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Überregional Sieg im Stillen
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13:03 15.06.2015
Von Christian Purbs
Über einen gelungenen Start bei der Heim-EM in Hannover freuen sich die deutschen Spieler. Quelle: Nigel Treblin
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Hannover

Statt zu klatschen, reißen die meisten der 1500 Zuschauer im Erika-Fisch-Stadion die Arme in die Höhe und winken. Oder sie schwenken als Zeichen der Freude eine kleine Deutschlandfahne. Lauter Jubel ist auch sinnlos, denn der kommt bei den Fußballern der deutschen Gehörlosen-Nationalmannschaft nicht an.

Die relative Stille auf und neben dem Platz beim Auftaktspiel der Gehörlosen-EM ist genauso ungewohnt wie die Fahne, mit der der Schiedsrichter seine Entscheidungen nach dem Pfiff zusätzlich anzeigt. Kommuniziert wird in Gebärdensprache, doch die Rufe der Mitspieler, den Atem des Gegners im Nacken, das Klatschen des Leders gegen den Pfosten - das alles nehmen die Spieler nicht wahr. „Gesprochen“ wird, wenn der Ball ruht, wobei dann meistens die normale Fußball-Gestik ausreicht, um sich verständlich zu machen. Der erhobene Daumen als Signal an den Mitspieler für einen guten Pass, die seitliche Bewegung des Ellbogens, um dem Schiedsrichter mitzuteilen, dass der Gegenspieler unfair gespielt hat - alles genau so wie bei Jogis Jungs.

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Das gilt auch für den Erfolg. Das deutsche Gehörlosen-Team, dessen Niveau etwa dem einer Landesligamannschaft entspricht, war schon Welt- und Europameister, gestern setzte es sich gegen die robust verteidigenden Schweden mit 2:0 durch und feierte damit einen Start nach Maß bei der Heim-EM. Für die Entscheidung sorgte erneut Benjamin Christ mit einem sehenswerten Treffer zum 2:0 (81.). Seinen 34. Treffer im 41. Länderspiel erzielte der 26-jährige Stürmer mit einem Seitfallzieher, nachdem er den Ball perfekt mit der Brust angenommen hatte.

„Besonders mit der 1. Halbzeit bin ich zufrieden, weil wir immer wieder versucht haben, spielerische Lösungen zu finden“, sagte Bundestrainer Frank Zürn. Mit einem Sieg gegen Italien will der Coach mit seinem Team am Mittwoch (19 Uhr, Erika-Fisch-Stadion) den Einzug ins Viertelfinale bei der „EuroDeaf“ perfekt machen.