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Überregional Neustart beim HSV – aber mit wem?
Sportbuzzer Fußball Überregional Neustart beim HSV – aber mit wem?
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22:31 19.05.2014
Von Stefan Knopf
Kommt die Strukturreform, dürfte Sportchef Oliver Kreuzer (l., mit Mirko Slomka) beim HSV keine Zukunft mehr haben.
Kommt die Strukturreform, dürfte Sportchef Oliver Kreuzer (l., mit Mirko Slomka) beim HSV keine Zukunft mehr haben. Quelle: dpa
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Hamburg

War es die Einsicht, dass es keinen Grund für eine Sause gab? Oder einfach die pure Erschöpfung? Jedenfalls stießen die Fußballer des Hamburger SV auf dem Heimflug mit ein paar Flaschen Bier auf den glücklichen Klassenerhalt an, eine ausgelassene Party entwickelte sich aber nicht. „Am Ende müssen wir einfach nur dankbar sein, dass wir mit zwei blauen Augen aus der Saison gekommen sind“, sagte Marcell Jansen, Mitspieler Dennis Diekmeier formulierte seine Gedanken mit den grenzwertig druckfähigen Worten: „Das war eine harte, beschissene Saison.“

Am Montag traf sich die Mannschaft noch einmal zu einem gemeinsamen Frühstück in Hamburg, anschließend begann für die Spieler der Urlaub, sofern sie nicht mit ihren Nationalmannschaften zur WM reisen. Nicht jeder der Profis wird nach der Sommerpause zum HSV zurückkehren, denn auf die Verantwortlichen des Bundesligisten wartet viel Arbeit. Die Mannschaft soll ein neues Gesicht bekommen, der Verein muss seine Strukturen ändern. Ein Überblick über die größten Fragezeichen.

Was geschieht auf der Mitgliederversammlung am Sonntag?
Am Sonntag will die Initiative „HSVPlus“ unter Führung des früheren Aufsichtsratsvorsitzenden Ernst-Otto Rieckhoff erreichen, dass die Profifußball-Abteilung des HSV aus dem Verein ausgegliedert wird, wie es inzwischen bei den meisten Bundesligisten der Fall ist. Die Hoffnung: Das könnte den Klub interessant machen für Investoren. Unumstritten ist das Projekt nicht. Inzwischen hat sich eine weitere Gruppe unter dem Namen „HSV-Allianz“ gefunden, angeführt vom früheren Klubchef Jürgen Hunke und dem einstigen Nationalspieler Manfred Kaltz. Auch diese Gruppe befürwortet eine Ausgliederung in eine Aktiengesellschaft, warnt aber davor, dass der Verein zu viel an Einfluss verliert und der Klub letztlich sogar die Markenrechte aufgeben könnte. Es dürfte also heftiger diskutiert werden am Sonntag.

Wie ist die finanzielle Lage?
Mehr als angespannt. Medienberichten zufolge summieren sich die Verbindlichkeiten des Klubs auf rund
100 Millionen Euro. Um die Lizenz von der Deutschen Fußball-Liga (DFL) zu bekommen, muss der HSV laut „Hamburger Abendblatt“ rund vier Millionen Euro an Liquidität nachweisen. Übermorgen müssen die Unterlagen der DFL vorliegen.

Was bedeutet das für die Mannschaft?
Der HSV muss dringend Spieler verkaufen. Großverdiener wie Rafael van der Vaart müssen von der Gehaltsliste verschwinden, um Ausgaben und Einnahmen wieder halbwegs ins Gleichgewicht zu bringen. Der Vertrag des Niederländers läuft noch bis 2015, was dem HSV bei einem Verkauf noch ein bisschen Ablöse in die Kasse bringen würde. Problem: Nach dieser Saison stehen die Interessenten für einen wie van der Vaart, der auch noch als außerordentlich verletzungsanfällig gilt, nicht gerade Schlange. Ähnliches gilt auch für Marcell Jansen oder Heiko Westermann, die ebenfalls noch bis 2015 an die Hanseaten gebunden sind, aber keinen Neuanfang verkörpern.

Und die Hoffnungsträger in dieser Saison, Pierre-Michel Lasogga und Hakan Calhanoglu?
In Lasoggas Fall ist die Sache einfach. Der Stürmer, der das entscheidende HSV-Tor am Sonntag in Fürth schoss, kehrt zu Hertha BSC zurück, der Leihvertrag ist mit Saisonende ausgelaufen. Ob die Berliner, die nach dem Verlust von Adrian Ramos (zu Borussia Dortmund) selbst dringend einen treffsicheren Stürmer benötigen, mit Lasogga planen oder ihn verkaufen würden, ist derzeit offen. Allerdings dürfte seine Ablöse für den HSV ohnehin zu teuer sein. Der Fall Calhanoglu ist etwas komplizierter. Die Hamburger würden ihre neue Mannschaft gerne um den 20-Jährigen herum aufbauen. „Hakan bleibt definitiv“, sagt 

HSV-Sportchef Oliver Kreuzer, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Zwar hat Calhanoglu seinen Vertrag in Hamburg vor nicht allzu langer Zeit bis 2018 verlängert, doch sein Berater posaunte bereits kurz vor den Relegationsspielen gegen Fürth ungeniert den Wechselwunsch des Mittelfeldspielers zu Bayer Leverkusen hinaus. Eine Saison mit Champions-League-Spielen erscheint Calhanoglu offenbar reizvoller als ein ungewisser Neuaufbau beim HSV. Tendenz: Eine Ablösesumme in zweistelliger Millionenhöhe könnte der HSV angesichts seiner finanziellen Probleme wohl kaum ausschlagen.

Wer stellt die Mannschaft für die neue Saison überhaupt zusammen?
Das wird zu einem wesentlichen Teil von der Mitgliederversammlung am Sonntag abhängen. Kommt die Strukturreform, dürfte Sportchef Oliver Kreuzer beim HSV keine Zukunft haben. Wunschkandidat als neuer starker Mann ist Dietmar Beiersdorfer. Der frühere Sportdirektor der Hamburger ist als neuer Klubchef im Gespräch. Allerdings ist Beiersdorfer noch bis 2015 an den russischen Erstligisten Zenit St. Petersburg gebunden. Problem dabei: Solange über die künftige Struktur nicht entschieden ist, werden auch die Verhandlungen mit den Spielern zu einer Hängepartie.

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