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Überregional Fahnder ermitteln wegen Korruption bei WM-Vergabe
Sportbuzzer Fußball Überregional Fahnder ermitteln wegen Korruption bei WM-Vergabe
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15:49 27.05.2015
Die Beschuldigten kommen aus dem engsten Machtzirkel des Fußball-Weltverbandes und dessen Chef Joseph Blatter. Quelle: Steffen Schmidt
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Zürich
  • Die Schweizer Staatsanwaltschaft hat um die Vergabe der Fußball-WM an Russland und Katar ein Strafverfahren eröffnet
  • Ermittler stellen mutmaßliche Beweisstücke im Züricher FIFA-Hauptquartier sicher
  • Wegen weiterer Korruptionsvorwürfe hat die Schweizer Polizei am selben Tag sechs hochrangige FIFA-Mitglieder festgenommen. Drei weitere stehen ebenfalls unter dem Verdacht der Korruption.
  • Der FIFA-Kongress und die Präsidenten-Wahl finden wie geplant statt

Zwei Tage vor den FIFA-Präsidentschaftswahlen droht der FIFA der nächste riesige Skandal. Die Schweizer Staatsanwaltschaft eröffnete am Mittwoch ein Strafverfahren rund um die Vergaben der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Katar. Dabei wurden im Hauptquartier des Weltverbandes in Zürich elektronische Daten und Dokumente sichergestellt. Wenige Stunden zuvor wurden sechs FIFA-Mitglieder, darunter in Jeffrey Webb auch einer der Stellvertreter von FIFA-Präsident Joseph Blatter, festgenommen. Die Verfahren und polizeilichen Maßnahmen stehen allerdings in keinem Zusammenhang.

Der Fußball-Weltverband hat die Maßnahmen der Schweizer Bundesanwaltschaft am Mittwoch im Zusammenhang mit den WM-Vergaben an Russland 2018 und Katar 2022 generell begrüßt. Allerdings räumte Kommunikationschef Walter de Gregorio bei einer Pressekonferenz am Sitz der FIFA in Zürich ein: "Das Timing ist nicht das beste: Die Eröffnung des Strafverfahrens gleichzeitig mit dem FIFA-Kongress." Dieser beginnt an diesem Donnerstag und wird auch wie geplant mit der Wahl des FIFA-Präsidenten am Freitag fortgesetzt. De Gregorio stellte noch einmal klar, dass die FIFA den Generalstaatsanwalt im November vergangenen Jahres gebeten habe, das Verfahren zu eröffnen. "Das ist gut für die FIFA. Es nicht gut für das Image, wegen des Rufes. Im Sinne der Transparenz, dass es bereinigt wird, ist es gut", sagte de Gregorio. "In diesem Kontext ist die FIFA die beschädigte Partei."

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Beim Verfahren wegen der WM-Vergaben geht es nach Behördenangaben um den Verdacht "der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie des Verdachts der Geldwäscherei gegen unbekannt". Vorher sei bereits bei verschiedenen Finanzinstituten in der Schweiz "die Erhebung der betreffenden Bankunterlagen angeordnet" worden, hieß es von der Bundesstaatsanwaltschaft. Verbandsjuristisch waren die umstrittene WM-Vergaben an Russland und Katar eigentlich abgeschlossen, geraten jetzt aber erneut in den Fokus.

Im Falle der sechs Festgenommenen bestätigte das Schweizer Bundesamt für Justiz, dass die Verdächtigen in Auslieferungshaft genommen wurden. Ihnen droht die Abschiebung in die USA - die Ermittlungen gehen von Amerika aus. Den Personen wird von amerikanischen Ermittlern Betrug, Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen.

Das US-Justizministerium hat die Anklage gegen neun FIFA-Offizielle wegen des Verdachts der Verschwörung und Korruption bestätigt und auch die Namen der am Mittwochmorgen in Zürich verhafteten Personen genannt. Nach Angaben der Behörde verhaftete die Schweizer Polizei

  • Jeffrey Webb
  • Eduardo Li
  • Julio Rocha
  • Costas Takkas
  • Eugenio Figueredo
  • Rafael Esquivel
  • José Maria Marin.

Darunter sind in Webb und Figueredo auch zwei FIFA-Vizepräsidenten. Darüber hinaus wurde auch das Hauptquartier des Kontinentalverbands Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik (CONCACAF) in Miami durchsucht.

Die Schweizer Polizei hat mehrere Fifa-Funktionäre in Zürich festgenommen.

Laut Schweizer Behörden geht es um Bestechungszahlungen von über 100 Millionen Dollar seit den 90er Jahren. Ein Sprecher des Schweizer Bundesamts für Justiz sagte, das Geld sei von Sportmedien- und Sportvermarktungsunternehmen gekommen. Als Gegenleistung hätten sie Medien-, Sponsoring- und Vermarktungsrechte an Fußball-Turnieren in den USA und Lateinamerika erhalten. Die Namen der Festgenommenen sollen noch am Mittwoch offiziell bekanntgegeben werden.

Die Polizeiaktion fand am frühen Mittwochmorgen im Zürcher Nobelhotel Bar au Lac statt. Der Kongress mit der Wahl des FIFA-Präsidenten am Freitag soll allerdings "definitiv" stattfinden, sagte FIFA-Sprecher Walter De Gregorio. "Wir machen weiter mit unserer Agenda." Zumindest Webb ist ein ganz enger Vertrauter des Schweizers Blatter. Der Präsident der Nord- und Mittelamerika-Konföderation, vergleichbar mit der Position von Michel Platini in Europa, ist auch Chef der von Blatter hochgelobte Anti-Diskriminierungs-Task-Force und Mitglied des inneren Machtzirkels der FIFA.

Der 79-jährige Blatter geht als großer Favorit in die Wahl für eine fünfte Amtszeit beim FIFA-Kongress. Einziger Gegenkandidat ist Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien, dem praktisch keine Siegchancen eingeräumt werden. Der FIFA-Kongress soll am Donnerstagnachmittag mit einer Feier in einem Zürcher Theater beginnen. Al-Hussein drückte in einer ersten Reaktion seine Sorge aus. "Heute ist ein trauriger Tag für den Fußball." Für eine detaillierte Bewertung der Vorfälle sei es aber noch zu früh.

In den USA laufen seit längeren Untersuchungen des FBI gegen frühere FIFA-Funktionäre. Der ehemalige US-Verbandschef Chuck Blazer und der frühere Blatter-Stellvertreter Jack Warner aus Trinidad und Tobago gehören zu Beschuldigten in diversen Korruptionsverdachtsfällen. Blazer soll zuletzt mit den US-Behörden kooperiert haben und unter anderem bei den Olympischen Spielen 2012 in London per verstecktem Mikrofon Aufzeichnungen von Funktionärsgesprächen gemacht haben.

Auch die WM-Vergabe 2022 an Katar, bei der der US-Fußballverband im Dezember 2010 überraschend dem Emirat unterlag, wird in den USA weiterhin untersucht. Die internen FIFA-Untersuchungen zu den Korruptionsvorwürfen waren im vergangenen Dezember ergebnislos eingestellt worden. Ermittler Michael Garcia aus den USA trat deswegen wenig später von seinem Posten als Chef der investigativen Einheit der FIFA-Ethikkommission zurück. Um die Veröffentlichung seines Reports wird im Weltverband weiterhin gestritten. Zuletzt hatte Blatter Vermutungen zurückgewiesen, dass er eine Reise in die USA wegen der dort laufenden Ermittlungen seit längerem bewusst vermeide. Die Anschuldigungen richteten sich nicht gegen ihn, hatte der Schweizer Anfang des Monats betont.

dpa

26.05.2015
25.05.2015