Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Überregional Havelse gelingt die Sensation gegen Nürnberg
Sportbuzzer Fußball Überregional Havelse gelingt die Sensation gegen Nürnberg
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:30 19.08.2012
Von Jörg Grußendorf
So jubeln Sieger: Die Havelser feiern ihre verdiente Pokalüberraschung gegen den 1. FC Nürnberg. Quelle: Florian Petrow
Anzeige
Garbsen

Sie hüpften übermütig über den Platz, fielen freudetrunken übereinander her, herzten jeden, der ihnen in die Quere kamen, und strahlten. Dass ihnen 120 kräftezehrende Minuten in den Knochen steckten, dass war ihnen überhaupt nicht mehr anzumerken. „Wir sind einfach nur glücklich“, sagte Torschütze Marc Vucinovic. Er hätte es gar nicht sagen müssen, man sah es ihm deutlich an.

Vucinovic und seine Mitspieler hatten gerade etwas geleistet, was ihnen kaum jemand zugetraut hatte. In einer atemberaubenden Partie hatte der Fußball-Viertligist den Bundesligisten 1. FC Nürnberg entzaubert, ihn mit einer 2:3-Niederlage auf die lange Heimreise geschickt. Wenn man dieser jungen Mannschaft von Trainer André Breitenreiter an diesem herrlichen Fußballtag im Wilhelm-Langrehr-Stadion einen Vorwurf machen kann, dann nur den, dass sie für diese Überraschung die quälende Nachspielzeit brauchte. Denn schon während der 90 Minuten hatte der TSV ein klares Chancenplus. In der Verlängerung dieses DFB-Pokalspiels der 1. Runde dann ohnehin.

Anzeige

Angefangen hatte es – zumindest aus Havelser Sicht – hingegen unschön. Alexander Esswein hatte die Franken schon in der 7. Minute in Führung gebracht. Für den Bundesligisten schien sich ein ruhiger  Nachmittag bei Temperaturen an die 40 Grad anzubahnen. Irgendwann, so läuft es meistens, fällt dann das 2:0, und das Spiel ist durch. Nicht so in Havelse. Die Spieler hatten ihrem Trainer gut zugehört, der im Vorfeld keine Gelegenheit ausgelassen hatte, seine Mannschaft, diesen verschworenen Haufen, starkzureden.
Der TSV drehte jetzt auf; und nach einer Flanke von Vucinovic köpfte Christoph Beismann zum verdienten 1:1 (13.) ein. Es sah abgeklärt aus vom Torjäger, war es aber gar nicht. „Ich war heilfroh, als das Ding drin war“, sagte Beismann mit einem Schmunzeln, „das war vielleicht das zweite Kopfballtor in meiner Laufbahn.“

Mit dem Fuß wollte es hingegen am Sonntag im Abschluss nicht so recht klappen. Der starke Beismann narrte zwar seinen schwachen Gegenspieler Marcos Antonius des Öfteren oder enteilte ihm, aber beim Torschuss zielte er entweder zu hoch (31.) oder scheiterte an „Club“-Torwart Raphael Schäfer (38.).  Besser machte es dann sein Mitspieler Patrick Posipal (59.) – natürlich auch per Kopf und wieder nach Flanke von Vucinovic: 2:1 für den TSV.

Der eingewechselte Saliou Sane hätte später alles klarmachen müssen (71., 79.), doch ihm gelang es nicht, seine gute Leistung zu krönen. Stattdessen nutzte Robert Mak eine der wenigen Schwächen in der Havelser Abwehr zum  Ausgleich (80.).
Jetzt drückten die Nürnberger noch einmal. Doch spätestens mit Beginn der Verlängerung hatte der TSV wieder alles im Griff. Und nach zwei Versuchen von Sane behielt Vucinovic im Nachschuss Ruhe und Übersicht, 3:2 (96.). Ein FCN-Aufbäumen gab es nicht, Trainer Dieter Hecking war bedient. Dem TSV war das egal. Er feierte; und das kann er mindestens genauso gut wie Fußball spielen.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.