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Überregional „Hochgradig arrogant“
Sportbuzzer Fußball Überregional „Hochgradig arrogant“
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08:29 10.03.2014
Erntet Kritik nach Äußerungen über das Trainingsverhalten der anderen Bundesliga-Vereine: Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer. Quelle: dpa
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Berlin

Der Europameister von 1996 spürte offenbar, dass er diesmal übers Ziel hinausgeschossen war und ruderte – wenn auch etwas halbherzig – zurück. „Ich habe nur gesagt, was wir machen, und dass der eine oder andere es sich überlegen sollte. Ich habe in der Passage sogar noch gesagt: Ich möchte auf keinen Fall irgendwelche Kritik äußern. Und so sollte man das auch nicht aufnehmen“, sagte Sammer am Wochenende.

Doch die Konkurrenz zog ganz andere Schlüsse, viele Klub-Verantwortliche fühlten sich angegriffen. Sammer hatte sich in einem Interview zu den Gründen der Dominanz des seit 49 Spielen ungeschlagenen Tabellenführers geäußert und dabei unter anderem die Intensität des Trainings bei den anderen Klubs angezweifelt. „Vielleicht sind wir von der Qualität, aber auch von der Mentalität im Moment anderen überlegen“, sagte der 46-Jährige: „Und vielleicht ist das die Message nach draußen: Wird denn woanders auch jeden Tag akribisch trainiert, als würde es kein Morgen geben?“

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Zuerst war Jürgen Klopp der Kragen geplatzt. Angesprochen auf Sammers Aussagen suchte der Trainer von Borussia Dortmund sichtlich nach einer möglichst diplomatischen Antwort, doch dann sprudelte beißende Ironie aus ihm heraus. „Ich finde es ganz wichtig im Leben, dass man das Glück, das man hat, auch erkennt. Ich an Matthias Sammers Stelle würde jeden Morgen, bevor ich das Bayern-Trainingsgelände betrete, Gott danken, dass irgendjemand auf die Idee gekommen ist, mich dazuzunehmen“, konterte Klopp am Freitag die Aussagen des Sportdirektors des Triple-Gewinners.

Am Wochenende legten andere Verantwortliche von Bundesligaklubs nach. Die Aussagen seien „hochgradig arrogant“, sagte etwa Manager Dirk Dufner von Hannover 96: „Es ist eine Frechheit, den anderen Mannschaften zu unterstellen, sie würden nicht genug trainieren. Ich kann Jürgen Klopp da voll verstehen.“ Auch Eintracht Frankfurts Vorstandschef Heribert Bruchhagen konnte sich eine Spitze nicht verkneifen. „Si tacuisses, philosophus mansisses“, bemühte Bruchhagen sein Schullatein: „Wenn du geschwiegen hättest, wärst du ein Philosoph geblieben.“ Der Eintracht-Boss warnte, die Öffentlichkeit könne den Eindruck bekommen, „dass da jemand die Weisheit in dieser Fußballwelt allein gepachtet“ hätte.

Manager Christian Heidel vom FSV Mainz 05 konterte ebenfalls mit etwas Spott in der Stimme: „Wenn wir auch die Möglichkeit hätten, in zwei Jahren für 130 Millionen Spieler zu kaufen, werden wir auch ohne die Ratschläge von Matthias Sammer Meister. So schwer ist das nicht.“ HSV-Sportchef Oliver Kreuzer stellte klar: „Die Bayern haben so viele Punkte Vorsprung, weil sie die besten Spieler haben. Nicht, weil sie die beste Trainingslehre haben.“ Und auch Gladbachs Coach Lucien Favre konnte mit der Kritik aus München nicht viel anfangen. „Ich kann nicht beurteilen wie der FC Bayern trainiert, aber ich denke, das stimmt nicht. Jeder hat seine Methode“, sagte er.

Doch Sammer erntete nicht nur Kritik aus der Liga. Wolfsburgs Manager Klaus Allofs sagte: „Den Aufstand kann ich nicht nachvollziehen. Er zeigt, dass sich einige vielleicht angesprochen fühlen.“

sid

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