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Überregional Manuel Neuer erholt sich bei der Nationalmannschaft
Sportbuzzer Fußball Überregional Manuel Neuer erholt sich bei der Nationalmannschaft
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18:11 08.08.2011
Das Nationalteam als Rückzugsgebiet: Manuel Neuer darf sich im trauten DFB-Kreis von seinem Münchner Debüt-Patzer erholen. Quelle: dpa
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Stuttgart/München

Nach gerade 90 Bundesliga-Minuten ist Manuel Neuer unsanft in seiner neuen Torwart-Welt gelandet, denn unter dem gnadenlosen Bayern-Brennglas tut jeder Fehler noch mehr weh. Der Kurztrip zum Testländerspiel gegen Brasilien kam für Deutschlands Nummer 1 nach dem heiklen Fehlgriff gegen Borussia Mönchengladbach gerade recht. Nach der Münchner Auftaktniederlage fühlt sich der DFB-Ausflug für Neuer wie der Rückzug in eine Schutzzone an. „Wir freuen uns natürlich immer auf die Nationalmannschaft, wir haben ein interessantes Spiel gegen Brasilien und da möchte jeder dabei sein“, sagte der 25-Jährige.

In Stuttgart kann Neuer zumindest kurz in Deckung gehen. Dem in Deutschlands Fußball wohl einmaligen Druck als Bayerns Stammkeeper - den schon Über-Torwart Oliver Kahn stets hervorhob - wird er sich aber dauerhaft stellen müssen. „In der einen Situation in der zweiten Halbzeit, wo das Tor fällt, sehe ich natürlich blöd aus“, gestand der Neu-Münchner nach dem spielentscheidenden Patzer. „Ich habe gesagt, dass ich das Tor auf meine Kappe nehme.“

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Zweifel an den enormen Fähigkeiten von Deutschlands frisch gekürtem „Fußballer des Jahres“ sind auch nach dem „Luftloch“ unangebracht. Auch Bundestrainer Joachim Löw wird seine Nummer 1 nicht infrage stellen. Leichter wird die Lage für den 22-Millionen-Transfer aber nicht. Mit Samthandschuhen wurde Neuer von Trainer Jupp Heynckes („Manuel hätte da sicher nicht rausgemusst“) und auch vom Kollegen Bastian Schweinsteiger angefasst, der gleich noch Verteidiger Jérôme Boateng mit in Schutz nahm: „Das war auch der einzige Fehler von den Beiden im Spiel.“

Heynckes wies zudem noch auf die Magen-Darm-Probleme hin, die Neuer drei Tage vor der Partie plagten. Weitere Ausreden kann sich Neuer aber genauso wenig leisten wie weitere Fehler. „Man darf auf dem Platz keine Schwäche zeigen. Das merkt der Gegner sofort, wenn man nervös oder zappelig ist. Dann strahlst du keine Ruhe, keine Souveränität aus. Das braucht man als Torwart, da musst du Macht ausstrahlen“, sagte er kürzlich in einem Interview dem „Kicker“.

Für ältere ein déjà-vu

Ein Risiko ist Neuer nicht. Aber Neuers Spielweise ist sein eigenes, wohl einkalkuliertes Risiko: Immer auf dem Sprung, bereit, auch außerhalb des Strafraums spektakulär zu klären. Dieser Charakterzug brachte ihm auch im Schalker Trikot schon kuriose Tore ein, wie beim letztlich unbedeutsamen Gegentreffer in der Champions League bei Inter Mailand (5:2). Gegen Mönchengladbach blieben - durchaus überraschend - auch nach dem Gegentor Unmutsbekundungen der Neuer-kritischen Bayern-Fans aus.

Viele ältere Zuschauer erlebten bei Neuers Premieren-Fehlgriff geradezu ein Déjà-vu. Und die Historie könnte Neuer beruhigen. Jean-Marie Pfaff sorgte 1982 in seinem ersten Bayern-Spiel für landesweite Belustigung, als er einen Einwurf des Bremers Uwe Reinders ins eigene Tor flutschen ließ.

Auch der Belgier war verpflichtet worden, um ein jahrelanges Torwart-Vakuum nach dem Rücktritt von Sepp Maier zu füllen - wie nun Neuer endlich die Kahn-Lücke schließen soll. Pfaff erholte sich von seinem Fauxpas und wurde zu einem sicheren Bayern-Rückhalt. Auch Neuer wird den Eindruck schnell verwischen, sind sich die Bayern sicher. „Manuel Neuer wird uns noch viele Spiele gewinnen“, sagte Kollege Mario Gomez.

dpa