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Überregional Löws schwierige Mission: Zurück in den Alltag
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15:10 15.11.2009
Bundestrainer Joachim Löw Quelle: lni
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DFB-Kapitän Michael Ballack hatte am Sonntag auf einem schweren Gang gemeinsam mit Per Mertesacker auf dem Rasen der Arena von Hannover einen Kranz vor dem aufgebahrten Sarg des verstorbenen Kollegen niedergelegt. Direkt von der Trauerfeier reiste die Nationalelf weiter nach Düsseldorf, wo sich der Vize-Europameister auf das letzte Länderspiel des Jahres gegen die Elfenbeinküste vorbereitet. Es wird für die Spieler, Trainer und Funktionäre ein Spagat ohne bisheriges Beispiel. Löw verzichtet auf Stürmer Miroslav Klose, dessen Zwillingssöhne Noah und Luan an Schweinegrippe erkrankt sind.

Schon für Sonntagnachmittag hatte Löw im „Hilton“-Hotel eine individuelle Fitness-Einheit angesetzt, ein erster Schritt zu vertrauten und gewohnten Abläufen. An diesem Montag wird die Nationalelf dann erstmals nach dem Selbstmord von Robert Enke und dem daraufhin vom DFB abgesagten Länderspiel gegen Chile wieder auf dem Rasen üben. Für Löw, der die Abschiedsfeier für den angesehenen und beliebten Enke an der Seite von Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann miterlebte, wird das 45. Länderspiel als Bundestrainer die außergewöhnlichste Mission seit dem Amtsantritt im Sommer 2006.

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„Wir haben einen Freund verloren“, hatte Löw erklärt. Auf der anderen - der sportlichen Seite - steht der Bundestrainer am Mittwoch in Gelsenkirchen gegen WM-Teilnehmer Elfenbeinküste vor dem vorletzten Test, bevor er seinen Kader für die Weltmeisterschaft im Sommer nächsten Jahres in Südafrika berufen muss. Löw wird sich wieder mit Personalfragen beschäftigen müssen: Wer steht im Tor? Debütiert der Bremer Aaron Hunt? Bekommt Rückkehrer Stefan Kießling eine neue Chance? Bei Klose gebe es zwar keinerlei Symptome, dass er sich bei seinen Kindern angesteckt habe, erklärte DFB-Mediendirektor Harald Stenger bei der Ankunft des Teams am Sonntag in Düsseldorf. Aber um jedes Restrisiko einer Ansteckungsgefahr auszuschließen, habe Bundestrainer Löw entschieden, dass Klose zu Hause bleibe.

Die Trauer über den Tod von Torhüter Enke ist bei der DFB- Auswahl nach wie vor groß. „Es wird noch lange anhalten, dieser Zustand der stillen Trauer über diesen unbegreiflichen, viel zu frühen Tod“, heißt es in einer Traueranzeige der Nationalmannschaft, die am Wochenende in vielen Zeitungen erschien. Kapitän Ballack, neben Löw und Teammanager Oliver Bierhoff Unterzeichner der Anzeige, hatte Enke schon aus Jugendjahren gekannt. Noch würden die Bilder von der Tragödie um Robert Enke vor aller Augen stehen, sagte DFB- Präsident Theo Zwanziger in seiner Trauerrede im Stadion von Hannover. Zwanziger sagte aber auch: „Diese Bilder verändern sich. Sie werden mal stärker und verblassen. Die Zeit wird vergehen. Das Leben wird wieder seinen Anfang nehmen.“

Der Neuanfang für das DFB-Team heißt Elfenbeinküste, auch wenn beim Spiel in Gelsenkirchen die Ehrungen für den verstorbenen Enke nochmals in den Vordergrund rücken werden. Mit einem Film und einer Schweigeminute wird der DFB Enke gedenken; die Akteure laufen mit Trauerflor auf. Der Anpfiff der Partie soll dann „für uns alle ein Schritt nach vorn sein“, erklärte Bierhoff. Der Manager wertete die große Anteilnahme im Nationalteam - ehemalige DFB-Gefährten wie Torsten Frings, Christoph Metzelder und Jens Lehmann nahmen in Hannover mit Abschied von Enke - auch als ein „Zeichen für den Zusammenhalt“ und „die Freundschaft unter den Spielern“. Für den Neubeginn, bei dem auch Löw die Balance zwischen persönlicher Betroffenheit und neuer Aufgabe finden muss, gibt es laut DFB- Generalsekretär Wolfgang Niersbach „sicher kein Patentrezept“.

Vielleicht bekommt der Bundestrainer noch einen Anruf von Dirk Enke, Roberts Vater. Der hatte nach Löws Telefonnummer gefragt, „weil er, der Vater, ihn, den Bundestrainer, von möglichen Schuldgefühlen befreien möchte“, wie „Der Spiegel“ berichtete. Die jüngste Auswahl- Nichtnominierung habe bei Enkes Selbstmord keine Rolle gespielt: „Ein wichtiges Anliegen ist mir, Herrn Löw von der Frage zu entlasten: Was wäre, wenn ich ihn nominiert hätte? Ich glaube, dass Robert das in Ordnung fand, weil er neun Wochen raus war“, sagte Dirk Enke dem Nachrichtenmagazin. Offiziell hieß es im September, Robert Enke würde an einer Bakterien-Erkrankung leiden. Doch zu der Zeit hatten die Depressionen schon wieder Besitz von dem Torwart ergriffen.

Pfarrer Heinrich Plochg machte mit seinen Worten beim Enke- Abschied dessen Kollegen bei Hannover 96 und im Nationalteam deutlich, dass die nächsten Spiele und Trainingseinheiten nicht leicht sein werden, ganz besonders für den Spieler, „der zwischen den Pfosten steht“. Ursprünglich hatte Löw dem Schalker Manuel Neuer einen Einsatz in seinem Heimstadion in Aussicht gestellt. Gut möglich, dass er sich die schwierige Aufgabe mit dem Bremer Tim Wiese für jeweils eine Halbzeit teilen wird.

lni

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Bei einer sehr emotionalen Trauerfeier haben am Sonntag Zehntausende Menschen in Hannover Abschied vom verstorbenen Nationaltorwart Robert Enke genommen. Im Stadion von Hannover 96 gedachten in einer einstündigen Zeremonie mehr als 35.000 Trauergäste des 32-Jährigen, der sich am vergangenen Dienstag das Leben genommen hatte.

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