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Überregional Rafatis Kampf um Anerkennung
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14:20 20.11.2011
Schiedsrichter Babak Rafati stand oft in der Kritik. Quelle: dpa
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Frankfurt/Main

Für den Boulevard ist er schon mal „Babak Tomati“, für die Fans oft eine Pfeife und für so manchen Fußball-Profi ein rotes Tuch: Babak Rafati gehört nicht zu den Beliebtesten einer ohnehin ungeliebten, aber unverzichtbaren Zunft. Der Schiedsrichter aus Hannover schockte am Samstag mit einem Selbsttötungsversuch den deutschen Fußball. Mit Kritik umzugehen, das musste der 41-Jährige in den vergangenen Jahren lernen wie kaum ein anderer Spitzenreferee.

„Er war sehr zufrieden“, sagte Vater Djalal im Kölner „Express“ über seinen Sohn und dessen Schiedsrichter-Job. Aber wie geht einer damit um, wenn er bei der halbjährlichen Umfrage des Fachmagazins „kicker“ unter Bundesliga-Fußballern dreimal zum schlechtesten Schiedsrichter gewählt wird? Zuletzt konnte Rafati die zweifelhafte Auszeichnung an WM-Referee Wolfgang Stark und an Deniz Aytekin weitergeben.

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Die Unparteiischen finden solche Umfragen nicht okay, zumal auch nicht der schlechteste Profi gewählt wird. Man werde, so ein Kollege Rafatis, damit monatelang konfrontiert. Dabei stehen die Spielleiter ohnehin unter einer enormen Drucksituation.

„Ich denke, bei ihm ist die Entwicklung, die man erwartet hatte, ausgeblieben“, kommentierte Markus Merk einmal die erneute Wahl Rafatis. Der Deutsch-Iraner, der in Teheran aufwuchs, durfte zwar nie zu einer EM oder WM, aber er machte nicht nur Karriere als Filialleiter bei der Sparkasse Hannover: Als Nachfolger von Merk wurde Rafati 2008 FIFA-Schiedsrichter.

84 Bundesliga-Spiele pfiff er bis heute, 2 A-Länderspiele und 6 Europacup-Spiele. Für 2012 hat ihn der DFB allerdings von der Liste seiner internationalen Referees genommen. Weil einige Unparteiische in den nächsten Jahren die Altersgrenze von 45 erreichen, müsse ein ständiger Austausch stattfinden - so heißt es beim DFB.

Rafati muss auf seiner Karriereleiter also einen Schritt zurück. „Als Schiedsrichter hast du viele Vorteile. Du hast beispielsweise die Möglichkeit, dich persönlich weiterzuentwickeln, denn das Pfeifen fordert und fördert deine Teamfähigkeit, deine Stressbeständigkeit - in schwierigen Situation gilt es cool zu bleiben - und dein Selbstbewusstsein.“ So wirbt der Erstliga-Referee auf der Homepage seiner Bank für Nachwuchs.

Bei Rafatis Club SpVg. Niedersachsen Döhren herrscht ebenso Fassungslosigkeit wie unter seinen Schiedsrichter-Kollegen in der Bundesliga. „Ich konnte mir nicht vorstellen, dass er aus irgendeiner Situation einen solchen Schluss zieht“, sagte der Vereinsvorsitzende Herbert Ruppel. „Auf diesem Wege möchten wir Babak gute Besserung wünschen“, heißt es auf der Homepage von Rafatis Heimatverein.

Auf der „Anti Babak Rafati“-Seite bei Facebook diskutierten die User aus Fankreisen am Sonntag, ob sie den Schiedsrichter gemobbt hätten. Und ob man diese Seite nicht besser löschen sollte.

dpa