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Überregional Löws WM-Puzzle
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00:15 16.10.2013
Ein Blick auf die Startaufstellung der deutschen Nationalelf im Spiel gegen Irland. Wer 2014 in Brasilien dabei ist? „Es wird Härtefälle geben“, hat Bundestrainer Joachim Löw bereits gesagt. Quelle: Montage: Zelmer
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Hannover

Offiziell hat die deutsche Fußball-Nationalelf ja noch ein WM-Qualifikationsspiel vor sich, morgen Abend in Schweden. Seit Freitagabend hat die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw das Brasilien-Ticket in der Tasche, Schweden ist für die Play-offs qualifiziert; besonders im deutschen Lager trifft die Partie aber einen Nerv.

Das slapstickhafte 4:4 im Hinspiel in Berlin ist noch nicht vergessen. Selten hatte die deutsche Elf in der Ära Löw mehr Hohn und Spott einstecken müssen. Seit der WM 2010 hat das Team alle Qualifikationsspiele gewonnen, nur diese eine Partie nicht; und die, merkte Löw an, „hätten wir auch gewinnen müssen“. Morgen gibt es nun eine kleine Gelegenheit zur Wiedergutmachung. Dabei dürfte der Bundestrainer sein Personal etwas durchmischen; das letzte Qualifikationsspiel wird das erste Schaulaufen für Brasilien.

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Zwei weitere Tests folgen im November, auch dann sind Überraschungen im Aufgebot zu erwarten. Ein Dreivierteljahr vor der WM sind noch längst nicht alle Fragezeichen beseitigt. Ein Blick auf die Mannschaftsteile im Allgemeinen – und die WM-Chancen der Spieler im Besonderen.

Tor: Die Torwartfrage, in Deutschland ein emotionales Thema, wird nur noch in der 3. Reihe gestellt. Manuel Neuer ist die Nummer 1, René Adler gilt als gesetzt, falls er sich nicht verletzt. Und dann? Ron-Robert Zieler, Hannovers Nummer 1, war zuletzt bei Löw die Nummer 3 – aber bleibt das auch so? Allgemein wird erwartet, dass der Bundestrainer zu den Testspielen im November auch Dortmunds Roman Weidenfeller einlädt, einen der überragenden Bundesligatorhüter der vergangenen drei Jahre.

Wenn Löw den Konkurrenzkampf im Tor wirklich erweitert, dürfte das eine schlechte Nachricht für Zieler sein. Andererseits weiß Löw: Wer auch immer mit im Flugzeug nach Brasilien sitzt, ein Qualitätsproblem im Tor wird er nicht bekommen.

Abwehr: Dreimal in Folge – 3:0 gegen Österreich, 3:0 auf den Färöern, 3:0 gegen Irland – blieb die deutsche Mannschaft ohne Gegentor. Nach dem vogelwilden 3:3 gegen Paraguay im August sprechen zumindest die Zahlen für eine Besserung im Abwehrverhalten. Doch es könnte trügerisch sein, das Defensivproblem als gelöst zu betrachten, denn alle drei Gegner verfügten über wenig bis gar kein angsteinflößendes Offensivpotenzial. Selbst die harmlosen Iren konnten sich relativ einfach drei, vier erstklassige Möglichkeiten herausspielen. Spätestens vom Viertelfinale an warten bei einer Weltmeisterschaft Gegner, die sich bei solchen Gelegenheiten nicht zweimal bitten lassen werden.

Spannend dürfte zudem werden, ob Jérôme Boateng und Per Mertesacker auch harmonieren, wenn die Angreifer schnell und dribbelstark sind oder beim Spielaufbau beide früh gestört werden. Am Grundproblem hat sich nichts geändert: Erstklassige deutsche Innenverteidiger und Außenverteidiger gibt es nur wenige. Und darüber nachdenken, was es bedeuten würde, wenn Philipp Lahm mal verletzt ausfällt, sollte man lieber nicht.

Mittelfeld: Dieser Mannschaftsteil ist Löws Schlaraffenland. Keine andere Nation, nicht einmal Spanien, verfügt über ein derart großes Reservoir von kreativen Spielern, die zudem noch variabel einsetzbar sind. Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos oder Ilkay Gündogan können zum Beispiel im Zentrum defensiv oder offensiv agieren. Mesut Özil kann hinter den Spitzen spielen oder die Regisseurrolle übernehmen. Dazu kommen auf den Außenpositionen gleich mehrere Klasseleute wie Marco Reus oder Thomas Müller, die eine Mischung aus Stürmer und Mittelfeldspieler sind.

Löw hat die Qual der Wahl, von seinem Geschick, die einzelnen Arbeitsplätze im Mittelfeld zu besetzen, dürfte viel abhängen. Die Kunst wird darin bestehen, für jeden Gegner die passende Formation zu finden, denn die Qual der Wahl bedeutet immer auch die Gefahr, mal falsch zu liegen. Wie zum Beispiel bei der EM 2012 im Halbfinale gegen Italien, als der Bundestrainer Özil aus dem Zentrum nach rechts beorderte.

Angriff: Wer hätte das gedacht, dass dem Land der Seelers und Müllers eines Tages die Stürmer ausgehen würden? Miroslav Klose ist bei der WM natürlich dabei; ob er mit 36 Jahren fit ist und spielen kann, ist eine andere Frage. Bei der EM hatte Klose seinen Stammplatz an Mario Gomez verloren; einen Stürmer, mit dem Löw immer etwas fremdelt, weil Gomez ein klassischer Vollstrecker ist und die spielerische Qualität nicht mitbringt, die der Bundestrainer so schätzt. Stefan Kießling spielt in Löws Planungen nur dann noch eine Rolle, wenn Klose und Gomez verletzt sind.

Ob Löw zwei oder drei Stürmer nominiert, ist ohnehin nur wichtig für Statisten. Spieler, die Tore schießen können, obwohl sie gar keine echten Stürmer sind, hat Löw ja genug: Thomas Müller etwa, Mario Götze, oder Reus. Längst testet der Bundestrainer ein System ohne echte Spitze. Gegen Kasachstan, am Freitag gegen Irland und eine halbe Stunde lang gegen Frankreich hat das geklappt. Ob das auch in einem WM-Halbfinale gut geht, ist allerdings eine andere Frage.

Trainer: Dass Löw ein herausragender Trainer ist, gilt als unbestritten. Ob er auch ein Trainer ist, der Titel gewinnt, bleibt dagegen offen. Auch über Löws taktisches Können muss nicht diskutiert werden, auch wenn ihn seine Liebe zum offensiven Spiel immer mal wieder blind gemacht hat für rustikalere Lösungen. Eine Dickköpfigkeit, die gefährlich sein kann – siehe EM oder das 4:4 gegen Schweden. Kleine Zweifel sind auch erlaubt bei Löws Fähigkeiten, Konkurrenzsituationen im Team zu moderieren. Bei der WM wird er vor allem auf Spieler von Bayern München und Borussia Dortmund zurückgreifen. Er selbst wird zwar ungehalten, wenn man ihm unterstellt, er tue sich mit der Dortmunder Fraktion schwer. Ganz wegwischen lässt sich dieser Eindruck dennoch nicht.

Einfacher gestaltet sich da die Vertragsverlängerung mit Löw und seinem Team bis zur EM 2016 in Frankreich. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) plant, den Deal am Freitag in der Verbandszentrale in Frankfurt zu verkünden. 
DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, in puncto Eitelkeit seinem Vorgänger Theo Zwanziger durchaus ähnlich, möchte sich beim Verbandstag in der Woche darauf dafür den Beifall abholen.

Das sind Löws WM-Kandidaten

23 Spieler darf Bundestrainer Joachim Löw für die Weltmeisterschaft in Brasilien nominieren, drei Torhüter und 
20 Feldspieler. Dass es „Härtefälle“ geben wird, hat er bereits angekündigt, zumindest wenn die Leistungsträger von Verletzungen verschont bleiben. Bei der EM 2012 hatte sich Löw übrigens für drei Torhüter, sieben Abwehrspieler, elf Mittelfeldspieler und zwei Stürmer entschieden. Ein Blick auf Löws WM-Kandidaten:

Sicher dabei: Manuel Neuer, René Adler, Philipp Lahm, Per Mertesacker, Jérôme Boateng, Marcel Schmelzer, Mats Hummels, Ilkay Gündogan, Sami Khedira, Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, Mesut Özil, Mario Götze, Marco Reus, Thomas Müller, Miroslav Klose.

Wackelkandidaten: Lukas Podolski, Mario Gomez, Ron-Robert Zieler, Benedikt Höwedes, Marcell Jansen, Lars Bender, Julian Draxler, Max Kruse, André Schürrle, Sven Bender, Sidney Sam.

Außenseiterchancen: Roman Weidenfeller, Heiko Westermann, Kevin Großkreutz, Lewis Holtby, Kevin Volland, Gonzalo Castro.

hr/stk

Fragen und Antworten zur WM 2014

Gegen wen spielt Deutschland bei der WM, was kosten die Karten? Die wichtigsten Fragen zur Endrunde in Brasilien auf einen Blick.

Die Qualifikation ist geschafft, 
aber die WM beginnt erst im Juni.
Wie geht es jetzt weiter für die deutsche
Fußball-Nationalmannschaft?

Bislang sind drei Testspiele geplant. Am 15. November spielt die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw in Italien. Für den 19. November ist im Wembley-Stadion der Klassiker gegen England geplant – Voraussetzung: Die Briten schaffen am Dienstag gegen Polen die direkte WM-Qualifikation, ansonsten müssen sie am 15. und 19. November in den Play-offs um das Ticket für Brasilien kämpfen. Für 2014 ist bislang ein Testspiel fest vereinbart: Am 5. März trifft die deutsche Elf in Stuttgart auf Chile. 

 Wann erfährt die deutsche Elf, gegen
wen sie bei der WM spielen muss?

Die Gegner bringt der Nikolaus: Die Vorrundengruppen der WM werden am 
6. Dezember in Costa do Sauípe an der Küste Bahias ausgelost.

Wann beginnt die Vorbereitung auf die WM?

Am 10. Mai endet die aktuelle Bundesligasaison, kurz danach werden sich die WM-Fahrer treffen - möglicherweise aber nur eine kleinere Gruppe, denn am 24. Mai findet in Lissabon das Champions-League-Finale statt – Münchener oder Dortmunder Beteiligung nicht ausgeschlossen. Mitte Mai reist die Nationalelf für zwei Wochen ins Passeiertal in Südtirol, für diese Zeit sind auch zwei Spiele geplant: ein Testländerspiel und das obligatorische Benefizspiel zugunsten der Egidius-Braun-Stiftung. Anschließend geht es zur Akklimatisierung frühzeitig nach Südamerika. In dieser zweiten Vorbereitungsphase soll noch ein weiteres Testspiel stattfinden. Die WM beginnt dann am 12. Juni.

Wo gibt es Karten für die WM-Spiele, und was kosten die Tickets?

Gruppenspiele kosten zwischen 90 und 175 Dollar, das sind umgerechnet rund 
66 bis 130 Euro. Für ein Achtelfinale werden 110 bis 220 Dollar (80 bis 160 Euro), für ein Viertelfinale 165 bis 330 Dollar (120 bis 240 Euro) und für ein Halbfinale 275 bis 660 Dollar (200 bis 485 Euro) fällig. Wer am 13. Juli beim Finale im Maracaña-Stadion von Rio de Janeiro dabei sein möchte, muss zwischen 440 und 
990 Dollar (325 bis 730 Euro) auf den Tisch legen. Karten können auf der Internetseite des Fußball-Weltverbandes FIFA bestellt werden. In der ersten Verkaufsphase, die am 10. Oktober endete, gingen rund sechs Millionen Bestellungen bei der FIFA ein. Am 
5. November startet die zweite Verkaufsphase, am 8. Dezember, zwei Tage nach der Gruppenauslosung, die dritte Phase.

Wie viele Eintrittskarten gibt es?

Insgesamt werden für die 64 WM-Spiele rund drei Millionen Karten angeboten. Rund zwei Drittel davon gehen in den freien Verkauf. Zudem bekommt jeder der 32 WM-Teilnehmer ein Kontingent von zwölf Prozent für seine Gruppenspiele und acht Prozent für alle weiteren Partien. Der Rest der Karten ist vorgesehen für Sponsoren und andere Ehrengäste.

Gibt es Komplettangebote von Reiseveranstaltern?

Solche Angebote werden mit Sicherheit auf den Markt kommen, genaue Informationen dazu gibt es aber erst nach der Auslosung der Vorrundengruppen am
 6. Dezember.

Wo liegt das Mannschaftsquartier des Deutschen Fußball-Bundes?

Der Bundestrainer will erst die Auslosung abwarten und dann einen Standort wählen, mit dem in dem riesigen Land – 24-mal größer als Deutschland – die Reisestrapazen so gering wie möglich gehalten werden können. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat zwei Hotelkomplexe reserviert, dem Vernehmen nach in der Nähe von Salvador und im Großraum von São Paulo. „2006 hatten wir eine WM der kurzen Wege“, sagt DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, „2014 muss man sich so vorstellen, als ob wir das Mannschaftsquartier in Frankfurt hätten, auf Gran Canaria das erste Gruppenspiel, in Moskau das zweite und auf den Färöern das dritte bestreiten.“

Sind schon alle Stadien fertig?

Nein, aber das kennt man aus der Vergangenheit von allen großen Sportereignissen, ist also kein brasilianisches Phänomen. Sechs Stadien wurden zum Konföderationenturnier in diesem Jahr fertig, an sechs Arenen wird noch gebaut. Bis Dezember sollen auch sie fertig sein, aber richtig glaubt daran keiner. Nach Schätzungen des brasilianischen Fußballverbandes sollen 1,1 Milliarden Euro für die Stadien ausgegeben werden.

Von Stefan Knopf
 und Heiko Rehberg

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