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Überregional (K)Ein Königreich für einen Titel
Sportbuzzer Fußball Überregional (K)Ein Königreich für einen Titel
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19:48 17.03.2010
Ohne Titel: Für Michael Ballack – hier im Duell mit Wesley Sneijder von Inter (hinten) – ist die Champions-League-Saison vorbei.
Ohne Titel: Für Michael Ballack – hier im Duell mit Wesley Sneijder von Inter (hinten) – ist die Champions-League-Saison vorbei. Quelle: ap
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Am Ende hätte der frustrierte Michael Ballack bei der großen Ernüchterung an der Stamford Bridge am liebsten weggeschaut. Ausgewechselt, ausgeschieden, ausgeträumt – seine Karriere ist weiter unvollendet. Nach dem frühen K. o. seines FC Chelsea im Champions-League-Achtelfinale muss der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft weiter auf seinen ersten internationalen Titel warten. Und während Chelseas früherer Coach Jose Mourinho nach dem 1:0-Triumph mit Inter Mailand an alter Wirkungsstätte auch von Englands Medien gefeiert wurde und sich als der Größte fühlte, spürte der deutsche Vorzeigekicker die große Leere. „Es tut weh, so früh auszuscheiden“, gab der Mittelfeldstar nach der ebenso schmerzlichen wie folgenschweren ersten Heimschlappe in der Champions League seit gut vier Jahren zu.

Denn der bald 34-Jährige weiß, dass ihm viele Gelegenheiten zum Coup auf der großen Fußball-Bühne nicht mehr bleiben. Mit der Nationalelf kann er auf den WM-Titelgewinn im Sommer in Südafrika und vielleicht noch bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine hoffen. Bei Chelsea, wo er gerade um die Verlängerung seines im Sommer endenden Vertrags kämpft, hat er auch höchstens wohl noch zwei Chancen in Europas Meisterliga.

Erst zum zweiten Mal binnen sieben Jahren verpassten Ballacks ambitionierte, aber in Europas höchster Klubspielklasse noch stets gescheiterte „Blues“ das Halbfinale. „Nachdem wir die Champions League in den letzten Jahren mit dominiert haben, ist das schon enttäuschend. Die haben uns den Zahn gezogen mit ihrer Cleverness“, sagte Ballack mit Blick auf das unerwartet frech auftrumpfende Inter-Team. Zu seinem sichtlichen Unwillen wurde er nach 62 Minuten auch noch von Trainer Carlo Ancelotti ausgewechselt.

Aber nicht der sieggewohnte italienische Chelsea-Coach, sondern dessen Vor-Vorgänger Mourinho, der Chelsea bis zu seiner Entlassung im September 2007 drei Jahre lang mit viel Erfolg geführt hatte, war nach seiner „perfekten“ Revanche obenauf. „So habe ich in der Kabine noch nie gejubelt. Das war eine unglaubliche Leistung“, erklärte der charismatische Portugiese, der sich in seinem „Wohnzimmer“, der Arena an der Stamford Bridge öffentliche Triumph-Gesten erst ganz verkniff – mit dem Schlusspfiff verschwand er sofort in den Katakomben.

„Heute war Inter viel besser als Chelsea“, lobte er zurecht seine Akteure, ehe wieder der „alte“ Mourinho auftrat. „Dieses Ergebnis beweist, dass ich hier zu Hause bin. Denn hier gewinne ich immer, mit oder gegen Chelsea“, meinte der Portugiese stolz. Chelseas Europa-Bilanz trotz der Investition in Höhe von 750 Millionen Euro durch Klub-Eigner Roman Abramowitsch beschreibe er als „Geschichte der Frustration“. Inters Klubchef Massimo Moratti, der in 15 Jahren rund eine Milliarde Euro ins Team gesteckt hat, kann nach dem Siegtor durch Samuel Eto’o (78. Minute) dagegen weiter seinem jahrelang gehegten Traum vom Triumph bei den Champions nachgehen.

dpa