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Überregional HSV verkauft Teile der Fußballsparte
Sportbuzzer Fußball Überregional HSV verkauft Teile der Fußballsparte
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04:16 28.05.2014
Von Heiko Rehberg
Foto: Den bisherige Vorstandsvorsitzende Carl Jarchow soll nun Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer ersetzen.
Der ehemalige Hannover-96-Trainer hat ein hartes Saisonfinale als Coach des HSV hinter sich. Nach der Abstimmung können Anteile an der ausgegliederten Fußballsparte an Investoren verkauft werden. Quelle: Axel Heimken
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Hamburg

Beim Hamburger SV wird alles anders. Der Fußball-Bundesligist ist jetzt eine Aktiengesellschaft und nicht mehr kein Bestandteil des 33 Sparten umfassenden Gesamtvereins. 86,9 Prozent der anwesenden 9702 Mitglieder stimmten gestern bei der Versammlung im Stadion für die Ausgliederung, nur 13,1 Prozent waren dagegen. Gereicht hätten für HSV Plus bereits 75 Prozent. „Ich bin überwältigt“, sagte Ernst-Otto Rieckhof, Initiator von „HSVPlus“ und meinte: „Es ist nicht nur feiern angesagt, es ist auch Demut dabei.“

Die Fußball-AG HSV öffnet sich damit für Investoren. Einer ist Milliardär Klaus-Michael Kühne. Er will nach eigenem Bekunden rund 20 Millionen Euro in den Verein stecken. Andere Anteilskäufer werden gesucht. Vorerst maximal 24,9 Prozent am AG-Besitz sollen veräußert werden. „Wir wollen keine Investoren, die es auf Finanzrendite abgesehen haben“, sagte Joachim Hilke, Mitglied des alten Vorstandes und Kandidat für den neuen zweiköpfigen AG-Vorstand. Nach der katastrophalen Saison mit dem Beinahe-Abstieg des einstigen Europacup-Siegers war die Bereitschaft der Fans zugunsten der Ausgliederung gestiegen. Bereits vier Monate zuvor bei der Auswahl eines künftigen Konzeptes hatte „HSVPlus“ mit 79,4 Prozent die Mehrheit erhalten. Eine Fraktion um Aufsichtsrat Jürgen Hunke hatte bis zuletzt versucht, „HSVPlus“ zu verhindern. „Das ist fast wie eine Beerdigung“, sagte Hunke.  Doch die anwesenden Mitglieder feierten alle Beiträge für „HSVPlus“ frenetisch, kritische Worte wurden niedergepfiffen. Nach der schlechtesten Saison in der HSV-Geschichte waren Fans und Mitglieder zum tiefgreifendsten Umbruch in der 127-jährigen Geschichte des hanseatischen Traditionsvereins bereit. Selbst das bisherige Vereinsgut Mitsprache der Fans wurde geopfert.

Der alte Aufsichtsrat, der in der Vergangenheit durch Indiskretionen und Streit reichlich Porzellan zerschlug, muss geschlossen abtreten. An seine Stelle tritt ein neues sechsköpfiges Gremium. Sein Chef wird Karl Gernandt sein, der Verwalter im Logistik-Unternehmen des Investors Kühne. In den Rat sollen die früheren Profis Thomas von Heesen (der bei Hannover 96 früher einmal als Manager eine Fehlbesetzung war) und Peter Nogly den sportlichen Sachverstand einbringen. Klitschko-Manager Bernd Bönte ist für die Vermarktung zuständig. Den Kontakt zur Wirtschaft und den Banken sollen die Unternehmer Felix Goedhart und Dieter Becken knüpfen.

Der bisherige Vereinsvorsitzende Carl Jarchow spielt im künftigen Vorstand der Fußball-AG keine Rolle mehr. Bitter für Jarchow: Er musste das Ausgliederungskonzept vortragen, das ihn abschafft. Kandidat für den Vorsitz ist der frühere HSV-Manager Dietmar Beiersdorfer. Der frühere Profi ist noch bis 2015 Sportdirektor beim russischen Vizemeister Zenit St. Petersburg. „Wir haben vereinbart, dass wir uns ab heute zusammensetzen“, sagte Gernandt über Gespräche mit Beiersdorfer. „Er hat uns zugesagt, dass er alles tun will, um bei uns dabei zu sein.“ Auch die Zukunft des bisherigen HSV-Sportdirektors Oliver Kreuzer ist nach der Entscheidung von gestern ungewiss – es spricht viel dafür, dass versucht wird, auch ihn loszuwerden. Auch Trainer Mirko Slomka hatte sich im Vorfeld für die Ausgliederung starkgemacht, um die Mannschaft für die nächste Saison nach seinen Wünschen gestalten und neue Spieler holen zu können. Der frühere 96-Trainer hatte zwar den Klassenerhalt geschafft; um sich als strahlender Retter feiern lassen zu können, fehlten allerdings die sportlichen Fortschritte seit seinem Amtsantritt.

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