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Überregional Politik will Vereine stärker in die Pflicht nehmen
Sportbuzzer Fußball Überregional Politik will Vereine stärker in die Pflicht nehmen
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15:27 27.05.2012
Die Vereine sollen bei Eskalationen im Stadion stärker in die Pflicht genommen werden. Hier das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC. Quelle: dpa
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Schwerin

Nach den jüngsten Fan-Ausschreitungen im Fußball drängen die Länderinnenminister Vereine und Verbände zum Handeln. „Die Verantwortlichen haben zu lange die Augen vor den Realitäten verschlossen und das Problem gewaltbereiter Fans verniedlicht", sagte Mecklenburg-Vorpommerns Ressortchef Lorenz Caffier (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. Er kündigte für die Innenministerkonferenz in der kommenden Woche eine intensive Debatte zu dem Thema an. „Wir werden uns vom DFB und der DFL keine Denkverbote vorschreiben lassen, schließlich geht es um die Sicherheit von Besuchern und Spielern."

Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann forderte mehr Geld und Einsatz von Vereinen und Verbänden. Vorkommnisse wie beim Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC seien „völlig unerträglich", sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Die Vereine sollten ihre Sicherheitskonzepte verbessern und der DFB Vereine bestrafen, die die Sicherheit nicht gewährleisten. Zudem solle ein Teil der Fernseheinnahmen für Fanprojekte und Gewaltprävention ausgegeben werden.

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Caffier, derzeit Vorsitzender der Innenministerkonferenz, sieht die Vereine in der Pflicht, ihre Stadien technisch so auszurüsten, dass notorische Störer nach Stadionverboten effektiv ferngehalten und Gewalttäter für die Strafverfolgung klar identifiziert werden können. „Mit den neuen Fernsehverträgen fließt sehr viel Geld an die Vereine. Das sollte nun nicht nur in Fußballerbeine investiert werden, sondern beispielsweise auch in bessere Kontrollsysteme an den Eingängen oder Videokameras."

Die Verantwortung für die Sicherheit im Stadion könne nicht an die Gesellschaft weitergereicht werden. „Die Zuständigkeit der Verantwortlichen im Fußball beschränkt sich nicht auf Spielansetzungen und das Strafmaß für Rotsünder. Es liegt im eigenen Interesse des Fußballs, dass die große Mehrzahl der friedlichen Besucher ohne Angst ins Stadion gehen kann."

Nicht in einem noch größeren Polizeiaufgebot könne die Lösung liegen, sondern in einem entschiedenen Vorgehen der Verantwortlichen im Fußball. „Das fängt damit an, dass sich Vereinsführungen klar von Chaoten distanzieren und nicht nach Begründungen und Relativierungen suchen", betonte Caffier. Auch die Abschaffung der Stehplätze - wie etwa in England - dürfe kein Tabu sein. Vom Deutschen Fußballbund (DFB) und der Deutschen Fußballliga (DFL) wünsche er sich auch da Gesprächsbereitschaft. Für seinen Vorschlag, notorische Gewalttäter mittels Gesichtsscanner aus Fußballstadien fernzuhalten, war Caffier von Verbandsverantwortlichen scharf kritisiert worden.

Die Vereine müssten dafür Sorge tragen, dass im Stadion keine Feuerwerkskörper abgebrannt werden und nicht Massen von Zuschauern aufs Spielfeld laufen, sagte Bayerns Innenminister Herrmann. Wenn ein Verein die Sicherheitsanforderungen nicht erfülle, müssten auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) und die Deutsche Fußball Liga (DFL) konsequent handeln. „Zur nächsten Bundesliga-Saison sollte ein Verfahren gefunden werden, dass der DFB Vereine selbst bestraft, bei denen es ein solches Chaos gibt wie in Düsseldorf."

Notfalls müsse auch die Polizei tätig werden, um die Sicherheit besser zu gewährleisten. „Es darf aber nicht sein, dass Defizite der Sicherheitskonzepte der Vereine auf dem Rücken der Polizisten ausgetragen werden. Für die Sicherheit im Stadion sind die Vereine zuständig." Beim Champions League Finale in München habe es keine Probleme gegeben. „Der FC Bayern ist in dieser Hinsicht vorbildlich. Bei jedem Spiel sind 500 bis 600 Ordner eingesetzt." Die Vereine müssten auch die Fanclubs engagierter betreuen. „Sie müssen vor allem mit geschickter Präventionsarbeit dafür sorgen, dass es nicht zu solchen Gewalttätigkeiten kommt. Da erwarte ich auch von DFB und DFL größeres finanzielles Engagement."

dpa

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