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19:53 11.08.2009
Von Stefan Knopf
Die Nummer eins und die Nummer zwei beim Spiel gegen Aserbaidschan: 96-Keeper Robert Enke (r.) und Bremens Tim Wiese. Quelle: Oliver Lang/ddp

Oliver Bierhoff versuchte, es möglichst beiläufig klingen zu lassen, doch in Deutschland wird gerade diese vermeintliche Nebensache mit besonderem Interesse verfolgt. „Wir sehen keinen Wechsel vor“, sagte der Teammanager der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, „Robert Enke wird spielen.“ Der Torwart von Hannover 96 wird Mittwochabend im WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan in Baku (18 Uhr, live in der ARD) also sein achtes Länderspiel bestreiten, und Fußball-Deutschland, das ja nicht nur ein Land voller Schiedsrichter ist, sondern auch ein Land voller Torwarttrainer, wird dem 31-Jährigen wieder 90 Minuten lang genau auf die Handschuhe schauen – und dann ein Urteil fällen.

Noch immer können sich viele Fußballfans nicht daran gewöhnen, dass auf der Torwartposition der Nationalmannschaft der gleiche Konkurrenzkampf herrscht wie beim Gerangel um die Plätze im Sturm oder im defensiven Mittelfeld. Deutschland ist Torwartland, und jahrzehntelang wurde der Posten zwischen den Pfosten behandelt wie ein Erbhof; Sepp Maier, Toni Schumacher und lange Zeit auch Oliver Kahn galten als unanfechtbar – bis Jürgen Klinsmann ausgerechnet dem „Titan“ Kahn erst den Stammplatz und schließlich die Nummer 1 nahm. „Das war ein Luxusproblem damals“, sagte Michael Ballack am Dienstag zum aktuellen Kampf um die Nummer 1, sowohl Kahn als auch Jens Lehmann „hatten unglaubliche Fähigkeiten. Jetzt haben die meisten noch nicht diese internationale Erfahrung.“ Und prompt war der Kapitän mitten drin in der Debatte, die Bundestorwarttrainer Andreas Köpke vor einigen Monaten höchstpersönlich angestoßen hatte mit der Bemerkung, Deutschland habe derzeit keinen absoluten Weltklassetorwart.

Mit schöner Regelmäßigkeit erhalten die vier Torwartkandidaten Enke, Tim Wiese, der als Ersatzmann in Baku dabei ist, Rene Adler und Manuel Neuer ihre Streicheleinheiten durch unterschiedliche Abwandlungen der Bemerkung „Wir haben vier gleichstarke Torhüter“, doch das Unbehagen darüber, dass bis auf den Bremer Wiese keiner im UEFA-Cup-Nachfolger Europa League oder gar in der Champions League dabei ist, ist im DFB-Trainerstab deutlich spürbar. Denn um die Klasse als solche kann es ja nicht alleine gehen: Die hat nicht zuletzt Enke in der vergangenen Saison immer wieder bewiesen, als er in der Bundesliga Woche für Woche von seinen Vorderleuten bei 96 im Stich gelassen wurde und auch in der Nationalelf regelmäßig stark hielt.

Aber es geht nicht nur um ein höheres, internationales Niveau oder darum zu wissen, wohin Lionel Messi den Ball am liebsten schiebt, wenn er allein aufs Tor zuläuft. Je länger sie das Rennen um die Nummer 1 offen lassen, desto mehr erhöhen Köpke und Bundestrainer Joachim Löw den Druck auf ihre Kandidaten und schaffen damit einen künstlichen Psychokampf: Das Gefühl, dass jeder Fehler ein Rückschlag auf dem Weg zur WM sein kann, hatte 2006 bereits Kahn aus dem Konzept gebracht, und auch Adler war im Verlauf der vergangenen Saison offenbar nicht unbeeindruckt davon geblieben.

So wird das Rätselraten um den Mann im Tor vor jedem der noch folgenden drei Qualifikationsspiele weitergehen. Frühestens am 10. Oktober wird es einen ersten Hinweis geben: Wer dann in Moskau gegen Russland zwischen den Pfosten steht, gilt allgemein als Favorit auf die Nummer 1 für die WM. Per Mertesacker, der in Hannover noch mit Enke zusammengespielt hat und nun Mannschaftskollege von Wiese in Bremen ist, macht sich diesbezüglich wenig Gedanken. „Die Qualitätsfrage stellt sich nicht“, sagte er am Dienstag achselzuckend. „Wir haben hervorragende Torhüter hinter uns.“ Nicht jeder sieht das so nüchtern wie der Pattenser.

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