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Überregional Hausdurchsuchung bei Hooligans
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22:38 17.12.2009
Braunschweiger Hooligens bekamen am Donnerstag unerwarteten Besuch von der Polizei.
Braunschweiger Hooligens bekamen am Donnerstag unerwarteten Besuch von der Polizei. Quelle: ddp
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Mit der Aktion wollten die Beamten Beweise für eine Beteiligung der Verdächtigen an einem Überfall auf Fans von Hannover 96 sicherstellen.

Zu dem Vorfall war es Anfang November auf dem Bahnhof Weddel bei Braunschweig gekommen. Eine Gruppe von 30 Eintracht-Fans hatte dort einen Zug attackiert, in dem 120 Anhänger von Hannover 96 saßen, die von einem Auswärtsspiel in Babelsberg heimkehrten. Bei dem Angriff wurde niemand verletzt, der Zug durch Wurfgeschosse und Feuerwerkskörper aber stark beschädigt.

Die Personen, bei denen gestern die Durchsuchungen stattfanden, seien als gewaltbereite Fußballrowdys bekannt und daher schon früh ins Visier der Ermittler geraten, erklärte Detlef Stefan von der Polizeiinspektion Braunschweig. Es handele sich um Männer im Alter von 19 bis 37 Jahren. „Da sind alle sozialen Schichten vertreten, bis hin zum Akademiker. Einige von ihnen sind arrivierte Leute mit Familien und Kindern.“ Widerstand habe niemand geleistet. „Dazu wäre angesichts unseres Auftretens auch niemand gekommen.“ Die Polizei hatte einige Wohnungen gewaltsam geöffnet.

Die Razzia hatte die Polizeidirektion Braunschweig gemeinsam mit der Bundespolizei durchgeführt, die für die Sicherheit im Zugverkehr zuständig ist. Bei der Durchsuchung stellten die Beamten etliche Schlagringe und Schlaghandschuhe sicher. Sie beschlagnahmten aber auch Computer und Datenträger in der Hoffnung, auf diesem Wege an Hinweise für den Überfall zu kommen. Anzeichen dafür, dass die Verdächtigen Kontakt zur rechten Szene hätten, lägen nicht vor.

Die Bedeutung der Aktion gehe aber über die Sicherung von Beweisen hinaus, erklärte Braunschweigs Polizeipräsident Harry Döring. Die Behörden wollten potenziellen Straftätern zeigen, wie ernst sie das Problem der wachsenden Gewalt im Umfeld von Fußballspielen nähmen. Bei den Ausschreitungen komme es vermehrt auch zu Übergriffen auf Polizisten. „Die Toleranzschwelle unserer Kollegen gegenüber gewaltbereiten sogenannten Fans sinkt ebenso wie die Diskussionsbereitschaft“, meinte Döring.

Auch der Präsident der Bundespolizei Hannover, Thomas Osterloh, kündigte ein energischeres Auftreten gegenüber Hooligans an. Die Ordnungshüter müssten klarstellen, „dass Leute, die nur auf Gewalt aus sind, in Fußballstadien nichts zu suchen haben“. Sollte sich der Verdacht gegen die 21 Eintracht-Anhänger bestätigen, drohen ihnen drastische Strafen, sagte Joachim Geyer von der Staatsanwaltschaft Braunschweig. Angesichts der Dauerrivalität zwischen den Fußballfans aus Braunschweig und Hannover dürften sich die Verdächtigen aber jetzt schon ärgern: „Am Ende des Aktenzeichens steht ausgerechnet eine 96. Das nenne ich Ironie des Schicksals.“

von Jens Krone