Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Überregional Ich bin dann mal wieder da ...
Sportbuzzer Fußball Überregional Ich bin dann mal wieder da ...
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:59 05.01.2015
Zurück an der Säbener Straße: Uli Hoeneß arbeitet wieder beim FC Bayern.
Zurück an der Säbener Straße: Uli Hoeneß arbeitet wieder beim FC Bayern. Quelle: Sven Hoppe
Anzeige
München

Selbst in der Bayern-Chefetage greift Uli Hoeneß nicht mehr die mittlerweile pensionierte Sekretärin Ulla Potthoff unter die Arme. Auch der Dienstweg ist ein anderer. Hoeneß wird künftig abgeholt, von einem Bayern-Fahrer im Audi aus dem Freigängerhaus im rund 40 Kilometer entfernten Rothenfeld, in dem er seit Jahresbeginn übernachtet. Ab sofort darf Hoeneß tagsüber arbeiten. Der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Für Hoeneß und den FC Bayern.

Hoeneß soll an der Säbener Straße den Bayern-Nachwuchs wieder an die Spitze des Landes führen - und irgendwann auch an die Spitze Europas. In der Vergangenheit sei der Nachwuchs „etwas zu kurz gekommen“, hat Sportvorstand Matthias Sammer zuletzt eingeräumt. Und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kündigte an: „Wir werden beim Nachwuchs einen Zahn zulegen und auch mal zuschlagen, wenn ein Spieler auf dem Markt ist.“

Bastian Schweinsteiger ist neben Philipp Lahm der einzige aktuelle Profi, der mit den Bayern A-Juniorenmeister wurde. 2002 war das. 2004 gelang der U19 der letzte Titelgewinn. Zu den Profis geschafft hat es keiner. Und als Deutschland im 2014 U19-Europameister wurde, stand kein Münchener im Kader.

Ein Jugendleistungszentrum im Norden der Bayern-Metropole ist auch deshalb in Planung. Weitere Gründe? In der Youth League, der U19-Parallelveranstaltung zur Champions League, schied der FC Bayern gerade deutlich aus - etwa durch ein 0:6 gegen Manchester City, das Talente aus aller Welt zusammenkauft. Den Bayern kann das freilich nicht schmecken. Und da soll Hoeneß, der gestern seinen 63. Geburtstag feierte, ansetzen.

Geht auch in München dann bald der Trend zu kostspieligen Transfers Hochbegabter? Wie Joshua Kimmich, 19, den die Bayern gerade für rund 8 Millionen Euro von RB Leipzig verpflichtet haben. 2,5 Millionen Euro waren es dem Vernehmen nach bei Sinan Kurt, 18, der im vergangenen Sommer von Borussia Mönchengladbach kam. Die angestrebte Verpflichtung des norwegischen Ausnahmetalents Martin Ødegaard, 16, könnte noch im Januar hinzukommen.

Es ist ein Zwei-Säulen-Modell, das der FC Bayern verfolgt, um im Konkurrenzkampf der europäischen Topklubs zu bestehen. Das weiß auch Wolfgang Dremmler, als Leiter des Juniorteams der neue Chef von Hoeneß. „Bei uns kommt das weiteste Talent, überspitzt gesagt, aus Obermenzing“, sagt Dremmler. Einem Stadtteil von München. Er hält es auch weiterhin für die richtige Strategie, schwerpunktmäßig auf begabte Kicker aus der Region zu setzen. Aber er ahnt zugleich, dass der Blick darüber hinaus unabdingbar ist und sich riskante Millionen-Investitionen für außergewöhnlich veranlagte Teenager nicht mehr vermeiden lassen, wenngleich die Wette auf deren Entwicklung kaum Garantien bietet.

Im Sommer haben die Münchener auch dafür den Experten für Talente und Kaderplanung, Michael Reschke, aus Leverkusen angeworben, um auf allen Ebenen mittel- und langfristig erfolgreich an der Zukunft zu tüfteln. Mit Transfers wie von Kimmich und Kurt, der nun wie einst Toni Kroos aufgebaut werden soll. Auch über die U23, die zuletzt allerdings zweimal den Aufstieg in die Dritte Liga verpasste. Die zweite Mannschaft als Aufbauhilfe ist auch ein Ansatz Dremmlers, der sich in den zwischenzeitlichen Debatten um deren Abschaffung klar für den Erhalt ausgesprochen hatte. Nachwuchsspieler wie einst Thomas Müller, findet der ehemalige Profi, müssten die Möglichkeit zu einer Zwischenstation bei den Senioren haben, um sich vernünftig weiterentwickeln zu können. Spieler wie Gianluca Gaudino, der schon ein paar Mal bei Pep Guardiola zum Einsatz kam. Oder wie Lucas Scholl, ebenfalls Sohn eines Ex-Profis. Beide sind derzeit vor allem in der U19 im Einsatz. Ohne zweite Mannschaft wäre Spielpraxis für sie wohl bald nicht mehr ausreichend zu gewährleisten.

Hoeneß dürfte auch auf die Reservemannschaft Einfluss nehmen und neben seinem Hauptansprechpartner Reschke vor allem mit Dremmler, Junioren-Sportchef Michael Tarnat und U19-Trainer Heiko Vogel zusammenarbeiten. Der Nachholbedarf beim Nachwuchs durch Zukäufe von Hochbegabten könnte sogar einen angenehmen Nebeneffekt haben: Ødegaard beispielsweise dürfte nach drei Jahren als sogenannter „local player“ im Profikader geführt werden, also von 2018 an als eines von vier vorgeschriebenen Talenten, die im eigenen Haus ausgebildet worden sind.

Derzeit sind das Spieler wie Müller, David Alaba, Holger Badstuber, Lahm und eben Schweinsteiger. Allesamt groß geworden unter der Ägide Uli Hoeneß‘.

Überregional Neuzugang bei Inter Mailand - Podolski winkt bei Wechsel die Bank
05.01.2015