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13:28 15.02.2012
Von Heiko Rehberg
Christoph Daum kommt mit dem FC Brügge nach Hannover. Quelle: dpa
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Hannover

 Vor vier Tagen war der Name von Christoph Daum in der Fußball-Bundesliga plötzlich wieder im Gespräch. Am Donnerstag spielt Daum mit seinem Klub FC Brügge in der Europa League bei Hannover 96. Weil der 58-Jährige einmal der bunteste Vogel der Liga war, wird dieses Spiel bundesweit auf großes Interesse stoßen. Doch ausgerechnet vor Daums Rückkehr nach Deutschland – wenn auch nur für zwei Tage – war er in der Bundesliga wieder ein Thema. Michael Skibbe war bei Hertha BSC Berlin nach 52 Tagen gefeuert worden, und in der Liste mit den zehn kürzesten Trainer-Amtszeiten in der Bundesliga-Geschichte tauchte direkt hinter Skibbe sein Name auf: Daum, Eintracht Frankfurt, 54 Tage.

Es war nicht das erste Mal, dass die Vergangenheit Daum einholt.

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Skibbe und Daum – die beiden sorgten bereits Ende März des vergangenen Jahres für Schlagzeilen. Frankfurt war in Abstiegsnot geraten, Skibbe beim Eintracht-Publikum unten durch, und plötzlich zauberten die Hessen Daum als Nachfolger aus dem Hut. Nach seinem Hals über Kopf beendeten zweiten Abenteuer mit dem 1. FC Köln und einer glücklosen Rückkehr zu Fenerbahce Istanbul war es still um den Mann geworden, der in der Vergangenheit oft zu laut war. Daum absolvierte Praktika in England und Südamerika. Er bildete sich bei Manchester United, dem FC Liverpool, dem FC Chelsea und bei Manchester City fort, und das passte im Grunde so gar nicht in das Bild, das die Menschen in Deutschland von ihm hatten: Daum, der Großspurige, der Sprücheklopfer, der keine Zweifel daran lässt, dass er sich für einen großen Trainer hält, arbeitete auf einmal als Praktikant.

Dabei ist das die eine Seite dieses Mannes, der sich in seiner Karriere immer wieder im Weg gestanden hat: Daum ist ein akribischer Trainer, ein Fachmann, und wenn er sich darauf beschränkt hätte, nur das in den Vordergrund zu stellen, wäre das Bild von ihm heute wohl ein anderes. Nur ein kompetenter Trainer wird wie Daum mit seinen Teams Meister in Deutschland, der Türkei und Österreich. Solche Erfolge sind kein Zufall. Doch ihm genügte das meist nicht, immer wieder stellte der Selbstdarsteller Daum dem Fachmann Daum ein Bein. Immer wieder erlag er der Versuchung, der Fußballwelt zeigen zu müssen, wie groß er ist.

Frankfurt war 2011 die späte Chance, nach einem rasanten Aufstieg und einem dramatischen Fall in seiner Heimat zu beweisen, dass auch er mit Bescheidenheit Erfolg haben kann. Doch Daum verfiel bei der Eintracht in sein altes Muster, redete zu viel, zu oft, zu laut, überdrehte bei seinen Auftritten, sprach von internationalen Ambitionen, während die Mannschaft auf dem 14. Platz stand. So etwas ruft Häme und Schadenfreude hervor, wenn die Sache schiefgeht, bei einem wie Daum stets mehr als bei anderen Trainern. Und die Sache ging gründlich schief. Die Eintracht stieg ab – und Daum musste nach 54 Tagen wieder gehen. Einen Neuanfang in der 2. Liga, wie er ihn 2006 beim 1. FC Köln erfolgreich hinbekommen hatte, hielten beide Seiten für keine gute Idee.

Führende Leute in der Bundesliga glauben, dass Daum nach dem Debakel in Frankfurt in Deutschlands 1. Liga nicht mehr vermittelbar ist. Aber das hatten sie im Jahr 2000 schon einmal gedacht.

Damals stand Daum auf dem Sprung, Bundestrainer zu werden, und angesichts seiner Erfolge hielten das einige im Land für eine gute Idee. Daum war zwar vielen suspekt; vor allem Fans des FC Bayern, dessen Verantwortliche Daum Ende der achtziger Jahre bis aufs Blut provoziert hatte, erschien er als Nationaltrainer ein Unding. Aber wer mit dem 1. FC Köln zweimal Zweiter und mit Bayer Leverkusen dreimal Vizemeister geworden war, hatte als Trainer etwas vorzuweisen, und die Nationalmannschaft mit ihren Rumpelfüßen lag damals am Boden. Also, verdammt noch mal, warum nicht Daum?

Dann kam die Kokainaffäre – Daum wurde durch eine Haaranalyse der Konsum von Koks nachgewiesen –, und sechs Jahre lang wollte in Deutschland kein Verein mehr etwas von ihm wissen. Nicht nur wegen der Drogen, sondern weil Daum damals abenteuerliche Lügenmärchen aufgetischt hatte. Der gebürtige Zwickauer hatte nicht ein wichtiges Spiel oder den Titelkampf verloren, sondern seine Glaubwürdigkeit.

Wie damals versucht Daum nun sein Glück im Ausland. 2001 war es die Türkei. Jetzt ist es Belgien. Seit dem 9. November des vergangenen Jahres ist er Trainer beim FC Brügge. „Meine Aufgabe und mein Zuhause heißt Brügge“, sagt er. „Hier beginnt die Zukunft.“ Es wird spannend zu beobachten sein, ob Belgien und Brügge ihm irgendwann zu klein werden. Ob ihm das Scheinwerferlicht, das die Jupiler League selten streift, fehlen wird.

Spiele in der Europa League, wie am Donnerstag gegen Hannover 96, sind Daums Welt. „Ich muss mehr geben als mein Bestes mit diesem Team“, hat er dem Fachmagazin „kicker“ gesagt. Mehr als das Beste – der Mann kann nicht anders.

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