Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Überregional Schäferhund ohne Zähne
Sportbuzzer Fußball Überregional Schäferhund ohne Zähne
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:53 02.03.2014
Da half kein Brüllen und kein Schreien: Mirko Slomkas HSV verliert im Nordderby gegen den SV Werder Bremen. Quelle: dpa/Archiv
Anzeige
Bremen

Von den Werder-Volunteers fehlten nach dem Schlusspfiff einige in der Gruppe. „Die singen und tanzen“, teilte ein pflichtbewusster Volunteer einem Kollegen mit. Die jungen Helfer, die dafür sorgen sollen, dass rund um das Spiel alles gut läuft, waren zum Zaun der Ostkurve des Weserstadions geeilt. Dort, wo auch die Fußballprofis sangen und tanzten wegen des 1:0-Sieges im 100. Bundesliga-Nordderby gegen den Hamburger SV.

Die Papierkugeln, die Werder-Fans während der Partie auf den Rasen geworfen hatten in seliger Erinnerung an jenes UEFA-Cup-Halbfinale 2009, das Werder auch wegen so eines Knäuels mit 3:2 gewonnen hatte, lagen noch herum. Nie, sagte Werder-Trainer Robin Dutt, habe es bei einem Derby mit seiner Beteiligung „so sehr geknistert“. Die ganze Stadt, der ganze Verein sei „in Aufregung“ gewesen.

Anzeige

Zitat

„Das haben wir
nicht so
trainiert.“
Werder-Trainer
Robin Dutt
über das Siegtor

Geschäftsführer Thomas Eichin dachte noch einmal an die Gespräche der vergangenen Tage, als mancher meinte, der Verlierer „könne sich gleich vom Spielbetrieb abmelden“. Das war natürlich etwas übertrieben. Auch der HSV hat noch alle Chancen, im Sommer in seine 52. Bundesligasaison zu gehen. Gleichwohl war in der kleineren Hansestadt, die sonst wenig vom Fasching hält, eine Art Karneval ausgebrochen. Und auch wenn Dutt zur Karnevalsverkleidung weder über einen Sombrero noch über eine Prinz-Heinrich-Mütze verfügte, zog der Schwabe symbolisch mehrmals den Hut vor seinen Bremern, die mit dem verdienten Sieg vorerst auf sechs Punkte gegenüber dem weiter auf Relegationsplatz 16 verweilenden HSV davongezogen sind.

Einerseits zog er ihn vor den mehrheitlich friedlichen Fans, die mit einer 45 000 Euro teuren Choreografie („100 Spiele wie im Märchen“) mal wieder ihren Beitrag geleistet hatten. Zum anderen vor seiner Mannschaft, aus der er drei Leute noch hervorhob: Kapitän Aaron Hunt, Zlatko Junuzovic und Assani Lukimya.

Hunt meldete sich nach seiner Knieverletzung mit einem „Geniestreich“ (Dutt) zurück. Er hatte eine ungenaue Flanke von Santiago Garcia mit der Hacke im hohen Bogen auf Junuzovic verlängert, der schon in der 19. Minute den Siegtreffer erzielte. An Mittelfeldmotor Junuzovic beeindruckte Dutt, dass er „mit Bravour drei verschiedene Positionen ausgefüllt“ habe. Und Innenverteidiger Lukimya, der vor zwei Wochen gegen Mönchengladbach noch nach verheerenden 27 Minuten ausgewechselt wurde, habe imposant gezeigt, dass er diesen Tiefpunkt „mental gut weggesteckt hat“. Lukimya ließ die einzige Hamburger Angriffsspitze, den künftigen Nationalspieler Pierre-Michel Lasogga, nicht ein einziges Mal gefährlich werden.

factbox

„Wir sind nicht
wie sonst
auseinandergebrochen.“
HSV-Kapitän
Marcell Jansen

Das war auf den ersten Blick der Schlüssel zum Sieg in einer Partie, in der die Hamburger das Bremer Spiel mit weiten Bällen lange Zeit kopierten in der Hoffnung, den sogenannten zweiten Ball zu erwischen und so eine Chance zu bekommen. Zwischenzeitlich kontrollierte der HSV die Begegnung, aber mit Ausnahme eines Lattentreffers kurz vor der Pause durch Hakan Calhanoglu waren sie rund um den Werder-Strafraum so harmlos wie ein Schäferhund ohne Zähne. Das änderte sich auch nicht, als in der 46. Minute Rafael van der Vaart für Tomas Rincón eingewechselt wurde, um den Druck aufs Bremer Tor zu verstärken. Es gab zwar noch mehr Ballbesitz für die Hamburger, aber damit konnten sie wenig anfangen.

Denn van der Vaart entpuppte sich einmal mehr als diskreter Dauerläufer, der kaum am Spiel teilnahm. Dafür fehlte nun der Kämpfer Rincón. Und als in der 67. Minute auch noch der vom neuen Trainer Mirko Slomka frisch entdeckte Verteidiger Slobodan Rajkovic mit einem Kreuz- und Innenbandriss am linken Knie ausschied, war die neu entworfene Anti-Abstiegs-Statik mit mehreren Kämpfern und bissiger Abwehrreihe im Eimer – zumal kurz darauf auch Petr Jiracek mit Muskelbeschwerden ausschied. Da wussten die Hamburger noch nicht, dass Milan Badelj sich die Mittelhand gebrochen hatte.

Es kommt also vor dem nächsten Abstiegs-„Endspiel“ am kommenden Wochenende gegen Frankfurt noch schlimmer, auch wenn Badelj mit Schiene spielen soll. Zudem wirkte die Mannschaft am Schluss mal wieder so müde wie ein Altherrenteam.
Die Bremer hielten sich dagegen an das Motto, das Manager Eichin ausgegeben hatte. In Abwandlung eines Satzes von Meistertrainer Otto Rehhagel, der seine Taktik gern als „kontrollierte Offensive“ beschrieb, forderte Eichin eine „kontrollierte Aggressivität“. Die Spieler setzten das gut und kernig um, nach der Partie nahmen Junuzovic, Philipp Bargfrede, Aleksandar Ignjovski und Eichin überschwänglich ein Video auf. Fazit ihrer Kurzstatements zum Spiel: „Supergeil!“

Mehr zum Thema
Überregional Frankfurt gegen Stuttgart - Entscheidung in der Schlussphase

Erneuter Sieg für die Frankfurter: Der VfB Stuttgart hat den erhofften Befreiungsschlag leichtfertig verspielt und mit der achten Pleite in Serie einen Vereins-Negativrekord aufgestellt.

02.03.2014

Die inzwischen historische Horrorserie des VfB Stuttgart nimmt kein Ende, dem umstrittenen Trainer Thomas Schneider droht die Entlassung. Die Schwaben verloren trotz einer 1:0-Halbzeitführung am Sonntagabend bei Eintracht Frankfurt 1:2 und kassierten ihre achte Bundesliga-Niederlage in Folge - das hatte es beim fünfmaligen deutschen Meister noch nie gegeben.

02.03.2014

Der VfL Wolfsburg ist bei 1899 Hoffenheim mit der höchsten Saisonniederlage vom Champions-League-Kurs abgekommen. 18 Tage nach dem Sieg im Pokal-Achtelfinale bei den Kraichgauern und nach zuletzt vier Siegen in Serie mussten sich die Niedersachsen am Sonntag mit 2:6 (1:4) klar geschlagen geben.

02.03.2014
Überregional Frankfurt gegen Stuttgart - Entscheidung in der Schlussphase
02.03.2014
02.03.2014
02.03.2014