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Überregional Michael Ballacks Zukunft liegt im Dunkeln
Sportbuzzer Fußball Überregional Michael Ballacks Zukunft liegt im Dunkeln
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14:04 10.06.2010
Von Heiko Rehberg
Michael Ballack Quelle: dpa
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Franz Beckenbauer und Joachim Löw mussten erst einmal auf den neuesten Stand gebracht werden. Als es am Mittwoch im deutschen WM-Quartier in Südafrika um Michael Ballack ging, schauten beide verdutzt, und das war nicht gespielt. Harald Stenger, der Medienchef des Deutschen Fußball-Bundes, kam ihnen schnell zur Hilfe, erklärte, dass Ballack nach vier Jahren beim Londoner Premier-League-Klub FC Chelsea keinen neuen Vertrag mehr bekommt, weil sich beide Seiten nicht auf einen neuen Kontrakt einigen konnten.

Spätestens da machte es klick beim Bundestrainer, der sich am Abend zuvor den seltenen Luxus geleistet hatte, sein Handy ausgeschaltet zu lassen, um sich voll auf die Nationalmannschaft konzentrieren zu können. „Ich habe erst gegen 23.30 Uhr gesehen, dass Ballack versucht hat, mich auf dem Handy anzurufen. Ich hatte mir vorgenommen, ihn zurückzurufen, habe es aber noch nicht geschafft“, sagte Löw.

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Beckenbauer kommentierte die Nachricht auf die ihm eigene Art: „Das ist schade für den Michael, aber er ist ja auch nicht mehr der Jüngste“, sagte er und hängte noch eine Frage dran: „Wie alt ist er denn jetzt?“

33 Jahre ist Ballack alt, genau daran dürfte eine Einigung mit Chelsea gescheitert sein. Der englische Meister wollte dem Deutschen nur einen Einjahresvertrag geben, Ballack, der derzeit in den USA Urlaub macht, wollte gerne bis zur EM 2012 in London bleiben.

Für Ballack war es die zweite schlechte Nachricht innerhalb weniger Wochen: Erst das WM-Aus durch seine schwere Sprunggelenkverletzung, jetzt die Trennung von Chelsea, die zumindest für Beckenbauer nicht überraschend kam: „Ich kann Chelsea verstehen, dass sie die Mannschaft verjüngen wollen. Sie sind überaltert.“

Ballacks Bilanz seines England-Abenteuers fällt gemischt aus: Mit den „Blues“ gewann er einen Meistertitel in der vergangenen Saison und dreimal den englischen Pokal (2007, 2009, 2010); das große Ziel, die Champions League zu gewinnen, erfüllte sich für Ballack in seinen 168 Einsätzen (27 Tore) für die Londoner nicht.

Bereits in den Vorwochen war über Ballacks Zukunft spekuliert worden. Weil der 33-Jährige ablösefrei ist, scheint eine Rückkehr in die Bundesliga nicht ausgeschlossen. Dass aber der wirtschaftlich angeschlagene FC Schalke 04, bei dem Ballack schon länger an der Gerüchtebörse gehandelt wird, dieses Millionengeschäft stemmen kann, erscheint unwahrscheinlich. Gleiches gilt aus anderen Gründen für Real Madrid. Geld spielt dort zwar keine Rolle, aber als Spieler der Zukunft wird man Ballack in Spanien schwer verkaufen können. Immerhin: Ballacks früherer Trainer Jose Mourinho, der jetzt bei Real das Sagen hat, hält viel von dem Deutschen. „Ich bin sicher, dass Michael noch zwei, drei Jahre auf hohem Niveau spielen wird. Er hat sicher viele Möglichkeiten“, sagte Bundestrainer Löw.

Zuletzt war sogar spekuliert worden, dass Ballack aus der Nationalelf zurücktritt. Uli Hoeneß, der Manager des FC Bayern, hat ihm bereits den guten Rat gegeben, 2012 die EM in Polen und der Ukraine nicht mehr zu spielen.