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Überregional Schmelzer, Mustafi und Volland müssen gehen
Sportbuzzer Fußball Überregional Schmelzer, Mustafi und Volland müssen gehen
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17:03 02.06.2014
Hat sich entschieden: Bundestrainer Joachim Löw hat den Kader für die WM 2014 festgelegt. Quelle: dpa
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Mönchengladbach

Eigentlich müssten auch dem Bundestrainer langsam Bedenken für seine WM-Mission kommen. Zwei Wochen vor dem Ernstfall im heißen Salvador gegen Portugal offenbart die deutsche Fußball-Nationalmannschaft noch erhebliche Mängel, die nach der Ausmusterung des angeschlagenen Dortmunders Marcel Schmelzer sowie der Ergänzungskräfte Kevin Volland und Shkodran Mustafi nicht behoben sind. Die Ungewissheit, ob sich die vielen Fragezeichen im Team von Joachim Löw bis zum 16. Juni tatsächlich auflösen, ist groß.

Der Chef der Brasilien-Expedition aber weicht weiter keinen Millimeter von seiner Alles-wird-gut-Linie ab: "Ich weiß, dass wir manche Dinge schon besser machen können. Aber ich bin absolut überzeugt und optimistisch, dass wir in zwei Wochen in einer viel besseren Verfassung sind", erklärte Löw nach dem 2:2 gegen Kamerun.

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Am Tag nach dem vorletzten Test für das WM-Turnier in Brasilien sortierte Löw in Linksverteidiger Schmelzer einen ursprünglich für die Startelf vorgesehen Akteur aus. Stürmer Volland und Innenverteidiger Mustafi spielten schon gegen Kamerun als Bankdrücker keine Rolle mehr. "Natürlich sind Shkodran, Marcel und Kevin nun sehr enttäuscht", sagte Löw, betonte aber: "Mit diesem Kader fliegen wir selbstbewusst nach Brasilien, wir haben dort große Ziele."

Löw zieht sich nach der Auswahl seiner 23 Brasilien-Fahrer noch einmal für zwei Tage zur Analyse der komplizieren Situation in seine Heimat Freiburg zurück. Die unbefriedigende Vorstellung vor 41 250 Fans im nicht ausverkauften Borussia-Park in Mönchengladbach und über elf Millionen Zuschauern vor den TV-Schirmen warf mehr neue Fragen auf, als alte zu beantworten. Neben Schmelzer war auch der als einsatzfähig angekündigte Bastian Schweinsteiger noch nicht wettkampfbereit.

Diese Spieler mussten bereits gehen

Die Nationalspieler stehen Bundestrainer Jogi Löw für die Fußball-WM in Brasilien wegen Verletzungen nicht zur Verfügung.

Oldie Miroslav Klose, der nach einer schwierigen Saison eigentlich Spielrhythmus braucht, saß überraschend 90 Minuten auf der Bank. Philipp Lahm und Manuel Neuer müssen nach Verletzungen in München weiter individuell trainieren. Der Bundestrainer überraschte einmal mehr mit seiner Sicht auf die Dinge. Wie Lahm und Neuer sei auch Schweinsteiger "voll belastbar", meinte er. Dass sein Schlüsselspieler Sami Khedira nach gerade überstandenem Kreuzbandriss noch nicht "im Vollbesitz seiner Kräfte ist", leuchtet noch ein.

Aber Löws optimistische Analyse des schwierigen Trainingslagers im Passeiertal wurde auch vom Auftritt seiner gesunden WM-Akteuren gegen Kamerun nicht gestützt. Mario Götze fremdelte nicht zum ersten Mal mit seiner Rolle als "falsche Neun" im Angriffszentrum. Mesut Özil wirkte nach seiner vergebenen Großchance gleich in der Startminute gehemmt. "Ihm sind Fehler unterlaufen, die er in der Regel nicht macht", räumte Löw ein.

Auch hier aber bleibt er beim Prinzip Hoffnung: "Bei ihm hat man auch gemerkt, dass die Spritzigkeit vielleicht nicht ganz vorhanden ist. Auch das werden wir hinbekommen, weil Mesut ein Spieler ist, der auf diesem technischen Niveau richtig gute Lösungen hat." Per Mertesacker wertete die Situation wie Löw noch nicht als alarmierend. "Wir haben Verbesserungspotenzial. Aber ich glaube, wir brauchen das auch. So bleibt die Spannung hoch. Ich habe schon ganz andere Tests erlebt vor Weltmeisterschaften", betonte der Abwehrchef nach seinem 97. Länderspiel.

Die Lösung mit ihm und Mats Hummels in der Innenverteidigung sowie Jérome Boateng auf der rechten Seite könnte durchaus die WM-Variante werden, falls Löw seinen Kapitän Philipp Lahm doch ins Mittelfeldzentrum stellen will. "Wenn ich rechts aushelfen muss, ist es halt so", meinte der Münchner Boateng, der diese Aufgabe schon bei der EM 2012 gegen Portugals Star Cristiano Ronaldo gut gelöst hatte. Gegen die Kameruner bereitete Boateng das Tor von Thomas Müller (66.) vor, zeigte sich aber defensiv wie viele seiner Kollegen zu unkonzentriert.

Diese Spieler sind im WM-Kader

Bundestrainer Joachim Löw hat seinen Kader für die WM 2014 vorgestellt. Welche Spieler mit nach Brasilien dürfen, erfahren Sie in der folgenden Fotostrecke.

"Speziell in der Abwehr hatten wir Probleme. Die Gegentore dürfen so nicht fallen. Aber das wissen wir", sagte Marco Reus. Löw sieht zwar, dass sich die Probleme Chancenverwertung wie die fehlenden Defensivstabilität "wie ein roter Faden" durch die vergangenen Monate zieht. Abstellen aber konnten er und sein Team diese Probleme bisher nicht. "Wir hatten zu wenig Effizienz. Wir müssen hochkonzentriert bleiben, besser in der Abstimmung werden", fasste Müller, als Ersatz-Mittelstürmer wirkungsvoller als Götze, die Hauptmängel zusammen.

Der WM-Torschützenkönig von 2010 hatte wesentlichen Anteil daran, dass die DFB-Elf in der WM-Saison weiter ungeschlagen ist. Auf der positiven Seite darf Löw zudem das Auswahl-Debüt von Erik Durm verbuchen, für den sich mit dem ersten Länderspiel und dem WM-Ticket "ein Kindheitstraum" erfüllte. Die Joker André Schürrle und Lukas Podolski brachten noch einmal Wucht ins Spiel. Was auch das Tor von Chelsea-Profi Schürrle unterstrich.

"In der Breite sind wir besser besetzt", meinte Mertesacker. "Wir müssen beim ersten WM-Spiel da sein - das werden wir", versicherte Podolski. Zunächst aber dürfen die WM-Fahrer nochmals Heimaturlaub genießen, bevor das Team am Donnerstag in Mainz wieder zusammenkommt. "Die drei Tage bei der Familien sind jetzt superwichtig, um aufzutanken", sagte der gerade zum zweiten Mal Vater gewordene Mertesacker. Am Freitag steht die WM-Generalprobe gegen Armenien auf dem Programm. Sollte die misslingen, könnte wohl auch Löw 24 Stunden später nicht mehr mit ruhigem Gewissen in den Charterflieger nach Brasilien steigen.

sid

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