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Überregional Schiedsrichter Rafati bittet um Ruhe und Geduld
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19:54 21.11.2011
Von Stefan Knopf
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Hannover

Nach einem Wochenende wie dem vergangenen muss man die guten Nachrichten in den Mittelpunkt stellen: Babak Rafati, der sich am Sonnabend in seinem Hotelzimmer in Köln offenbar das Leben nehmen wollte, ist aus dem Krankenhaus entlassen worden. Wie der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Montag mitteilte, wird sich der hannoversche Schiedsrichter in weitere stationäre Behandlung begeben. „Der Grund dafür sei nach Mitteilung seines Anwalts ein bei ihm diagnostiziertes Krankheitsbild, das diesen Schritt erforderlich erscheinen lasse“, heißt es etwas hölzern in der DFB-Erklärung. Wer sich heute Antworten auf die Frage nach dem Warum erhofft hatte, wird vermutlich enttäuscht sein.

Rafati selbst hat sich zurückgezogen, der DFB steht über den Anwalt des Hannoveraners in „engem und regelmäßigem Kontakt“ mit dem 41-Jährigen, wie der Verband mitteilte. Größere Erklärungen ist Rafati dem Publikum nicht schuldig; als Schiedsrichter steht er im Rampenlicht, aber sein Privatleben muss er nicht öffentlich breittreten.

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Dass trotzdem oder gerade deshalb heftig über den Grund für den Suizidversuch vor dem Bundesligaspiel zwischen dem 1. FC Köln und dem FSV Mainz spekuliert wird, kann Rafati in der heutigen Medienwelt kaum ändern. Die „Kölnische Rundschau“ meldete am Montag in ihrer Onlineausgabe, dass private Gründe der Auslöser gewesen seien und berief sich auf einen, wie es hieß, leitenden Ermittler. Andere Polizeibeamte bestätigten diese Information nicht. Die Fußballwelt im engeren Sinne wiederum macht sich weiter Gedanken über den Leistungsdruck im Spitzensport und darüber, wie Schiedsrichter künftig besser geschützt werden könnten.

Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandschef des FC Bayern München, fordert vom Weltverband FIFA die Zulassung von technischen Hilfsmitteln, um die Unparteiischen zu entlasten. „Die FIFA lässt die Schiedsrichter im Regen stehen. Zum Beispiel beim passiven Abseits oder bei der Torkamera – sie tut nichts, um die Schiedsrichter zu unterstützen“, sagte er der „Welt“. Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball-Liga, wünscht sich mehr Fairness vom Publikum den Unparteiischen gegenüber. Über ständig reklamierende Spieler und Trainer sagte er nichts. Und das Sportmagazin „kicker“ überlegt laut Chefredakteur Klaus Smentek, Bundesligaprofis künftig nicht mehr nach dem schlechtesten Schiedsrichter zu fragen. Rafati hatte bei der zweifelhaften Wahl dreimal vorn gelegen.

Viele gute Ratschläge werden schnell aus vielen Schubladen gezogen, aber Rafati wünscht sich vor allem eines. Er habe über seinen Anwalt den „ausdrücklichen Wunsch übermitteln“ lassen, „in enger Abstimmung mit dem DFB die Vorgänge ganz in Ruhe aufarbeiten zu wollen“, teilte der DFB mit. „Dafür benötige er jetzt vor allem Zeit und Geduld.“ Wäre schön, wenn er beides auch bekäme.

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