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00:17 16.07.2014
Von Heiko Rehberg
Foto: Feiern mit dem Pokal: Deutschland ist zum viertel Mal in der Geschichte Weltmeister!
Feiern mit dem Pokal: Deutschland ist zum viertel Mal in der Geschichte Weltmeister! Quelle: dpa
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Rio de Janeiro

Auf diesen Moment, auf dieses Bild hat Fußball-Deutschland 24 Jahre lang gewartet: ein Kapitän der Nationalmannschaft, der den WM-Pokal in den Abendhimmel stemmt. 1990 in Rom war es Lothar Matthäus, heute um 0.04 Uhr deutscher Zeit in Rio de Janeiro Philipp Lahm. Ein Bild für die Ewigkeit. Und ganz viele andere Bilder, die bleiben: das vom jubelnden Bundestrainer Joachim Löw, das vom blutenden Bastian Schweinsteiger und das von Mario Götzes Zaubertor zum 1:0-Siegtreffer in der Verlängerung. Weltmeister nach 120 Minuten.

Es war ein intensives, leidenschaftliches Finale mit einer von Beginn an knisternden Atmosphäre. Bereits in der 1. Halbzeit steckte fast alles drin, inklusive kurioser Geschichten wie der von Christoph Kramer, der beim Warmmachen erfahren hatte, dass er in der deutschen Startelf steht – Sami Khedira fiel mit Wadenproblemen aus – und in der 32. Minute benommen wieder ausgewechselt werden musste.

Das WM-Finale Deutschland gegen Argentinien.

Es gab zwei Szenen, die das Finale vor der Verlängerung in eine andere Richtung hätten drehen können. Ein Aussetzer von Toni Kroos, der den Ball zurückköpfen wollte und ihn direkt in den Lauf von Gonzalo Higuain beförderte, hätte die Argentinier in Führung bringen müssen. Chancen von dieser Kategorie lässt Higuain normalerweise nicht aus. Puh, Glück gehabt.

Und dann war da Benjamin Höwedes wuchtiger Kopfball in der Nachspielzeit der 1. Halbzeit. Eine bessere Gelegenheit zum 1:0 hätte es nicht geben können, doch aus fünf Metern traf er nur den Pfosten. Pech gehabt. Bundeskanzlerin Angela Merkel durfte sich auf der Tribüne im Maracanã-Stadion wieder setzen. Höwedes, der von einigen Experten in der Vorrunde oft gescholtene Linksverteidiger, als Türöffner im Finale: Diese Geschichte wäre zu schön gewesen.

Deutschland ist Weltmeister: Die Einzelkritik zum WM-Finale gegen Argentinien.

Die deutschen Spieler wirkten lange überrascht, was für ein harter Widersacher die Argentinier tatsächlich sind. Und einen bekamen sie nicht in den Griff: Wenn Lionel Messi zum Sprint ansetzte, geriet die deutsche Abwehr fast immer in Schwierigkeiten. Vor allem Mats Hummels sah in Laufduellen mit Argentiniens Weltstar schlecht aus, in der 40. Minute konnte er sich bei Jérôme Boateng bedanken, dass nichts passierte. Und in der 48. Minute hatten die Deutschen einfach Glück, dass Messi den Ball knapp verzog. Ein Gegentreffer direkt nach der Pause hätte eine unangenehme Aufgabe vermutlich unlösbar gemacht.

HAZ-Sportchef Heiko Rehberg war live vor Ort beim WM-Finale in Rio.

Es gibt Begegnungen, in die kommt man trotz allen Bemühens spielerisch nicht so richtig rein. Genau mit dieser Schwierigkeit hatte die deutsche Mannschaft gestern Abend in Rio de Janeiro zu kämpfen, auch in der 2. Halbzeit und in der Verlängerung. Geschickt wechselten die Argentinier den Rhythmus. Mal störten sie früh, dann zogen sie sich wieder zurück. Das behagte den Deutschen nicht.

Mit jeder Minute wuchs bei beiden Mannschaften die Angst vor dem einen Gegentor, das sie wahrscheinlich aus der Bahn werfen würde. Es gab kaum mehr Torchancen, in der 82. Minute hatte Kroos eine, am Anfang der Verlängerung André Schürrle. Ein Hummels-Fehler eröffnete auf der anderen Seite Rodrigo Palacio die Chance zum 1:0 
(98. Minute).

Im Finalspiel Deutschland gegen Argentinien gelang es einem Flitzer, trotz hoher Anzahl von Sicherheitskräften, auf das Spielfeld zu gelangen.

Zu diesem Zeitpunkt war es längst ein Zitterspiel geworden, ein Schlagabtausch ohne Vorteile für eine Elf, mit Argentiniern, die nun mehr foulten. Doch in der 113. Minute kam dieser magische Augenblick, den solche Spiele auch haben: Götze nahm den Ball nach einer Schürrle-Flanke mit der Brust an und verwandelte mit links. Ein Traumtor zum Weltmeistertitel.

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