals schreien und die Mannschaft anfeuern. Auch wenn’s vielleicht mal schwerfällt. Den Rest muss die Mannschaft alleine schaffen.

Dass die Mannschaft gegen Fürth gewinnen kann, hat sie in dieser Saison ja schon bewiesen.

Genau, in der 2. Runde des DFB-Pokals. Da haben wir 1:0 gewonnen.

Der ehemalige Fürther Rachid Azzouzi, heute Sportchef beim FC St. Pauli, sieht den Zweitligisten jetzt mental im Vorteil.

Rachid hat lange Zeit in Fürth gespielt, es ist okay, dass er das sagt. Ich werde jetzt nichts Schlechtes über Fürth sagen. Aber es ist nun mal so, dass sie in den letzten Wochen noch von Paderborn abgefangen wurden. Das ist nicht unbedingt ein mentaler Vorteil. Und bei allem Respekt: Ich glaube, dass die Fürther hier in Hamburg eine Kulisse erleben werden, die sie aus der 2. Liga nicht gewohnt sind. Hier wird die Hölle los sein.

Und was ist im Rückspiel? Das findet auswärts statt, und auswärts hat Mirko Slomka als Trainer seit Ewigkeiten keinen Punkt mehr geholt.

(überlegt) Das stimmt. Aber das letzte Auswärtsspiel, das er gewonnen hat, war in Fürth (mit Hannover 96 am 26. April 2013, d. Red.). Insofern ist Fürth für Mirko das Paradies. Das darf aber auch gar nicht zählen. Fakt ist doch: Als Bundesligist kannst du doch gegen gar keine schwächere Mannschaft spielen als gegen eine, die gar nicht in der Bundesliga spielt. Bei allem Respekt für Fürth, aber wir spielen nicht gegen die Bayern. Das muss der HSV einfach schaffen. Und das muss auch das Selbstverständnis der Spieler sein.

Apropos Selbstverständnis. Paderborn in Liga 1, der HSV in Liga 2? Das geht für einen stolzen Hamburger doch gar nicht, oder?

Ich kann mir vorstellen, dass einige Leute so denken. Aber das ist jetzt völlig unangebracht. Wer jetzt beim Gedanken an Paderborn die Nase rümpft, der hat nicht begriffen, was die vergangenen Monate über uns hineingebrochen ist. Diese Relegationsspiele sind ja das Ergebnis einer Entwicklung. Sie zeigen, was in Hamburg in der Vergangenheit alles nicht so gut gemacht worden ist. Wir müssen die beiden Spiele jetzt irgendwie so über die Bühne bekommen, dass wir in der Bundesliga bleiben. Und dann müssen alle hier im Verein, auch die Fans, die richtigen Lehren ziehen.

Sie machen aber auf jeden Fall als Stadionsprecher weiter, auch wenn’s in die 2. Liga geht, oder?

Na klar. Und egal, was in den beiden Relegationsspielen passiert: Am Montagmorgen stehe ich auf und bin immer noch Fan vom HSV.

Interview: Patrick Hoffmann

Das müssen Sie zur Relegation wissen:

  • Wann beginnt das Hinspiel heute in Hamburg? Anpfiff in der Arena ist um 20.30 Uhr, Schiedsrichter ist Felix Zwayer.
  • Ist der Erstligist immer Favorit? Die Erstligisten haben sich bei den bisherigen 15 Relegationen zehnmal behauptet, nur fünfmal setzte sich der Zweitligist durch. Seit Wiedereinführung der Relegation 2009 gab es drei Erfolge für Bundesligisten und zwei für Zweitligisten. Im vergangenen Jahr setzte sich der Bundesliga-16. 1899 Hoffenheim gegen den 1. FC Kaiserslautern durch.
  • Wer geht mit dem größeren Selbstvertrauen ins Spiel? Eindeutig die Franken. Sie haben von ihren jüngsten 14 Partien lediglich eine verloren, verfügen mit 64 Toren über die beste Offensive der 2. Liga – und haben vor rund drei Monaten ihr bisher letztes Auswärtsspiel verloren. Ganz anders die Hamburger: Zuletzt gab es fünf Niederlagen am Stück, sie haben mit 75 Gegentoren unter allen 56 Teams in den drei Profiligen die löchrigste Defensive. Dazu haben sie in fremden Stadion neunmal in Folge verloren, unter Trainer Mirko Slomka immer. Der HSV muss also vorlegen. Sportchef Oliver Kreuzer fordert sein Team auf, ein Gegentor partout zu vermeiden. Da spricht eine Menge Respekt vor dem Rückspiel mit.
  • Fällt die Entscheidung über Aufstieg oder Klassenerhalt auf jedem Fall am Sonntag im Rückspiel in Fürth? Zwischen 1982 und 1991 wurde bei Gleichstand nach Hin- und Rückspiel ein drittes Spiel fällig. Dreimal (1986, 1988, 1991) gab es dieses Spiel auf neutralem Platz. Da im Jahr 1988 zwischen Erstligist Waldhof Mannheim und Zweitligist Darmstadt 98 keine Entscheidung (0:0) gefallen war, traten die Schützen erstmals in der Relegation zum Elfmeterschießen an. Mannheim blieb mit einem 5:4 erstklassig. Seit 2009 wird bei Gleichstand eine Entscheidung durch Elfmeterschießen im Relegationsrückspiel gesucht.
  • Sind die Spiele im TV zu sehen? Ja, beide Spiele werden live von der ARD im frei empfangbaren Fernsehen gezeigt. Heute beginnt die Übertragung um 20.15 Uhr. Kommentator ist Gerd Gottlob. Am Sonntag beim Rückspiel in der Fürther Trolli-Arena startet die Übertragung bereits um 16.50 Uhr; Anstoß ist um 17 Uhr.

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