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Überregional Offenbar neuer Fußball-Wettskandal
Sportbuzzer Fußball Überregional Offenbar neuer Fußball-Wettskandal
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19:09 19.11.2009
Schatten über dem internationalen Fußball: Offenbar gibt es einen neuen Wettskandal. Quelle: Stefan Simonsen
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Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Bochum am Donnerstag sagte, ermittelt die Behörde gemeinsam mit der Polizei seit Anfang des Jahres gegen eine international agierende Bande, denen Wettbetrügereien in „hochrangigen europäischen Fußballligen“ zur Last gelegt wird. Am Donnerstag seien hierzu im In- und Ausland mehrere Objekte durchsucht und Personen festgenommen worden.

Nach Recherchen von „Spiegel TV“ handelt es sich bei den Beschuldigten hauptsächlich um Kosovaren. Unter ihnen sollen sich auch die wegen Wettbetrugs vorbestraften Brüder Milan und Ante Sapina aus Berlin befinden, die bereits 2005 in den Fußball-Wettskandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer involviert waren. Die beiden Kroaten hatten 2004 mehrere Spieler und Schiedsrichter, so auch Hoyzer, bestochen, damit diese Spiele zu ihren Gunsten manipulieren.

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Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind die Beschuldigten verdächtig, Spieler, Trainer, Schiedsrichter und Offizielle der Ligen gegen Schmiergelder dazu veranlasst zu haben, den Ausgang von Spielen in ihrem Sinne zu manipulieren. Nähere Einzelheiten wollte der Sprecher zunächst nicht nennen und verwies auf eine für Freitag (20. November, 14 Uhr) angesetzte Pressekonferenz in Bochum, an der auch ein Vertreter des Europäischen Fußballverbandes (UEFA) teilnehmen wird.

Laut „Berliner Morgenpost“ (Freitagausgabe) soll die Bande Erstligaspiele in der Türkei in großem Stil manipuliert haben. Die Drahtzieher hätten von Deutschland aus Wetten mit zum Teil sehr hohen Beträgen auf die manipulierten Spiele abgeschlossen. Im Zusammenhang mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Bochum seien fünf Haftbefehle vollstreckt worden. In dem Verfahren werde gegen 100 Tatverdächtige ermittelt, erfuhr die Zeitung nach eigenen Angaben aus Berliner Sicherheitskreisen.

Der Skandal-Schiedsrichter Hoyzer war im November 2005 als eine der zentralen Figuren des größten Wettskandals im deutschen Fußball zu einer Haft von zwei Jahren und fünf Monaten ohne Bewährung verurteilt worden. Mitte Mai 2007 trat er die Strafe in Berlin an und wurde im Juli 2008 vorzeitig entlassen. Er verpflichtete sich zudem, 126.000 Euro an den DFB als Entschädigung zu zahlen. Für seine Spielmanipulationen soll er 62.000 Euro erhalten haben.

Ante Sapina, der als Drahtzieher des Wettskandals gilt, wurde zu einer mehr als zweijährigen Haftstrafe verurteilt. Er stimmte darüber hinaus zu, der Deutschen Kassenlotterie 1,8 Millionen Euro Schadensersatz zu zahlen.

ddp