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Überregional Hansa Rostock droht nach Fan-Krawallen drastische Strafe
Sportbuzzer Fußball Überregional Hansa Rostock droht nach Fan-Krawallen drastische Strafe
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12:16 10.05.2010
Die Partie in Düsseldorf stand bereits nach sechs Minuten am Rande eines Abbruchs, weil aus dem Rostocker Fanblock Feuerwerkskörper aufs Spielfeld geworfen wurden. Quelle: dpa
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Für Schiedsrichter Wolfgang Stark war die von massiven Ausschreitungen begleitete Zweitliga-Partie Fortuna Düsseldorf gegen Hansa Rostock „eines der schwierigsten Spiele“. „Man ist irgendwie machtlos“, sagte der FIFA-Referee aus Ergolding am Montag. „Es war uns im Vorfeld klar, dass es nicht so einfach wird. Wir mussten dann alle Register ziehen, um das Spiel durchzubekommen.“

Die Partie stand bereits nach sechs Minuten am Rande eines Abbruchs, weil aus dem Rostocker Fanblock Feuerwerkskörper aufs Spielfeld geworfen wurden. Hansa-Torwart Alexander Walke musste behandelt werden. Nach einer 20-minütigen Unterbrechung entschieden Schiedsrichter Stark und DFL-Vertreter, das Spiel fortzusetzen. Auch kurz vor Ende unterbrach Stark das Spiel erneut, weil in unmittelbarer Nähe seins Assistenten Mike Pickel ein Feuerwerkskörper explodierte. „Er hatte nach dem Spiel ein leises Pfeifen im Ohr“, sagte Stark.

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Der 40-Jährige soll mit Pickel und seinem zweiten Assistenten Jan- Hendrik Salver (Stuttgart) als einer von 24 Unparteiischen zur Weltmeisterschaft nach Südafrika fahren. Der Weltverband FIFA entscheidet dieser Tage über die endgültige Nominierung. Stark ist nach 221 geleiteten Bundesliga-Partien, 28 Länderspielen und 54 Europacup-Spielen einer der erfahrendsten deutschen Referees.

Der Sicherheitsbeauftragte des Deutschen Fußball-Bundes, Helmut Spahn, rechnet nach den Krawallen mit einer „zeitnahen“ Entscheidung der DFB-Sportgerichtsbarkeit. „Wir werden angemessene und zielführende Maßnahmen finden, so wie uns das auch schon in den vergangenen Wochen gelungen ist“, sagte Spahn am Montag. Da der FC Hansa Rostock bereits am Freitag zum ersten Relegationsspiel beim FC Ingolstadt antritt, ist für den DFB nun Eile geboten.

In der jüngeren Vergangenheit hatte das DFB-Sportgericht erstmals die Übeltäter von Vorfällen direkt bestraft, indem den Fans der jeweiligen Clubs Fahrten zu Auswärtsspielen untersagt worden waren. So durften unter anderem Anhänger des 1. FC Köln wegen diverser Vorfälle ihr Team nicht zur Partie bei 1899 Hoffenheim begleiten. An Fans des 1. FC Nürnberg waren für zwei Begegnungen in der Fremde keine Stehplatz-Tickets und nur personalisierte Sitzplatzkarten verkauft worden.

Den Rostockern könnte jedoch auch ein „Geisterspiel“ im eigenen Stadion drohen. Auf den Club dürfte in jeden Fall eine drastische Strafe warten, weil die Hansa-Fans bereits mehrfach negativ aufgefallen sind. „Es ist richtig, dass Rostock bereits öfters im Fokus sicherheitsrelevanter Vorkommnisse stand“, sagte Spahn.

Dies habe sowohl Auswärts- als auch Heimspiele der Hanseaten betroffen. Unter anderem hatte der DFB deshalb das Kartenkontingent für das Risikospiel des FC Hansa beim FC St. Pauli reduziert, worauf die Rostocker Fans komplett auf eine Reise nach Hamburg verzichtet hatten.

„Wir stehen seit längerem im engen Kontakt mit dem Verein und sind überzeugt, dass auch die dortigen Verantwortlichen die Zeichen der Zeit verstanden haben“, sagte der DFB-Sicherheitsbeauftragte. Ein Sonderlob hatte Spahn für FIFA-Schiedsrichter Stark parat, der mit seinem „Fingerspitzengefühl“ maßgeblich dazu beigetragen habe, dass die Begegnung am Sonntag trotz der Vorfälle ordnungsgemäß zu Ende gebracht werden konnte. „Darüber sind wir sehr froh“, sagte Spahn, der am Sonntag ständig über die Vorfälle in Düsseldorf informiert war. Der DFB hatte angesichts der Brisanz der Partie wie üblich eine „Sicherheitsaufsicht“ nach Düsseldorf geschickt.

dpa